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Lebensretter Stabhochspringerin Bauer trägt Defibrillator

Stabhochspringerin Katharina Bauer hat vor etwa einem Monat einen Defibrillator eingesetzt bekommen. Ihre Karriere will die deutsche Hallenmeisterin dennoch fortsetzen. Und sie will sogar zu Olympia 2020.

15.05.2018 07:40
Katharina Bauer
Stabhochspringerin Katharina Bauer zeigt ihre Operationsnarbe. Foto: Marius Becker

Am 17. April wurde Stabhochspringerin Katharina Bauer ein subkutaner Defibrillator eingesetzt. Ein Gerät, das für den Notfall bei gefährlich anhaltenden Extra-Herzschlägen eingreift und einen plötzlichen Herztod vermeidet. Seit Ende der Woche trainiert die deutsche Hallenmeisterin wieder. Ihre Herzprobleme hat sie bisher aus der Öffentlichkeit gehalten, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur bricht sie ihr Schweigen.

Frau Bauer, wieso haben Sie Ihre Herzprobleme nie öffentlich gemacht?
Ich habe bisher nur meinem Trainer und mein engstes Umfeld informiert. Ich wollte es nicht an die große Glocke hängen, auch aus Selbstschutz. Wenn man dauernd drauf angesprochen wird, bleibt es immer im Kopf und beschäftigt dich permanent.

Wieso nun das Umdenken?
Ich möchte für mich persönlich frei sein und kein Versteck spielen. Und ich möchte es selbst erzählen, damit nichts Falsches geredet und geschrieben wird. Außerdem möchte ich mit meinem Beispiel Mut machen. Es gibt viele Menschen mit Herzproblemen. Und ich möchte zeigen, was mit mentaler Kraft möglich ist.

Seit wann leiden Sie an Herzproblemen?

Ich war schon mit sieben zum ersten Mal beim Kinderkardiologen. Damals wurden bei mir zwischen 6000 und 7000 Extra-Herzschläge pro Tag diagnostiziert. Von da an war ich alle drei Monate zur Vorsorge-Untersuchung. 2008 zur Abi-Zeit habe ich erstmals gespürt, dass irgendetwas in meinem Herzen länger stolpert. Ich hatte das Gefühl, dass ich gleich in Ohnmacht falle. Ein Jahr darauf folgte meine erste Herzoperation, eine sogenannte EPU. Dabei wurde mittels eines Katheters durch die Leiste versucht, den Ort im Herzen zu veröden, der die Extraschläge auslöst. Da sie aus vielen verschiedenen Richtungen kommen, hat die Verödung leider nicht geklappt.

Woher kommen diese Unregelmäßigkeiten?
Das ist sehr umstritten. Es könnte genetischer Herkunft sein oder sich durch eine Kinderkrankheit entwickelt haben.

Wie konnten Sie mit diesem Problem leben?
Ich fühlte mich schon gesund, da ich mit dem Gefühl aufgewachsen bin. Dennoch brauchte ich immer mehr Regeneration im Vergleich zu meiner Konkurrenz. Ich habe immer hart trainiert, und das ist eine große Anstrengung für das Herz. Aber ich habe gelernt, damit zu leben. Ich habe viel Mentaltraining gemacht, Yoga und Meditation. Und ich habe mit meiner Mutter gearbeitet, die Hypnose-Coach ist. Ich hatte das alles erstaunlich gut im Griff.

Wie hat sich das Problem dann verschärft?
Im Dezember 2016 wurden plötzlich 18 000 Extra-Herzschläge festgestellt. 2017 folgte die nächste Verödung. Die war erfolgreich.

Was passiert bei diesem Eingriff?
Ich wurde vier bis fünf Stunden lang operiert, bei örtlicher Betäubung. Das hat tierisch gebrannt und war ein komisches Gefühl. Aber ich habe die ganze Zeit das EKG im Blick gehabt. Und gesehen: Es wird besser. Deshalb war ich überglücklich und kam völlig strahlend aus dem OP-Saal. Meine Eltern, die vor dem OP warteten, waren ganz erstaunt von meiner Energie nach so einer langen OP. Danach waren meine Extrasystolen auf 3000 reduziert - ein komplett neues Lebensgefühl.

Und dennoch kam der Rückschlag?
Nach einer weiteren Untersuchung bekam ich Anfang des Jahres 2018 im Trainingslager in Südafrika einen Anruf. Ich war wieder hoch auf 15 000 Extra-Schlägen. Die Ärzte sagten: Wir müssen operieren, sonst wird es gefährlich. Falls meine Schübe, die etwa vier Sekunden andauern auf 30 Sekunden angestiegen wären, würde es lebensgefährlich werden. Dann hätte der plötzliche Herztod eintreten können.

Sie sind dennoch bei den deutschen Hallen-Meisterschaften angetreten und haben sogar gewonnen.
Ich habe vorher gewusst: Das ist heute mein Tag. Dieser Titel war für mich eine ganz großer Erfolg. Er hatte für mich viel mehr Wert als jeder normaler Sieg. Denn nur ich wusste ja, was ich in dem Jahr davor alles durchmachen musste.

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