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Kommentar Auswärtstore Auswärts wertvoll

Auswärtsspiele sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Meint zumindest eine Handvoll europäischer Toptrainer. Deshalb soll eine neue Regelung her. Ein Kommentar.

Premier League - Burnley v Manchester United
Tore schaden nie im Fußball. Foto: rtr

Tore schießen ist heutzutage ein Kinderspiel, einerlei ob auswärts oder vor heimischem Publikum, viel leichter jedenfalls als früher und zu Zeiten, da 
die Auswärtstore-Regel erfunden wurde. Meint zumindest eine Handvoll europäischer Toptrainer, José Mourinho natürlich ist darunter, und findet, man solle diese Regelung abschaffen. Jene Direktive also, nach der das Team in K.o.-Spielen eine Runde weiterkommt, das bei Punkt- und Torgleichheit auswärts getroffen hat. Das kann dann zu solch Kuriositäten führen, dass Teams international weit kommen können, ohne überhaupt Spiele zu gewinnen, ein 0:0 zu Hause und ein 1:1 reichen da aus. Viele empfinden das als ungerecht. Bei Torgleichheit sei eben kein Team besser als das andere, die logische Konsequenz: Verlängerung, gegebenenfalls Elfmeterschießen.

Andererseits, und das spricht für die alte Weisung, wird die Mannschaft belohnt, die auch in der Ferne offensiv den Torerfolg sucht und findet. Insgesamt verliert bei der momentan gültigen Regelung das Auswärtsspiel seinen Schrecken, gerät umgekehrt die Partie vor eigenem Publikum zum Risiko. Wehe, dem Gegner gelingt ein Tor. Aber macht nicht das genau den   eigentlichen Reiz dieser Spiele hopp oder topp aus? Kein Team kann sich sicher fühlen, es ist ein kleiner Schritt zu einer gewissen Chancengleichheit. 

Fair wäre ein Entscheidungsspiel

Wirklich fair und gerecht, sofern das im modernen Fußball überhaupt geht, wäre es zweifellos, wenn nach zwei Unentschieden ein drittes Spiel auf neutralem Boden ausgetragen würde. Selbst Extratime und ein mögliches Lotteriespiel aus elf Metern wäre - zu Ende gedacht - ja nicht „fair“, weil die Heimmannschaft mindestens 30 Minuten länger auf die lautstarke Unterstützung ihrer Fans bauen kann.

Ein drittes Spiel auf neutralem Boden freilich ist angesichts des ohnehin dicht gedrängten Rahmenterminkalender und der Dauerbelastung der Spieler illusorisch. Auch das Hinzuziehen von undurchsichtigen Uefa-Kriterien wie Koeffizient, Fairplay-Tabelle oder Fünfjahresbilanzen klingen wenig charmant.

Da bleibt man lieber beim speziellen Kitzel des berühmten Auswärtstores, der Mut auf der einen Seite belohnt und Aufmerksamkeit auf der anderen erfordert. Und manchmal ist es gar nicht so leicht, den Ball ins Tor zu schießen.

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