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DFB Einigung auf Regionalliga-Reform

Die fünf Fußball-Regionalligen einigen sich vor dem DFB-Bundestag in Frankfurt auf ein zweijähriges Übergangskonzept zu einer gerechten Aufstiegsregelung in die dritte Liga.

42. Ordentlicher DFB-Bundestag
Geschlossene Reihen im großem Plenum, hier beim DFB-Bundestag 2016 in Erfurt. Foto: dpa

Am Mittwoch tagten die DFB-Funktionäre bis Mitternacht in den Räumen des Deutschen Fußball-Bundes, um die dicke Kuh vom Eis zu bekommen. Vergeblich. Die Positionen waren zu unterschiedlich. Am Donnerstagnachmittag rauchten dann die Köpfe in einem Sitzungszimmer der Nobelherberge Villa Kennedy. Es soll heiß hergegangen sein im Zwist um die brisante Aufstiegsregelung aus den fünf Fußball-Regionalligen in die Dritte Liga. Am Abend, um 19.50 Uhr teilte der DFB dann in einer Pressemitteilung mit, dass sich die 21 Landesverbände auf ein zweijähriges Übergangskonzept in der hochkomplizierten Materie geeinigt haben.

Der Meister der Regionalliga Südwest steigt 2018/19 und 2019/20 direkt auf. Dafür verzichtet die Regionalliga Südwest auf den Relegationsplatz. Hinzu kommen zwei feste Aufsteiger aus den übrigen vier Regionalligen (Bayern, West, Nord, Nordost). Der Meister der Regionalliga Nordost soll am Ende der Saison 2018/19 direkt aufsteigen. Welcher Regionalliga-Meister den dritten festen Aufstiegsplatz in dieser Spielzeit erhält, wird per Auslosung festgelegt. Die übrigen beiden Meister der Spielzeit 2018/19, die dann in der darauffolgenden Saison einen festen Aufstiegsplatz erhalten, ermitteln in einer Relegation aus Hin- und Rückspiel den vierten Aufsteiger.

Beobachter bei einem DFB-Bundestag wundern sich mitunter, wie harmoniebedürftig sich die große deutsche Fußballfamilie nach außen hin gibt. Kritische Wortmeldungen und ausschweifende Diskussionen gehören nicht zu den prägenden Elementen einer solchen Veranstaltung. Und damit das auch bei der außerordentlichen Zusammenkunft am heutigen Freitag ab 10.30 Uhr im Kongresszentrum der Frankfurter Messe mit 263 Delegierten so bleibt, soll der heikelste Tagesordnungspunkt so abgearbeitet sein, dass darüber kein öffentlicher Dissens mit entsprechendem medialem Widerhall entsteht.

Wollitz keilt aus

Während die Zustimmung für die bis zu 150 Millionen Euro teure Akademie inklusive neuer Verbandszentrale dank mühsamer Überzeugungsarbeit von Präsident Reinhard Grindel und Generalsekretär Friedrich Curtius ebenso als sicher gilt wie das Plazet für die lange geheim gehaltene Zusatzvereinbarung des Grundlagenvertrags, hätte die brisante Thematik Aufstieg aus den fünf Regionalligen das Potenzial zum Spaltpilz besessen. Eine dauerhafte Neuregelung soll eine Expertenkommission unter der Leitung von DFB-Vize Peter Frymuth bis zum Bundestag 2019 erarbeiten. Eine neue Variante ist offenbar, unterhalb der Dritten Liga eine zweigleisige Vierte Liga zu installieren.

Die noch zu berufenden Experten sollen ohne Zeitdruck eine möglichst gerechte und nachhaltige Lösung austüfteln, die hinterher nicht gleich wieder medial zerrissen wird. Nachteil: Weil ihr Vorschlag erst beim Bundestag im Herbst 2019 zur Abstimmung kommt verschiebt sich die Reform mindestens bis zur Saison 2020/2021. Aber womöglich ist das besser, als vorschnell ein unausgegorenes Modell durchzupeitschen. „Der zeitliche Druck muss raus“, hatte zuvor Helmut Sandrock, Geschäftsführer des Drittligisten Karlsruher SC verlangt, der als ehemaliger DFB-Generalsekretär mit den mitunter zähen Entscheidungsprozessen im Verbandsapparat bestens vertraut ist.

