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Europameister Spanien Endlich einmal Favorit

Europameister Spanien hat sich mit der neuen Rolle des Favoriten bei der WM angefreundet, nur mit dem WM-Ball noch nicht. Und: Die Spanier mögen es nicht, in der eigenen Hälfte angegriffen zu werden. Von Ralf Itzel

04.06.2010 09:06
Ralf Itzel
Fernando Torres. Foto: dpa

Die spanischen Fußballfreunde haben einen neuen Schlachtruf, er geht so: "Si, si, si, este año si!" Es soll "in diesem Jahr" endlich klappen mit dem ersten Weltmeistertitel, wenn nicht jetzt, wann dann - die Voraussetzungen sind nie günstiger gewesen für eine Landesauswahl, die auf der ganz großen Bühne lange nur die Rolle des Versagers besetzte.

"Si, si, si, este año si!" Fast 3000 Menschen skandierten den Satz kürzlich beim öffentlichen Training der Selección am Verbandssitz vor den Toren Madrids. Seither erklingt er auch in Schruns in Vorarlberg, dort trainieren die Iberer, um das südafrikanische Klima zu simulieren und den Geist der Europameisterschaft neu zu wecken. Die Tickets für die Übungsseinheiten im Stadion der Alpengemeinde sind längst vergriffen, unter der Hand werden sie für fünfzig statt sieben Euro gehandelt. Es soll endlich klappen in diesem Jahr.

Lange auch von den Landsleuten skeptisch beäugt, ist "la Roja" (die Rote) durch den brillanten EM-Triumph von 2008 in Mode gekommen. Führende Vertreter aus Wirtschaft und Politik schmücken sich nun gerne mit den Fußballern, erstmals posierte sogar Prinz Felipe für das Mannschaftsfoto der Auswahl, die plötzlich als Favorit zu einer WM reist. Die Spieler kommentieren diesen neuen Stellenwert mit Selbstvertrauen und Gelassenheit. "Ist doch schön, dass wir uns das verdient haben", sagt Stürmer Fernando Torres, "diesen Status wollen wir verteidigen, aber dabei bescheiden bleiben." Andrés Iniesta, mit Xavi das Hirn der Mannschaft im zentralen Mittelfeld, stößt in den Bergen Österreichs ins selbe Horn: "Es ist in Ordnung, der Favorit zu sein, solange wir uns nichts darauf einbilden."

Beide Spieler waren nach Verletzungen Sorgenkinder des väterlichen Trainers Vicente del Bosque, aber beide sind im Zeitplan und dürften am 16. Juni in Durban im Auftaktspiel gegen die Schweiz in der Startelf stehen. Danach warten in Gruppe H noch Honduras und Chile.

Es herrscht Harmonie im Lager des Europameisters, der Busausflug am Sonntag ins nahe Liechtenstein ähnelte einer Klassenfahrt. In Vaduz hielten die A-Nationalspieler dem U-17-Nachwuchs im EM-Finale die Daumen, die meisten entstammen ja selbst der Talentschmiede des Verbands. "La Rojita" (die kleine Rote) unterlag England 1:2 und wurde hernach von den Stars getröstet. Kapitän Iker Casillas, einst selbst U-17-Europameister, trommelte alle zusammen, der Torwart ist guter Dinge, obwohl er der einzige ist, dem es die Laune verhageln könnte: Seit einem Fehlgriff im Test gegen Saudi-Arabien versuchen sich spanische Medien in der Debatte, ob bei der WM statt des Real-Keepers nicht besser Victor Valdés vom FC Barcelona im Kasten stehen sollte. Es gibt halt ansonsten nicht viel zu berichten. Im Team ist Casillas unumstritten.

Einzige Erkenntnis aus dem eher mäßigen Test beim 3:2 gegen die Saudis ist die, dass es den Spaniern gar nicht gefällt, wenn sie schon in der eigenen Hälfte angegriffen werden. Torres fehlte gegen die Araber noch, bei der WM allerdings dürfte del Bosque ihn wie sein Vorgänger Luis Aragonés bei der EM als einzige Spitze aufbieten und David Villa auf die linke Seite ins Mittelfeld ziehen. Dort soll anstelle des eingebürgerten Brasilianers Senna der junge Barca-Akteur Sergio Busquets die Bälle abfangen und dem Orchesterchef Xavi apportieren. "Er schützt die Innenverteidiger ganz allein und ist sicher beim Passen", lobt del Bosque den gerade einmal 22-jährigen Busquets.

Basis des spanischen Spiels bleibt der Ballbesitz, umso bedauerlicher, dass sich die Iberer mit dem neuen WM-Ball "Jabulani" nicht anfreunden können. Als "balón de playa" kanzelte Casillas die Kugel ab. "Strandbälle" wollen die Spanier eigentlich erst im Urlaub benützen, der möglichst erst am 12. Juli beginnen soll, nach dem Finale in Johannesburg.

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