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Kommentar Das Spiel mit dem Feuer

Die Fußballfans mucken mal wieder auf. Richtig: Dieses lästige Völkchen, das sich das Denken und Handeln nicht verbieten, es einfach nicht gut sein lassen will. Ein Kommentar.

Hansa Rostock - VfB Stuttgart
Die Dialogbereitschaft geht in Flammen auf: Fans beim Spiel Hansa Rostock gegen VfB Stuttgart Foto: Bernd Wüstneck (dpa)

Schwere Zeiten sind das für den Deutschen Fußball-Bund und seine Getreuen. Probleme, wo man sich hindreht. Die Nationalteams kicken einen schönen Mist zusammen, bei den Frauen und bei den Männern, im Erwachsenen- wie im Juniorenbereich, und die Basis rumort. Wer beim DFB hoffte, der kommende Start in die Bundesliga mit der ersten Pokalrunde als Vorlauf könnte für ein wenig Ablenkung sorgen (Bundestrainer Joachim Löw gedenkt ja, seine öffentliche Analyse zum WM-Scheitern am 29. August vorzustellen, sauber verstaut zwischen dem ersten und zweiten Bundesligaspieltag), weiß nun, dass es anders kommt. Die Fans mucken mal wieder auf. Richtig: Dieses lästige Völkchen, das sich das Denken und Handeln nicht verbieten, es einfach nicht gut sein lassen will. Frechheit.

Es könnte heftig werden. Dass die Fanszene Deutschlands den Dialog mit dem DFB und der Deutschen Fußball-Liga DFL am Dienstag offiziell für beendet erklärte, in einer Mitteilung unter der Versalüberschrift „JETZT ERST RECHT!“, kam nach dem Pokalwochenende wenig überraschend. Viele Ultragruppen beteiligten sich am bundesweiten Aktionsspieltag, „DFB, DFL & Co. – Ihr werdet von uns hören!“ stand auf Bannern geschrieben, und beim Spiel Hansa Rostock gegen den VfB Stuttgart zündeten die Ultras beider Klubs vor dem Anpfiff zeitgleich ein Meer aus Bengalofeuern. Das Ostseestadion schien in Flammen aufzugehen, mitsamt der Dialogbereitschaft zwischen Fans und Verbänden. 

„Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, für die Grundwerte des Fußballs und gegen eine weitere Entfremdung des Fußballs durch Korruption, Gutsherrenmachenschaften und Kommerzialisierung einzutreten“, steht in der Erklärung des Fanbündnisses, das sich vor gut einem Jahr zusammentat, „um sich der voranschreitenden Zerstörung des Fußballs, wie wir ihn kennen, entgegenzustellen“.

Der Vorwurf ist klar. Die Fans fühlen sich nicht ernst genommen, wittern eine auf Beschwichtigung angelegte Ablenkungs- und Hinhaltetaktik von Verbandsseite, zwei Standpunktgespräche gab es. Auch in der dritten Liga wird es, wie schon in der ersten und zweiten Bundesliga, ab der neuen Saison Montagsspiele geben. An den Montagsspielen wird die ganze Schieflage zwischen den Interessen der Fans und jenen der Fußballbosse deutlich; die Fans wollen nicht an einem Wochentag quer durchs Land fahren müssen, um ihre Mannschaft zu begleiten, während die Bosse die Spieltage so weit wie möglich aufzufächern versuchen; lässt sich besser ans Fernsehen verkaufen, so ein zerhackstückelter Salamispieltag, siehe England, siehe Spanien, siehe Italien. 

Die aktiven Fans wehren sich dagegen, dass sich der Fußball vom Stadion- zum Sofaerlebnis entwickelt, dass mit dem alten Verweis darauf, die anderen Länder würden enteilen, Geld rausgequetscht wird, wo die Funktionäre nur irgendwie die Hände drankriegen. Es ist wichtig, dass die Fans sich wehren, sie sollen Banner malen, Protestmärsche organisieren, Manifeste schreiben, auf Bengalos und Rauchtöpfe sollten sie derweil lieber verzichten. So schwer es vielen fällt. Denn damit vernebeln sie nicht nur die Sicht im Stadion, sondern auch den Blick auf ihre Botschaft. 

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