Dabei sind sich alle Beteiligten einig, dass der bisherige Status quo mit den drei Entscheidungsspielen – mit zwei Südwest-Vertretern sowie den Meistern der Regionalligen Nord, Nordost, West und Bayern – reformiert werden muss. Weil es als ungerecht empfunden wird, wenn Meister sich souverän in einer Liga durchgesetzt haben, in der die Grenzen zwischen Amateurstatus und Profidasein fließend sind, und dann nicht automatisch aufsteigen. Dieses Prozedere war beim Verbandstag 2010 in Essen beschlossen worden, als man auf Druck der Vereine entschied, dass künftig unterhalb der Dritten Liga in fünf statt zuvor drei Regionalligen Fußball gespielt wird. Dass sich daraus eine von Fans und Vereinen mit großer Erregung geführte Debatte um die Aufstiegsregelung entwickeln würde, hatte seinerzeit niemand vorausgesehen.

Erbittert kämpft jetzt vor allem der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) um seine Eigenständigkeit. Laut seinem Antrag sollten für den Aufstieg „der Meister der Regionalliga Nordost und die Meister der übrigen drei Regionalligen qualifiziert sein“. Will heißen: Vier statt fünf Regionalligen, der Nordosten bleibt, wie er ist und bekommt einen festen Aufsteiger – und der Rest hätte sehen können, wie er die Zusammenschlüsse regelt.

Die Debatte trieb dieser Tage Klaus-Dieter Wollitz, Trainer des Tabellenführers der Regionalliga Nordost Energie Cottbus, in seiner ureigenen charmanten Art auf die Spitze: „Wenn man jetzt sagt, dass der Westen und der Südwesten leistungsmäßig einen Startplatz garantiert bekommen müssten, dann frage ich mich: Bringen wir hier keine Leistung? Sind wir hier die Volldeppen? Sind wir wirklich nur ein lästiges Anhängsel?“

Als Argument in eigener Sache führt der NOFV seine Fläche („30,46 Prozent sind fast ein Drittel des DFB-Verbandsgebietes“) an. Die Anzahl der Männermannschaften (im Nordosten sind es nur 9400) sei beileibe „keine Hauptbemessungsgrundlage“. Ein weiteres Argument: Der NOFV sei früher als DDR-Verband DFV immerhin Vollmitglied im Weltfußballverband Fifa gewesen.

25.000 Teams aus dem Südwesten und Bayern

Präsident Grindel, der sich tief in die Materie hineingewühlt hat, argumentiert so: Der Südwesten und Bayern würden 25.000 der insgesamt rund 55.000 Mannschaften stellen und könnten deshalb nicht in einer Süd-Liga zusammengelegt werden. Südwest- und West-Liga seien aus seiner Sicht „angesichts der urbanen Struktur lebensfähig“. Der Verbandsboss hätte als sogenanntes „Konsensmodell“ weiter fünf Ligen bevorzugt, in dem der Südwesten und Westen ein festes Aufstiegsrecht bekommen, der Norden, Nordosten und Bayern in einem rollierenden System einen Direktaufsteiger stellen, die anderen zwei noch eine Playoff-Paarung bestreiten. Dagegen hat der Landesverband Sachsen bereits eine Klage angekündigt.

Auch von der Dritten Liga gab es klare Forderungen: Generell ist sie bereit, zur Erhöhung der Durchlässigkeit künftig vier statt drei Absteiger zu akzeptieren, mehr aber auch nicht – vorausgesetzt, die Absteiger könnte im Jahr darauf als Regionalliga-Meister direkt wieder aufsteigen, was nur bei vier Staffeln ginge. Eine endgültige Lösung war bei den verhärteten Fronten und der vertrackten Gemengelage nicht zu erreichen. Eine Kampfabstimmung mit negativem Nachhall, wäre so ziemlich das Letzte gewesen, was der mit dem langwierigen WM-Skandal und einer erheblichen Steuernachzahlung konfrontierte Verband, zum Jahresende gebraucht hätte. Diese Kuh ist jetzt erst mal vom Eis.

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