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Confederations Cup Notfalls mit dem Gummiknüppel

Vor der WM 2018 in Russland gibt es die üblichen Bau- und Korruptionsskandale – und eine Sicherheitsdebatte mit den britischen Medien

England v Russia - EURO 2016 - Group B
Treten als Freizeitbeschäftigung: Russische Hooligans bei der EM in Frankreich. Foto: © Eddie Keogh / Reuters (X01801)

Die Russen sorgen sich um ihre Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Als das britische Blatt „Daily Mail“ das Video einer angeblichen Massenprügelei zwischen den Fans von Spartak und Lokomotive Moskau vor ihrem Meisterschaftsspiel am 19. März veröffentlichte, stöhnte die russische Fachpresse auf. „Ein Fake-Video“ schimpfte das Portal Ewrofutbol. Zu Recht: Die Teenager auf dem Video schlugen sich in Shorts auf einer sommerlichen Waldwiese. Im März aber lief man in der Gegend um Moskau noch Ski.

Am 14. Juni 2018 beginnt in Moskau die WM, am 17. Juni dieses Jahres in Sankt Petersburg die Generalprobe, der Confederations-Cup. Ein Großteil der zwölf Stadien ist noch im Bau, umwabert von Korruptionsvorwürfen. Aber mehr nerven die Russen die lautstarken Sicherheitsbedenken der britischen Medien.

Das Skandalbauwerk dieser WM steht in St. Petersburg. Die Zenit-Arena für 68 000 Zuschauer hätte schon 2009 vollendet sein sollen, ihr Bau verzögerte sich mehrfach, Studenten mussten als Hilfsarbeiter einspringen. Ein ehemaliger Vizegouverneur wurde verhaftet, er soll knapp 900 000 Dollar verschoben haben. Insgesamt stiegen die Baukosten für das Hightech-Stadion mit ausfahrbarem Spielfeld von ursprünglich 6,7 Milliarden auf 43,8 Milliarden Rubel, (knapp 730 Millionen Euro). „Ein Denkmal für die Korruption“, nannte es der TV-Kommentator Gennadi Orlow.

Jetzt ist das Stadion fertig, am 23. April soll Zenit Sankt Petersburg hier sein erstes Punktspiel austragen. Aber es gibt enorme technische Probleme beim Entwässern der neuen Zubringer-Metro. Das Nachrichtenportal life.ru berichtet unter Berufung auf Quellen im WM-Organisationskomitee, dass nur fünf von elf Spielorten im Bauzeitplan sind. Im Saransk ist das Heizungssystem noch nicht montiert, in Samara verlangt der Hauptauftraggeber umgerechnet 28 Millionen Euro zusätzlich, in vier Regionen fehlen noch die endgültigen Baupläne für neue Straßen und Eisenbahnlinien. Insgesamt soll die WM-Infrastruktur 9,5 Milliarden Euro kosten, es könnte teurer werden.

Fachleute reagieren gelassen: „Vor den Olympischen Spielen von Sotschi herrschte im Internet auch Hysterie“, sagt Samwel Awakjan, Fußballexperte des Portals championat.com. „Nachher waren alle von der Organisation begeistert.“ Tatsächlich fand im Stadion Fischt in Sotschi, das life.ru auch auf seiner Verspätungsliste führt, schon ein Länderspiel statt, die übrigen drei Stadien für den Confed-Cup sind ebenfalls fertig.

Bleiben die Attacken der Medien aus England, das Russland bei der Bewerbung für 2018 unterlag. „Für manche wird es ein Fußballfestival, für andere ein Festival der Gewalt“, droht ein vermummter russischer Hooligan einem BBC-TV-Reporter. Die Briten fürchten, russische Schläger könnten 2018 ausländische Fans ähnlich brutal attackieren wie vergangenes Jahr bei der EM in Marseille.

In Russlands Fußballalltag sind prügelnde Ultras inzwischen eine Randerscheinung. Das liegt auch an der Staatsmacht. 2014 wurde ein „Gesetz über Fußballfans“ erlassen, das Masken im Stadion verbietet; wie in Sotschi brauchen alle WM-Zuschauer einen „Fanausweis“. Und wie dort werden Polizeikräfte in Massen aufgeboten. Dazu hat Russland mehr als 100 000 Geheimdienstler und 340 000 militärisch trainierte Nationalgardisten im Einsatz, die die Gastfreundschaft auch mit dem Gummiknüppel durchsetzen könnten.

Der Bombenanschlag vom Montag in St. Petersburg, der „Hauptstadt“ des Confed-Cups, hat jedoch gezeigt, dass auch Russlands Polizeistaat Terror nicht verhindern kann. Nur, herrscht in London mehr Sicherheit?

Mitte März spielte Manchester United im Euroleague-Achtelfinale beim FK Rostow. In Rostow wollte die BBC besonders brutale Fanprügeleien filmen. Aber es blieb friedlich, vor dem Spiel schenkten Rostow-Anhänger den mitgereisten Engländern Plaidtücher mit der Aufschrift: „Gentlefan. Russian Warm Welcome.“ Aleksei Lebedew, Sportchef der Zeitung „Moskowski Komsomoljez“ glaubt, auch die WM werde harmonisch verlaufen. „99 Prozent der Russen freuen sich über jeden ausländischen Fan, dem sie ein Bier ausgeben können. Das Prozent, das anders denkt, landet, wenn nötig, hinter Gittern.“

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