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ARD-Doping-Experte Kritiker Seppelt darf nicht zur WM

2. UpdateRussland verweigert dem ARD-Doping-Experten Hajo Seppelt die Einreise zur Fußball-Weltmeisterschaft.

Hajo Seppelt
Russland verweigert Seppelt die Einreise zur Fußball-WM. Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Russland verweigert dem ARD-Journalisten Hajo Seppelt das Visum für die Fußball-Weltmeisterschaft. Das vom SWR für ihn beantragte Visum für die Titelkämpfe vom 14. Juni bis 15. Juli sei für ungültig erklärt worden, teilte der öffentlich-rechtliche TV-Sender am Freitag mit. Seppelt stehe auf einer Liste der in Russland „unerwünschten Personen“ und könne daher nicht in die Russische Föderation einreisen. Nähere Angaben zu den Hintergründen seien nicht gemacht worden, teilte der Sender mit.

„Die ARD betrachtet dies als einen einmaligen Vorgang in der Geschichte im Hinblick auf die Berichterstattung über Großereignisse wie die Fußball-WM als beispiellosen Eingriff in die Pressefreiheit“, hieß es in der Mitteilung. Bei Sportgroßereignissen wie der Fußball-WM oder den Olympischen Spielen sei der freie Zugang für Medienvertreter selbstverständlich und gehöre zu den Voraussetzungen für die Vergabe an Ausrichterländer. Seppelt ist durch seine Beiträge zum Thema Doping bekannt geworden. Der Frankfurter Rundschau sagte Seppelt am Freitagnachmittag: „Offensichtlich hat die kritische Sportberichterstattung und die Aufdeckung des Staatsdopings einen Nerv in Russland getroffen. Kritische Berichterstattung ist nicht nur von inländischen, sondern auch von ausländischen Journalisten nicht mehr erwünscht.“

Nach eigenen Worten hatte Seppelt so eine Entwicklung nicht erwartet. Er sei am Feiertag gebeten worden den russischen Vize-Konsul in Deutschland anzurufen. „Er hat mir mitgeteilt, dass das bereits ausgestellte Visum wieder für ungültig erklärt worden war. Er sagte, es täte ihm leid. Er wollte mich vor der Reise bewahren.“

Seppelt trug maßgeblich dazu bei, das russische Doping-System aufzudecken. Zuletzt sorgte der 55-Jährige vor den Olympischen Winterspielen in Südkorea mit Beiträgen über das Staatsdoping in Russland und die Manipulationsmöglichkeiten an Dopingprobenbehältern für Aufsehen.

„Freie Berichterstattung gehört dazu“

Der vielfach ausgezeichnete Journalist hat 2016 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis bekommen, weil er nach Auffassung der Jury „Licht ins Dunkel mächtiger internationaler Dopingnetzwerke“ bringt. Für seine Sportsendungen „Geheimsache Doping. Im Schattenreich der Leichtathletik“ und „Wie Russland seine Sieger macht“ (beide ARD) war Seppelt zuvor bereits der Deutsche Fernsehpreis (Kategorie Sportsendung) zuerkannt worden.

Der Reporter sagte der Frankfurter Rundschau, er warte nun auf die Reaktion des Weltfußballverbands Fifa. „Es gibt Regularien für solche sportlichen Großereignisse, und dazu gehört auch freie Berichterstattung“, sagte Seppelt. Der ARD-Programmdirektor kommentierte den Vorfall mit den Worten: „Mit großem Unverständnis habe ich zur Kenntnis genommen, dass Hajo Seppelt die Einreise zur Fußball-WM nach Russland verweigert werden soll“, so Volker Herres. „Das ist für mich kein Zeichen von Respekt vor der Tätigkeit eines investigativen Journalisten, sondern eher dafür, dass man unangenehmen Themen gegenüber lieber die Augen verschließt. Ich kann nur hoffen, dass die politischen Verantwortlichen ihre Entscheidung noch einmal überdenken werden.“          

(mit dpa)

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