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Doping Dreckige Spur

Die Erfolge britischer Athleten in den vergangenen Jahren werden mit Doping in Verbindung gebracht. Mit den Superstars Mo Farah und Bradley Wiggins stehen gleich zwei Ikonen unter Verdacht. Ein Kommentar.

Mo Farah
Wurde 2012 und 2016 Doppelolympiasieger über 5000m und 10 000m: Mo Farah aus Großbritannien. Foto: dpa

Unglaublich, aber leider wahr. Unfassbar, ein Bericht des Grauens. Wer nach dem Begriff „Medaillenspiegel Olympische Spiele 2012“ sucht und den Glauben an das Wahre, Gute, Schöne im Sport noch nicht ganz verloren hat, der sollte sich gut an seinem Stuhl festhalten – sonst droht ein schmerzhafter Fall. Bevor der Rechercheur bei Wikipedia auf die gesuchte Tabelle trifft, muss er sich durch 30 Anmerkungen hindurcharbeiten. 30-mal musste die Liste der Medaillengewinner nachträglich geändert werden, wegen Unpässlichkeit der Athleten. Alle gedopt, alle Betrüger. London, das war auch die Renaissance des britischen Sports. Das Vereinigte Königreich gewann 29 Goldmedaillen. Alle Ergebnis sauberer Anstrengungen und hoher Motivation wegen der Spiele zu Hause. Vier Jahre später ließen Britannia’s Athleten noch mal die Muskeln spielen. In Rio gab es 27-mal Gold.

Im Moment ziehen allerdings dunkle Schatten über die Insel. In Mo Farah und Bradley Wiggins stehen gleich zwei Ikonen britischer Herrlichkeit unter Verdacht, im Herzen und in ihrem Blut nicht ganz so rein gewesen zu sein, wie sie immer beteuerten. Es geht um dubiose Medikamentenlieferungen und um böse Krankheiten, die damit bekämpft werden sollten.

Insbesondere beim Radsportler Wiggins zeichnet sich eine hässliche Spur ab, deren Dreck offensichtlich jeder Säuberung widersteht. Ein großer Teil der Pedaleure leidet an einer Berufskrankheit, die so weit verbreitet ist wie früher die Masern bei Schulkindern. Asthmakranke, Jan Ullrich gehörte auch dazu, quälen sich Berge hoch, ohne wirklich in Atemnot zu geraten. Gegen Hustenanfälle haben sie sich mit Mitteln gewappnet, die ganz zufällig noch weitere schöne Nebenwirkungen haben. Sie helfen, wie das allseits beliebte Clenbuterol beim Muskelaufbau.

Interessanterweise schlucken und spritzen die Athleten sehr häufig mit einer offiziellen Genehmigung, die allerdings meist geheim gehalten wird. Das Gewissen scheint doch nicht so rein zu sein, wie es die durch den „Geheimnisverrat“ aufgeschreckten Akteure gerne vorgeben. Die russische Hackergruppe Fancy Bear hat jedenfalls Spaß daran, die Medien mit entsprechenden Informationen zu füttern. Wer sich darüber aufregt, sollte lieber für mehr Transparenz seiner Krankenakte sorgen oder besser gleich zu Hause bleiben und sich ordentlich auskurieren.

Das britische Radteam Sky hatte sich Sauberkeit, Offenheit, und Aufklärungswillen auf seine Fahne geschrieben. Die Wahrheit sieht anders aus: wegducken, schweigen, vertuschen. Seite 22

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