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Mehmet Scholl und die ARD Hund bei Hoeneß

Mehmet Scholl war bei der ARD der Mann fürs Entertainment, der für eine mehr oder weniger gute Pointe auch Grenzen überschritt. Ein Kommentar.

Mehmet Scholl
Nicht mehr vereint: Mehmet Scholl und die ARD. Foto: Marcus Brandt (dpa)

Ein Blatt vor den Mund hat Mehmet Scholl nie genommen; nicht als Spieler, schon gar nicht als Fernsehexperte der ARD. Er hatte eine Meinung und zögerte nicht eine Sekunde, sie unters Volk zu streuen. Das war sein Job, dafür kassierte er über viele Jahre ein fürstliches Gehalt. Scholl, der fröhliche Sprücheklopfer, war ja durchaus begabt darin, Dinge auf den Punkt zu bringen, zumindest sie so zuzuspitzen, dass es lustig klingt. Für manch Kritisierten war es freilich oft nicht besonders lustig, Mario Gomez zum Beispiel fand den „Wund-liege“-Spruch des Ex-Mittelfeldspielers eher suboptimal, auch Bundestrainer Joachim Löw reagierte angesäuert auf den Vorwurf, ein „Laptop-Trainer“ zu sein.

Kesse Sprüche, wenig Inhalt

Aber der Scholli funktionierte im Fernsehen, er funktionierte mit Moderator Matthias Opdenhövel, einer, der nicht so gerne in die Tiefen des Fußballspiels einsteigen mochte. Was Scholl lieferte, war gute TV-Unterhaltung, eingebunden in ein wenig fußballerische Expertise. Für die ARD war der 46-Jährige ein Glücksfall, seine kessen Sprüche und kessen Aussagen sorgten für mediale Aufregung. Scholl war der Mann fürs Entertainment, ein Frechdachs, der für eine gute Pointe, einen guten Spruch auch Grenzen überschritt, keine Angst vor Konflikten hatte. Seine Äußerung über Cristiano Ronaldo („Miss September“), dem eine Gefängnisstrafe droht, etwa strotzte nur so vor Homophobie.

Mehmet Scholl hatte zu allem und jedem etwas zu sagen. Dass er jetzt von der ARD vor die Tür gesetzt wurde, weil er just zum Thema Doping („überhaupt keine Relevanz“) mal nichts sagen wollte, ist eine ganz besonders schöne Volte, hat geradezu scholleske Dimensionen. Die Trennung von Scholl war für die ARD zwingend, ein öffentlich-rechtlicher Sender, im Grunde jedes Medium, darf sich von Angestellten, auch prominenten, nicht die Inhalte vorschreiben lassen. Das konnte sich der Sender nicht bieten lassen, ohne komplett das Gesicht zu verlieren.

Nun könnte Scholl das machen, was er einst auf die Frage geantwortet hatte, was er in seinem nächsten Leben sein wolle: „Hund bei Hoeneß.“

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