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Ferrari In der Ruhe liegt die Kraft

Die sieglose Saison 2016 ist abgehakt. Sebastian Vettel und Ferrari gehen ihr vorläufig letztes gemeinsames Vertragsjahr mit ungewohnter Bescheidenheit an.

20.03.2017 11:50
Sebastian Vettel
Sebastian Vettel im neuen Ferrari. Foto: Jens Büttner (dpa)

Ferrari versucht es dieses Mal auf die andere Tour. Anstatt wie selbstverständlich von den höchsten Weihen zu fabulieren, ist der traditionsreichste und erfolgreichste aller Formel-1-Rennställe nach dem Katastrophenjahr 2016 verbal deutlich vom Gas gegangen. Der ehrgeizige Präsident Sergio Marchionne übte sich in ungewohnter Zurückhaltung, selbst die italienische Presse hielt sich mit ihren üblichen Forderungen an Sebastian Vettel und Co. zurück.

Es gab im vergangenen Winter in Maranello auch wenig Anlass zum Träumen. Nach einer Saison ohne Sieg und mit einer teilweise amateurhaften Außendarstellung hatten Spötter leichtes Spiel mit den Roten. "Bei Ferrari arbeiten zu viele Italiener. Nichts gegen Italien, aber ein Team erfolgreich zu führen, ist nicht in ihrer DNS verankert", hatte kein Geringerer als Bernie Ecclestone im Januar gestichelt.

Während der langjährige Promoter der Formel 1 mittlerweile abgesetzt ist, schwingt sich Ferrari nach den Eindrücken der Testfahrten trotz der Trennung von Technikchef James Allison im vergangenen Sommer zu einer potenziellen Gefahr für Weltmeister Mercedes auf.

Die Vorstellungen von Vettel und seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen mit dem neuen SF70-H in Barcelona waren jedenfalls derart beeindruckend, dass sich der viermalige Weltmeister aus Heppenheim vor dem Saisonauftakt am kommenden Sonntag in Melbourne (7 Uhr MESZ/RTL und Sky) vehement gegen die Favoritenrolle wehren musste, die ihm plötzlich angetragen wurde.
"Wo das Potenzial dieses Autos liegt, ist heute unmöglich zu sagen", erklärte Vettel lakonisch und ergänzte mit Nachdruck: "Mercedes ist weiter das Maß aller Dinge. Wenn man drei Titel in Folge gewinnt, ist man auch der Favorit."

Tatsächlich kommt Platzhirsch Mercedes als unbestrittener Maßstab der letzten drei Jahre gerade recht, um die Erwartungshaltung an das eigene Team kleinzuhalten. Auf der anderen Seite erinnert sich aber auch Vettel, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, noch allzu gut an die Vorsaison: Auch da schien Ferrari mit Mercedes anfangs fast auf Augenhöhe, doch schon nach vier Rennen waren die Fronten deutlich geklärt, und bei Saison-Halbzeit wurden die Roten dann auch noch von Red Bull überflügelt.

Die Konkurrenz lobt die Scuderia gewiss nicht ohne Kalkül dennoch in den Himmel. "Was mich bedenklich stimmt, und ich kenne Vettel recht gut: Er hat auf seiner schnellsten Runde bei den Tests vor Start und Ziel provokativ gelupft", sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko bei ServusTV: "Wenn man so etwas macht, ist das Wissen darum, was in dem Auto noch steckt, sehr groß." Auch Vize-Weltmeister Lewis Hamilton (England/Mercedes) erklärte respektvoll: "Sie sind sehr nah dran, wenn nicht sogar schneller als wir."

Während hinter dem tatsächlichen Speed des Ferrari noch Fragezeichen stehen, gibt es bei der Standfestigkeit wenig Spielraum für Pokerspiele. "Ferrari scheint eine viel bessere Basis zu haben als im vergangenen Jahr. 2016 wurden sie durch zahlreiche Getriebe- und Motorschäden zurückgeworfen, diese Probleme haben sie offenbar sehr konsequent gelöst", sagte Formel-1-Experte Christian Danner. (sid)

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