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Fifa Die Macht der Masse

Die Finanzversprechen der USA, Kanadas und Mexikos bringen dem Trio den Zuschlag für die Fußball-WM 2026.

FIFA World Cup
Zuschlag: Fifa-Boss Gianni Infantino (am Pult) beglückwünscht das erfolgreiche Bewerbertrio. Foto: afp

Mit der Zettelwirtschaft ist es nun vorbei. Die Fifa ist im digitalen Zeitalter angekommen, alles läuft sekundenschnell und elektronisch, es gibt nicht mehr diesen Spannungsbogen, dass der Präsident des Fußball-Weltverbandes erst einen Briefumschlag öffnen, bedeutungsvoll in den Saal blicken und feierlich „And the winner is ...“ sagen muss. Das Ergebnis darf der Fifa-Chef zwar noch verkünden, aber es leuchtet gleichzeitig auf der großen Videotafel auf. Und da stand dann am Mittwoch: Die WM 2026 wird das Dreierbündnis Kanada, Mexiko, USA, die „United Bid“, ausrichten.

Neu ist auch die Öffentlichkeit, mit der eine solche Entscheidung begleitet wird. Erstmals war nicht das aufgelöste Exekutivkomitee (24 Mitglieder) stimmberechtigt, sondern der gesamte Kongress, mit 203 der 210 nationalen Mitgliedsverbände. Also wurden sofort detaillierte Ergebnisse bekanntgegeben. Die Amerika-Gruppe hatte 134 Stimmen bekommen (67 Prozent), Mitbewerber Marokko 65 (33 Prozent). Nur eine Stimme besagte: Keiner von beiden, lasst uns andere Interessenten suchen.

Dann flimmerte ein aufgeschlüsseltes Ergebnis über die Bildschirme: Wie welcher Verband sich entschieden hatte. Ein weiterer Schritt der Transparenz. Es hatte allerdings auch Bedenken gegeben. Marokkos Bewerbern wäre es lieber gewesen, das Abstimmungsverhalten geheim zu halten – die Furcht vor der Rache Donald Trumps und vor wirtschaftlichen Sanktionen des US-Präsidenten und wütenden Twitter-Tiraden. Interessant dabei: Nordkorea, das neue Buddy-Land Trumps, gab seine Stimme Marokko.

„Vor Ihnen sitzt ein glücklicher Präsident“, sagte Gianni Infantino zum Abschluss der Veranstaltung. Mit dem Sieg von Kanada, Mexiko, USA hatte er seinen Willen bekommen. Es war die Bewerbung, die als die technisch eindeutig bessere bezeichnet worden war. Es ist die, mit der sich das Konzept der Nachhaltigkeit besser betonen lässt. Fatma Samoura, die Fifa-Generalsekretärin, hatte aufgeschlüsselt: „Marokko müsste neun Stadien neu bauen und fünf renovieren.“

Die USA und ihre Nachbarn hingegen können bereits einen guten Bestand an Stadien aufweisen, die sie in ihrer 15-minütigen Präsentation „ikonisch“ nannten. Da verpufften andere marokkanische Argumente wie der Bau einer TGV-Linie, der passenden Zeitzone, dem schönen Wetter und der Weltführerschaft in der Solarenergie. Lothar Matthäus als Botschafter im Film riss es mit fränkischer Donalidäd ebenfalls nicht raus. Und die Anspielung von Organisationschef Moulay Hafid („Bei uns sind Waffen formell verboten“) verpuffte.

Durch das Votum sieht sich der DFB, der seine Stimme den Nord- und Mittelamerikanern gegeben hatte, in seiner Bewerbung für die EM 2024 bestätigt. „Das Votum für die Gemeinschaftsbewerbung USA, Kanada und Mexiko kann man als Zeichen werten, dass die große Mehrheit der Verbände auf Nachhaltigkeit großen Wert legt“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. Dies sei „auch Ermutigung für uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Vor allem konnten die Nord- und Mittelamerikaner die Fifa mit dieser wuchtigen Zahl locken: elf Milliarden Dollar. So hoch soll der Profit ausfallen, der für den Weltverband hängen bleiben wird. Carlos Cordeiro, Präsident von US Soccer, sagte: „Wir sind der größte Sponsorenmarkt der Welt.“ Marokko hatte lediglich fünf Milliarden Dollar in Aussicht stellen können (Hafid: „Doppelt so rentabel wie Brasilien 2014“). 48 Nationen werden starten dürfen bei der WM 2026, ergibt 80 Spiele. Die Veranstaltung wird so groß wie keine zuvor. Und in einer neuen Dimension einträglich.

Gianni Infantino sieht sich in seiner Position gestärkt. Die Tage zuvor in Moskau waren für ihn nicht so gut verlaufen. Mit dem Gesuch, schon für Katar 2022 auf 48 Teilnehmer aufzustocken, scheiterte er ebenso wie mit dem Ansinnen, ein arabisches Konsortium als Bieter für neue Fifa-Wettbewerbe ins Spiel zu bringen. Die WM-Vergabe 2026 war dann sein Sieg. „Am 4. Juni in Paris, auf dem Fifa-Kongress 2019, werde ich mich wieder zur Wahl stellen“, kündigte er an.

Die Nachfragen der Medien nach Ermittlungen der USA-Behörden gegen frühere Exko-Mitglieder der Fifa und Untersuchungen der Ethikkommission gegen Fatma Samoura wehrte er ab: „Sie suchen immer das Haar in der Suppe. Und sehen Sie: Ich habe keine.“

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