Lade Inhalte...

Tour de France Tony Martin träumt von Gelb

Das Gelbe Trikot beim Heimspiel in Deutschland – der Traum von Tony Martin könnte am 1. Juli in Erfüllung gehen. Der Weltmeister zählt zu den Favoriten auf den Auftaktsieg.

19.06.2017 09:35
Tony Martin
Für Tony Martin das Highlight des Jahres. Foto: EPA

Auf diesen Tag fiebert Tony Martin schon seit der Streckenpräsentation im vergangenen Oktober hin. Wenn am 1. Juli der Startschuss für die 104. Tour de France in Düsseldorf fällt, gehört der viermalige Zeitfahr-Weltmeister zu den großen Favoriten auf das erste Gelbe Trikot. „Das ist für mich das Highlight des Jahres. Die Chance, als Deutscher in Deutschland bei der Tour ins Gelbe Trikot zu fahren, wird in meiner Karriere nicht wieder vorkommen“, sagt Martin.

14 Kilometer entlang des Rheinufers in seiner Paradedisziplin sind ganz nach dem Geschmack von Martin. „Ich werde 110 Prozent geben“, kündigt der 32-Jährige an, räumt aber auch ein: „Über so eine Distanz kann viel passieren.“

Vor zwei Jahren hatte es in Utrecht ein ähnlich langes Auftaktzeitfahren gegeben, damals schnappte ihm der Australier Rohan Dennis das Gelbe Trikot weg, ganze fünf Sekunden fehlten dem zweitplatzierten Martin am Ende. Doch aufgeschoben war nicht aufgehoben: Drei Tage später erfüllte sich Martin durch seinen Etappensieg in Cambrai doch noch den Traum von Gelb, der nach einem Sturz auf der sechsten Etappe aber schließlich im Krankenhaus endete.

Nun also ein weiterer Anlauf in Düsseldorf vor heimischem Publikum. Die Form sei gut, wenngleich die Saison bislang nicht wie gewünscht verlaufen sei. Ein Sieg im Zeitfahren ist Martin 2017 nach seinem Wechsel zum russischen Katusha-Team nicht geglückt, gleich dreimal stand am Ende der zweite Platz – wie etwa zuletzt beim Criterium du Dauphiné, als Richie Porte ein wenig schneller war. Für den Australier dürfte die Distanz aber zu kurz sein, um Martin erneut zu schlagen. Als größter Rivale ist wohl in erster Linie Dennis zu nennen.

Auch Kittel mit Chancen

Dass ein Deutscher zum Tour-Auftakt in Gelb fährt, ist übrigens in der jüngeren Vergangenheit keine Seltenheit. 2013 und 2015 setzte sich Topsprinter Marcel Kittel jeweils durch einen Auftaktsieg an die Spitze der Gesamtwertung. Damals war die Tour jeweils mit Flachetappen gestartet worden. Der gebürtige Thüringer dürfte sich aber auch diesmal insgeheim etwas ausrechnen. Kittel gilt ebenfalls als passabler Zeitfahrer. Sollte er den Rückstand klein halten, könnte er mithilfe von Zeitgutschriften auf der zweiten Etappe auf dem Weg von Düsseldorf nach Lüttich noch an die Spitze fahren.

Trikot hin oder her – die Vorfreude auf das Heimspiel ist bei den deutschen Akteuren jedenfalls gewaltig. Martin erwartet „Gänsehaut-Momente“, für John Degenkolb ist es eine „Riesensache“ und André Greipel hofft „auf ein großes Fest“. Rund eine Million Zuschauer werden Martin und Co. in Düsseldorf anfeuern und damit für eine ähnliche Atmosphäre wie beim letzten Tour-Abstecher nach Deutschland vor zwölf Jahren sorgen. 2005 hatte die Frankreich-Rundfahrt in Karlsruhe und Pforzheim Station gemacht. Damals stand noch Jan Ullrich im Mittelpunkt, ehe ein Jahr später der tiefe Fall des einzigen deutschen Toursiegers begann.

Es war zugleich der Startschuss einer großen Radsport-Krise in Deutschland. Deutsche Teams verschwanden von der Bildfläche, Rennen wie die Deutschland-Tour wurden eingestellt und ARD/ZDF stiegen aus der Live-Berichterstattung aus. Martin, Degenkolb und Co. sorgten mit ihren Erfolgen für eine Radsport-Renaissance in Deutschland, die in Düsseldorf ihren Höhepunkt erleben soll – im Optimalfall mit Martin in Gelb.  (dpa)

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum