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Kommentar Warum Lahm so lahm war

Philipp Lahm taugt nichts als TV-Experte in Sachen Nationalmannschaft. Das hätte man in der ARD auch vor seiner Verpflichtung wissen müssen. Ein Kommentar.

Philipp Lahm
Langweilige Expertisen: Philipp Lahm. Foto: dpa

Philipp Lahm gilt bei der ARD als abgeschlossene Vergangenheit. Das ist gut so. Die Schaltungen an den Tegernsee, wo der Ex-Kapitän des DFB-Teams mit der braven Fragestellerin Jessy Wellmer irgendwo im Nirgendwo rumstand oder hockte, machten vor allem eines: müde. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky hatte bereits vor einigen Wochen durchblicken lassen, dass er Lahm eher lahm fand. Er hätte es vorher wissen können.

Denn Medienmann Balkausky ist eigentlich ein blitzgescheiter Kerl, der zudem als ehemaliger Jugendspieler von Werder Bremen auch die andere Seite kennt. Deshalb verwundert seine Expertenauswahl für die WM ein wenig. Ach was, reden wir Klartext: Sie war sogar ein Ärgernis. 

Natürlich ist es nicht leicht, Experten zu gewinnen, die sowohl Insiderkenntnisse, Fachwissen als auch Unabhängigkeit gewährleisten können. Aber dann gleich mit drei Leuten daherzukommen, die im Zeugenstand als befangen abgelehnt würden, ist mindestens unglücklich. 

Die ARD hat es irritiert, dass Lahm sich während der WM mit kritischen Anmerkungen so arg zurückhielt und erst mit etwas Abstand über das Karrierenetzwerk Linkedin deutlich wurde. Diese Deutlichkeit war für den Ehrenspielführer aus zweierlei Gründen im Rahmen seiner Tegernsee-Expertise nicht möglich: Erstens, weil es sich nicht gehört, als Ex-Spieler noch während des laufenden Wettbewerbs mit Störgeräuschen womöglich den Erfolg zu gefährden. Zweitens, weil Lahm als EM-Botschafter 2024 in Diensten des DFB steht. Da bleibt die Schere natürlich im Kopf. 

Ähnliches gilt für die beiden weiteren eingekauften ARD-Experten. Stefan Kuntz gehört als Chefcoach der U21 zum Trainerteam des DFB. Wie soll so einer bereit sein, die deutsche Mannschaft und ihren Bundestrainer so hart anzugehen, wie sie es bei ihrem missratenen WM-Kommando verdient gehabt hätten? Kuntz hätte sich um Kopf und Kragen geredet, wenn er keine Rücksicht genommen hätte. Er ist Angestellter des DFB, insoweit arbeitsrechtlich zu Loyalität verpflichtet und will seinen Job behalten. 

Thomas Hitzlsperger schließlich ist ebenfalls vertraglich an den DFB gebunden, der den Ex-Nationalspieler vor gut einem Jahr stolz als „Botschafter für Vielfalt“ vorstellte. Das ist fraglos eine loseres Band, als Kuntz und Lahm mit dem Verband geknüpft haben. Entsprechend deutlicher konnte Hitzlsperger werden. Er hat unter den gegebenen Umständen einen guten Job gemacht. Aber auch bei ihm, zumal im Hauptberuf Nachwuchschef beim VfB Stuttgart, gilt: Unabhängigkeit sieht anders aus. 

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