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Handball-EM Christian Prokop vor Bewährungsprobe

Der Handball-Bundestrainer Prokop betritt bei der EM in Kroatien zum ersten Mal die ganz große internationale Bühne.

Handball EM
Auf dem Weg zur Titelverteidigung? Chef-Trainer Christian Prokop. Foto: dpa

Vor dem Aufbruch zur Handball-Europameisterschaft gab es viele Menschen, die es gut mit Christian Prokop meinten. Der Trainer der deutschen Mannschaft betritt bei der EM in Kroatien zum ersten Mal die ganz große internationale Bühne als Bundestrainer. Weil die Deutschen vor zwei Jahren überraschend den Titel gewannen und viele eine Wiederholung erwarten, hörte Prokop immer wieder einen gut gemeinten Satz: „Viel Glück in Kroatien.“ Hinter dieser Aussage steckte die Hoffnung, mit Fortune und der Qualität der Spieler die hohen Erwartungen erfüllen zu können. Darauf arbeitet der Handballlehrer gewissenhaft hin, von der Hilfe durch höhere Mächte will er sich aber emanzipieren.

„Es ist mein Ziel, nicht abhängig vom Glück zu sein“, sagte Prokop vor ein paar Monaten. Der heute 39-Jährige saß in einem gemütlichen Café am Rathausplatz in Leipzig und die Europameisterschaft in Kroatien war in seiner Gedankenwelt noch Lichtjahre entfernt. Gelassen und mit neugierigem Blick saß Prokop auf einer Holzbank und erzählte davon, wie er seinen Sport lebt. „Handball schenkt mir Gefühle und Emotionen, die andere Menschen vielleicht nur ein paar Mal im Leben erleben, immer wieder aufs Neue“, formulierte Prokop seine ganz persönliche Liebeserklärung.

Der jüngste Bundestrainer in der deutschen Handball-Geschichte hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Partie in der neuen Funktion erlebt, doch das war für ihn nicht entscheidend. Es ging für Prokop nicht darum, vor einer riesigen Kulisse das Gefühl des Sieges aufzusaugen, sondern ganz allgemein um seine Empfindungen, wenn ein angesagter Spielzug funktioniert oder eine exzellente Abwehrarbeit einen Gegentreffer verhindert. Dabei ist nicht entscheidend, ob dies vor 15.000 johlenden Menschen in einer großen Arena oder der Schulsporthalle in seiner Geburtsstadt Klöthen funktioniert – es geht um den Sport an sich.

Christian Prokop, daran kann es keinen Zweifel geben, ist ein enorm ehrgeiziger Mensch. Nur wer große Ziele verfolgt, kann als Trainer die Berufung zum Nationalcoach erreichen. Aber es geht ihm nicht in erster Linie um die großen Hallen oder die öffentliche Aufmerksamkeit, die mit seinem neuen Job verbunden sind, es geht Prokop immer noch zuallererst um seine Idee vom Handball und die Hoffnung, sich unabhängig vom Glück zu machen. Druck, der von außen aufgebaut wird, konnte er deshalb bislang gut zur Seite schieben.

Vermutlich war das der Grund, warum er am vergangenen Sonntag so gelassen wirkte wie lange nicht. Ganz deutlich war in den Tagen der Vorbereitung auf die EM eine Entwicklung beim Bundestrainer zu beobachten. Ganz zu Beginn wirkte Prokop etwas angespannter als sonst, aber als es darum ging, final den Kader für die EM festzulegen, war der Trainer entspannt. Lächelnd saß er auf dem Podium in der Arena in Neu-Ulm und beantwortete die Fragen der Medienvertreter.

Prokop musste wissen, dass seine Entscheidung, mit Finn Lemke, Fabian Wiede und Rune Dahmke drei Europameister von 2016 nicht zu nominieren, für öffentliche Debatten, vielleicht sogar für Vorwürfen sorgen würde. Der Bundestrainer lächelte dennoch, denn er hatte die Erkenntnis gewonnen, dass die 16 Akteure, mit denen er am Donnerstag nach Zagreb flog, die richtigen für seine Art sind, Handball zu spielen. Dass mit Maximilian Janke und Bastian Roschek zwei Spieler von seinem ehemaligen Klub SC DHfK Leipzig auf den EM-Zug aufsprangen, ist vor diesem Hintergrund keine Überraschung, sondern eine logische Folge.

„Die Frage ist doch, ob ein Trainer populistisch oder inhaltlich handeln soll. Die Entscheidungen sind ja nicht aus dem Bauch heraus gefallen, sondern inhaltlich gewachsen“, schleuderte Bob Hanning den Kritikern der Kaderzusammenstellung entgegen. Der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) stellte sich vor seinen Trainer. Hanning hatte Prokop aus Leipzig losgeeist, weil er ihn für den idealen Nachfolger von Dagur Sigurdsson hält.

In den Vorrundenduellen gegen Montenegro (13. Januar), Slowenien (15.) und Mazedonien (17.) wird sich zeigen, ob die Ideen von Prokop auf dem Niveau einer Europameisterschaft greifen. In den letzten Tagen vor dem Start machte der Trainer den Eindruck, als sei er davon felsenfest überzeugt. Der DHB verpflichtete Prokop, damit der die Nationalmannschaft noch ein bisschen besser macht – und damit unabhängig von Glück.

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