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Großen Preis von Deutschland Vettel „voller Adrenalin“ auf Pole - Rückschlag für Hamilton

Das war schon ziemlich optimal für Sebastian Vettel. Er selbst rast auf die Pole fürs Heimrennnen. Rivale Lewis Hamilton muss dagegen einen weiteren Rückschlag mit Mercedes einstecken.

22.07.2018 08:47
Von Jens Marx, dpa
Sebastian Vettel
Sebastian Vettel sicherte sich die Pole Position in der Qualifikation zum Großen Preis von Deutschland. Foto: Jan Woitas

Die Fans rasteten aus, und im Ziel wartete schon Papa Norbert: Sebastian Vettel hat sich in die perfekte Ausgangsposition für den so ersehnten ersten Hockenheim-Sieg gebracht.

Der viermalige Formel-1-Weltmeister holte sich mit einer famosen Schlussrunde die Pole für den vorerst letzten Großen Preis von Deutschland. „Ich bin noch voller Adrenalin, aber so glücklich“, sagte Vettel: „Danke an alle Fans an der ganzen Strecke.“

Der Ferrari-Star verwies Valtteri Bottas im Mercedes in der Qualifikation auf den zweiten Platz und nutzte das frühe Aus seines Erzrivalen Lewis Hamilton im zweiten Silberpfeil eiskalt aus. Der Brite hatte seinen Wagen nach der ersten K.o.-Runde wegen eines Defekts abstellen müssen. Er wird voraussichtlich von Position 14 starten müssen.

„Es ist hart zu akzeptieren, wenn man in so einem engen Kampf ist“, sagte Hamilton, dem Vettel in der Gesamtwertung mit einem Sieg an diesem Sonntag (15.10 Uhr/RTL) etwas enteilen kann. Bisher sind es nur acht Punkte, die die beiden viermaligen Titelträger trennen. „Du wünschst keinem einen technischen Fehler“, sagte der glückliche Vettel Richtung des betrübten Hamilton.

Für Vettel ist es die fünfte Pole in diesem Jahr und die 55. in seiner Karriere - und eine der schönsten: Vettel ist nur rund 50 Kilometer entfernt von dem Kurs in Nordbaden im hessischen Heppenheim aufgewachsen. „Das hier zu schaffen, bedeutet besonders viel.“

Dritter wurde Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari vor Max Verstappen im Red Bull. Für Hamilton hätte es dagegen nicht schlechter laufen können. Am Mittag im völlig verregneten Freien Training hatte er schon keine Runde auf Zeit gedreht, am Nachmittag war es schnell vorbei. Hamilton raste mit seinem Mercedes über die Streckenbegrenzung, Funken sprühten, das Auto schlug mit dem Unterboden mehrmals unsanft auf dem Asphalt auf.

Sofort forderte ihn der Kommandostand mehrfach auf, den Wagen zu stoppen. „Die Hydraulik ist in Kurve eins ausgefallen“, erklärte Hamilton. „Es fließt so viel Arbeit in ein Wochenende, wenn dann so etwas Unvorhergesehenes passiert wie heute, dann sinkt das Herz.“ Als Hamilton den Silberpfeil abgestellt hatte, kniete sich der Hockenheim-Sieger von 2016 neben das Auto und legte den Kopf fassungslos auf die Fahrzeugnase. Raus nach dem ersten Zeitabschnitt. Es sei kein Fahrer-Fehler gewesen, betonte Teamchef Toto Wolff, der noch während des Qualifyings von Daimler-Chef Dieter Zetsche angerufen wurde.

Für Mercedes und vor allem für Hamilton ist es ein weiterer Rückschlag. In Österreich waren beide Fahrer ausgefallen, beim Heimrennen in England hatte Hamilton nach einem Rempler durch Räikkönen zu Beginn den Sieg verpasst. Und ausgerechnet Vettel hatte vor Hamilton gewonnen, der nur eines der vergangenen fünf Rennen für sich entscheiden konnte. „Wir kriegen schon brutal Watsch'n im Moment“, konstatierte Wolff: „Das ist schon charakterbildend.“

Auf den stark verbesserten Ferrari-Motor haben die Silberpfeile noch nicht die passende Antwort gefunden. Fünf Zehntelsekunden sei der Wagen schneller, meinte Wolff und sprach von einer ernsthaften Warnung für Mercedes, während Vettel prophezeite: „Im Rennen sind wir für gewöhnlich schneller.“

Gewinnen konnte er auf dem 4,574 Kilometer langen Hockenheimring in der Motorsport-Königsklasse noch nie. 2010 startete er schon mal von der Pole Position, wurde am Ende aber nur Dritter. „Ich habe eine etwas gemischte Beziehung zu dieser Strecke“, meinte Vettel, der auf dem Kurs vor 18 Jahren erstmals ein Formel-1-Rennen vor Ort erlebte und dabei auch sein großes Idol Michael Schumacher bewundern konnte.

Der mittlerweile 49-Jährige und dessen Erfolge im Ferrari treiben Vettel auch jetzt noch an. „Ich sehe es so: Wenn ich wollte, könnte ich auch jetzt den Helm an den Nagel hängen. Und einfach tschüss sagen“, sagte er in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag): „Aber es gibt noch etwas, das in meinen Augen offen ist, das nicht fertig ist. Mein Traum, den ich schon als Kind hatte. Ich wollte immer aufwachsen und Michael nacheifern.“ Was könnte es für Vettel also Besseres geben, als auf dem Weg zum ersten WM-Triumph mit der Scuderia endlich auch auf dem Hockenheimring zu gewinnen.

(Von Jens Marx, dpa)

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