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Ronaldinho Ein Künstler hört auf

Ronaldinho Gaucho war auf dem Rasen nie zu stoppen, jetzt beendet er endgültig seine glanzvolle Karriere.

Ronaldinho Gaucho
Wird nur noch wie hier in São Paulo bei Freundschaftsspielen kicken: Ronaldinho Gaucho. Foto: imago

Es gibt ein nettes Video eines US-amerikanischen Sportartikelherstellers, in dem Ronaldinho den Ball bis zur Strafraumgrenze auf den Fuß jongliert, mal links, mal rechts, und dann an die Latte schießt. Den zurückprallenden Ball nimmt er an und schießt ihn volley wieder an die Latte. So geht das eine ganze Weile. Natürlich ist das Filmchen zusammengeschnitten, aber zuzutrauen wäre es einem begnadeten Ballkünstler wie ihm allemal. Zumindest damals, in seiner besten Zeit, zwischen 2000 und 2010, als der Junge aus Porto Alegre mit Überbiss und Hasenzähnen für Paris St. Germain, FC Barcelona und AC Mailand spielte und alles gewann, was man auf diesem Globus gewinnen kann, Champions League, nationale Meisterschaften, Pokalsiege sowieso und natürlich mit der Selecão den Weltmeistertitel, 2002 war das, im Endspiel in Tokio gegen Deutschland.

Ronaldo de Assis Moreira, wie der mittlerweile 37-Jährige mit vollem Namen heißt und der jetzt durch seinen eher übel beleumundeten Bruder Assis das endgültige Ende seiner beeindruckenden Karriere verkünden ließ, dieser Ronaldinho war einer der ganz Großen im Weltfußball. Er spielte Pässe mit dem Rücken, schaute nach links und spielte nach rechts, machte die Pike wieder salonfähig, schoss Freistöße cool unter hoch hüpfenden Mauern hindurch und erfand den Ronaldinho-Trick.

Oft schien es so, als sei der Mann mit dem Stirnband mit dem Ball verwachsen und der Ball mit ihm. Er zelebrierte das Spiel mit der Kugel, die ihm untertan war und er machte seine Teams definitiv besser. Der mehrfache Weltfußballer war immer auch für eine gute Show zu haben, ein Künstler, divenhaft zuweilen, und ihm bei der Arbeit zuzusehen, war sehr lange Zeit purer Genuss. 

Selbst gegnerische Fans verneigten sich vor seiner Kunst. Seine Gala, 2005 war das im Trikot des FC Barcelona,  mit zwei Toren beim 3:0 gegen Erzfeind Real Madrid im Bernabeu ist in der Clasico-Historie verewigt, weil die königlichen Anhänger ihn fernab jedweder Rivalität mit Ovationen feierten. Selbst auf seine alten Tage, als er  nach Brasilien ging und Atletico Mineiro, einen Klub aus Belo Horizonte, zum Gewinn der Copa Libertadores führte, war er noch besser als alle anderen. Das war 2013.

Einstieg in die Politik

Zuletzt freilich tingelte der in Brasilien Ronaldinho Gaucho gerufenen Ballzauberer nur noch durch die Klubs. Bei Fluminense, einem der großen Klubs in Rio, spielte er noch in sieben Partien mit, trieb aber Ticket- und Trikotverkäufe mit der Nummer Zehn in schwindelerregende Höhen. Mindestens die Hälfte dieser Einnahme soll Ronaldinho selbst kassiert haben, dann wechselte er für ein paar Monate nach Mexiko, zu einem Klub namens Queretaro. Vom Hochgeschwindigkeitsfußballer mit dem ewigen Lächeln im Gesicht war da schon nichts mehr zu sehen. In den letzten Monaten spielte der auch als Partykönig von Leblon und Ipanema erfolgreiche Lebemann sogar in Indien Futsal, Fußball in der Halle.

Wie es heißt, plant Ronaldinho jetzt den Einstieg in die Politik, bei den Regionalwahlen in Minas Gerais will er als Senator kandidieren, für die Patriotische Partie, die allerdings als rechtsextrem gilt. Darüber hinaus plant er nach der WM Abschiedsspiele in Brasilien, Europa und Asien. 
Pelé, der Weltbeste seiner Zunft, ist einmal gefragt worden, wer der größere Fußballer sei, er oder Ronaldinho. Pelé hat klug geantwortet: „Ronaldinho ist größer – vier Zentimeter.“ 

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