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„Viele Gründe zu lächeln“ Zanardi-Debüt als PR-Coup für DTM

Das Deutsche Tourenwagen Masters kriselt. Mit Gaststartern will sich die Rennserie in diesem Jahr mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Das späte Debüt des beinamputierten Alessandro Zanardi wirkt als PR-Coup.

26.08.2018 23:46
Von Arno Wester und Christian Hollmann, dpa
Alessandro Zanardi
Alessandro Zanardi steigt in einen umgebauten BMW M4 DTM. Foto: Andreas Beil/BMW

In der Nacht von Misano staunte Alessandro Zanardi noch immer über sein spätes Rennfahrer-Glück. Der beinamputierte Gaststarter war bei der Flutlicht-Premiere des Deutschen Tourenwagen Masters in seiner italienischen Heimat der umschwärmte Star.

„Es ist eine ziemlich faszinierende Idee, mit 51 Jahren noch ein Neuling zu sein“, sagte Zanardi nach seinem gelungenen DTM-Debüt in einem extra für ihn umgebauten BMW. „Ich habe viele Gründe zu lächeln“, beteuerte der frühere Formel-1-Pilot.

Bei einem Unfall auf dem Lausitzring hatte Zanardi 2001 beide Beine verloren. Trotzdem kehrte er in den Motorsport zurück, gewann zudem viermal Paracycling-Gold bei den Paralympics. „Das Leben ist etwas Wundervolles, man muss die Chancen ergreifen, die sich einem bieten“, sagte Zanardi nach seiner beeindruckenden Vorstellung in Misano.

Der BMW-Gastpilot war bei seinem ersten DTM-Rennen als 13. von 19 Startern ins Ziel gekommen und dabei auf den letzten sechs Runden sogar schnellere Zeiten als Sieger Paul di Resta im Mercedes gefahren. „Alex hat sich super geschlagen“, lobte Jens Marquardt, der BMW-Motorsportdirektor. Am Sonntag raste Zanardi in einem chaotischen Regenrennen sogar auf Platz fünf. „Das ist der beste Witz des Wochenendes“, kommentierte er am Boxenfunk.

In seinem Spezial-Auto benötigte Zanardi anders als bei früheren Motorsport-Einsätzen seine Bein-Prothesen nicht. Bremsen konnte der Italiener mit der Hand. Dabei musste Zanardi BMW-Angaben zufolge jedes Mal bis zu 65 Kilo wegdrücken. „Ich habe viel gelernt“, sagte Zanardi nach dem actionreichen Rennen mit vielen Überholmanövern und Ausfällen. „Für mein Debüt habe ich ein ziemlich kompliziertes Rennen gewählt“, meinte Zanardi.

Mit prominenten Gastfahrern kämpft die DTM um mehr Aufmerksamkeit. Jedes Team darf in diesem Jahr an einem Renn-Wochenende einen zusätzlichen Fahrer außerhalb der Wertung einsetzen. Audi ließ zum Auftakt in Hockenheim seinen langjährigen Piloten Mattias Ekström hinters Steuer. Mercedes wird Ende September im österreichischen Spielberg dem fünfmaligen Rallye-Weltmeister Sébastien Ogier ein Cockpit bereitstellen.

Für die DTM sind positive Schlagzeilen wichtig im Kampf um das Überleben nach dem Ausstieg von Mercedes zum Saisonende. Zanardis Auftritt in Misano darf die Rennserie als gelungene PR werten. Schon vorher hatte Zanardi im Interview der „Welt“ pflichtbewusst geschwärmt: „Meiner Meinung nach ist die DTM derzeit die beste und spannendste Motorsport-Serie der Welt - vor der Formel 1.“

(Von Arno Wester und Christian Hollmann, dpa)

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