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Leichtathletik-EM Es scheppert im Karton

Kugelstoßer David Storl schießt eine Breitseite auf Diskuswerfer Robert Harting ab: „Ich will Gesundheit ausstrahlen“.

05.08.2018 18:01
Karin Bühler
David Storl
Gesund, fit und heiß: Kugelstoßer David Storl. Foto: dpa

David Storl ist beileibe kein Elefant. Aber am Sonntag ist der Kugelstoßer mit 120 Kilo Körpergewicht verteilt auf 1,98 Meter doch der massigste Athlet im Porzellanladen gewesen. Die Organisatoren der Leichtathletik-EM in Berlin hatten zur Auftaktpressekonferenz in die Räume der Königlichen Porzellan Manufaktur geladen. Und neben der Sprinterin Gina Lückenkemper präsentierten sie den 28 Jahre alten Polizeimeister aus Markkleeberg. Vermutlich, weil er gleich am Montag noch vor der offiziellen Eröffnungsfeier in den Wettkampf startet – in der mobilen Arena am Breitscheidplatz (17.35 Uhr) neben der Gedächtniskirche.

„Bei der letzten EM in Amsterdam war der Speerwurf ausgelagert, das war eine tolle Sache, die Jungs waren begeistert, ich hoffe, ich bin das am Montag auch“, sagt Storl, „mehr freue ich mich auf den Wettkampf im Stadion. Bei der WM 2009 war es wirklich ein Hexenkessel, man konnte kaum atmen, weil die Stimmung so drückend war. Mit dem Gefühl bin ich ins Bett gegangen. “

Ein bisschen mehr Enthusiasmus für das Experiment am Breitscheidplatz wäre schon möglich gewesen. Allein wegen des Aufwands, den die Veranstalter in der City West betreiben – etwa, um die Kugel auf einem ebenen Rollrasen landen zu lassen oder um die 3 000 Arena-Zuschauer mit Netzen zu schützen. Aber das königlich manufakturierte Kaffee-Service, neben dem Storl seinen Platz gefunden hatte, geriet bei der Antwort nur minimal in Schwingung.

Es ist ja verständlich, dass der olympische Silbermedaillengewinner von London, der zweimalige Welt- und dreimalige Europameister sich mehr auf den Dienstagabend (20.33 Uhr) fokussiert, an dem ihm etwas glücken könnte, was bisher noch kein Leichtathlet geschafft hat: Nach den Siegen in Helsinki 2012, Zürich 2014 und Amsterdam 2016 könnte Storl in Berlin seinen vierten EM-Titel gewinnen. „Das ist mein Ziel“, sagt er, „für mich ist es wichtig, dass ich hier eine Saisonbestleistung aufstelle, dass ich das, was ich trainiert habe, zeige. Ich will nicht mit einer Leistung unter 21 Metern nach Hause gehen. Das ist mir letztes Jahr passiert. Frustrierend.“

Nach zwei suboptimalen Jahren, in denen sich Storl mit Knieproblemen herumschlug und sich von seiner Bestleistung von 22,20 Metern entfernte, entschied er sich zum Trainerwechsel. Statt von Sven Lang, 56, wird der Athlet des SC DHfK Leipzig nun von Wilko Schaa, 35, betreut. Sie stellten das Training um, wechselten von Stütz- auf Drehstoß, versuchten, das lädierte Knie weniger zu belasten. Storl nahm ab, trainierte seine Schnelligkeit, die ihn als einzigen Angleiter unter all den Drehstoßern im Ring auszeichnet.

Hinter dem Polen Michal Haratyk liegt er in Europas Bestenliste nun auf Rang zwei. „Ich stehe als gesunder Sportler da. Ich habe keine Beschwerden“, sagt Storl stolz. „Ich finde, es muss kein Athlet im Wettkampf stehen, der sich eine Sehne taub spritzen lässt, nur damit er einen Wettkampf bestreiten kann. Ich glaube, als Leistungssportler hat man auch eine Verantwortung, Gesundheit auszustrahlen und auf seinen Körper zu achten.“ Rumms. In diesem Augenblick war ein ganzer Berg von Porzellan zerschmettert, die Aussage ein Frontalangriff auf Robert Harting. Der Berliner wirft den Diskus am Dienstag mit gespritztem und kaputtem Knie. Und er hat es sicher scheppern gehört. 

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