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Nations League Neue Geldquelle gesucht

Die Nations League soll Freundschaftsspiele ersetzen und die EM-Qualifikation vereinfachen.

Joachim Löw
Wieder ein Auslosung: Oliver Bierhoff und Joachim Löw (rechts) reisen am Mittwoch nach Lausanne. Foto: dpa

Oliver Bierhoff lächelte verlegen. Ob der Manager der deutschen Nationalmannschaft die Regularien der neuen Nations League wirklich in all ihren Facetten verstanden habe? „Das meiste“, antwortete der 49-Jährige kürzlich beim DFL-Neujahrsempfang. Der neuerdings beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Superdirektor für den gesamten Leistungsbereich zuständige Bierhoff weiß, dass die Europäische Fußball-Union (Uefa) nach langen Geburtswehen ein Baby zur Welt bringt, das Fußballanhänger eher skeptisch beäugen: die Nations League. „Auf der einen Seite müssen wir schauen, dass wir es mit den Wettbewerben nicht übertreiben, auf der anderen Seite werden das interessante Spiele“, sagte Bierhoff, der seinen inneren Zwiespalt vor der Auslosung am Mittwoch (12 Uhr) in Lausanne selbst nur schwer verbergen kann.

Europas neue Liga soll mit Startschuss im September die immer schwerer zu vermarktenden Freundschaftsspiele ersetzen und nebenbei die EM-Qualifikation vereinfachen. „Wir lassen nun Partien, die sowieso von den Nationalteams gespielt worden wären, unter Wettbewerbsbedingungen stattfinden“, erklärt Uefa-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti und verschweigt, dass der ohnehin überfrachte Terminkalender unter diesem Deckmantel weiter verwässert wird.

Teilnahme wird gut bezahlt

Der Weltmeister muss das Projekt schon vor dem Hintergrund der EM-Bewerbung 2024 mit einigem Wohlwollen begleiten. „Es ist eine Riesensache für die kleineren und mittleren Verbände“, findet DFB-Präsident Reinhard Grindel, „ein großer Verband muss auch Solidarität zeigen.“ Zumal diese nicht schlecht entlohnt wird: Angeblich erwartet die Uefa aus der Zentralvermarktung Einnahmen von bis zu zwei Milliarden Euro, das Rechtepaket für den deutschen Markt haben sich bis 2022 ARD und ZDF gesichert.

Es wird indes noch Zeit brauchen, um den Modus zu durchdringen. Innerhalb von vier Kategorien (Liga A bis D) gibt es ein Auf- und Abstiegssystem, was das Gefühl eines Ligasystems der europäischen Nationalmannschaften vermitteln soll. Und damit Wales, Irland oder Türkei in der Liga B, Slowenien, Zypern oder Litauen in der Liga C oder Aserbaidschan, Malta oder Gibraltar in der Liga D sich ordentlich anstrengen, werden deren Gruppensieger mit Playoff-Turnieren geködert, bei denen insgesamt vier Plätze für die ohnehin auf halb Europa verteilte EM 2020 ausgespielt werden. Dafür öffnet sich in den EM-Qualifikationsgruppen für die Dritten keine Hintertür mehr.



Für Deutschland ändert sich zunächst einmal wenig: Statt wie im November vergangenen Jahres Freundschaftsspiele gegen England oder Frankreich auszumachen – letzteres war in Köln-Müngersdorf nicht einmal ausverkauft – kann Bundestrainer Joachim Löw nun in aller Ruhe im Swiss Tech Convention Center abwarten, wer ihm zugelost wird. Die vier Gruppenersten der Liga A spielen in einer Endrunde im Juni 2019 den Nations-League-Gewinner aus.

Rummenigge skeptisch

Widerstand regt sich aus der Bundesliga. Er sehe die inflationäre Entwicklung von Wettbewerben der Nationalmannschaften grundsätzlich kritisch, sagt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. „Wir brauchen nicht mehr Länderspiele, sondern weniger Länderspiele. Wenn es keine Nations League geben würde, dann würde sie wohl auch niemand vermissen.“

Und noch etwas schürt Unbehagen: Längst laufen Planungen, die Nations League zu einem globalen Projekt zu machen. In diesem Fall ziehen offenbar sogar Uefa und Fifa an einem Strang. Herauskommen könnte ein sogenanntes „Global Eight“: Daran würden neben drei europäischen Vertretern auch die Gewinner der fünf anderen Konföderationen teilnehmen. Dem Vernehmen ist Fifa-Präsident Gianni Infantino erpicht darauf, über neue Wettbewerbe die in Schieflage geratene Einnahmesituation des Weltverbands zu verbessern. Bei einem Treffen des Fifa-Councils soll in Kürze über dieses Modell gesprochen werden, das anstelle des Confed-Cups treten würde – und nichts anderes als eine Art Mini-WM wäre.

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