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Thomas Greiss Unhaltbar

Der Hitlervergleich von Eishockey-Torhüter Thomas Greiss geht über reine Dummheit weit hinaus. Für seine Ausfälle gehört ihm mindestens eine Denk- und Ruhepause aufgebrummt.

Hitler-Vergleich
Eishockey-Torhüter Thomas Greiss - wie wäre es mit einem Ausflug nach Auschwitz? Foto: Marius Becker (dpa)

Wer halbwegs bei Verstand ist, hütet sich Hitler mit irgendjemanden zu vergleichen. Es gibt nämlich keinen Vergleich. Die verbrecherische Nazi-Ideologie hat alleine zur industriellen Vernichtung von sechs Millionen Juden geführt. Unschuldige Männer, Frauen und Kinder, die einem kruden Rassenwahn zum Opfer fielen. Die Mörder waren Deutsche. Viele andere Verbrechen des Nazi-Regimes und seiner willigen Mordgehilfen waren kaum weniger abscheulich.

Dass nun ausgerechnet der Torhüter der deutschen Eishockeynationalmannschaft, der seit elf Jahren in den Vereinigten Staaten seinem Beruf nachgeht, Hillary Clinton mit dem schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte vergleicht - und an dem Vergleich gibt es nicht den geringsten Zweifel - geht über reine Dummheit weit hinaus.

Man muss Greiss nicht unterstellen, dass er Anhänger der Nazi-Ideologie ist, aber wer über ein derart eingeschränktes Geschichtsbewusstsein verfügt, der kann nicht Deutschland repräsentieren.

Zeit für eine Denkpause

Ganz offensichtlich hat sich der 31 Jahre alte Bayer in seinem Freudentaumel für Trump und seinem Hass gegen Hillary Clinton auch nicht zufällig und einmalig auf fragwürdiges Terrain verirrt. Der Sportler hat noch einige andere nicht zu tolerierende Geschmacklosigkeiten im Internet „gemocht“. Dafür gehört ihm mindestens eine Denk- und Ruhepause für diese Weltmeisterschaft aufgebrummt. Zur Erinnerung: Stefan Effenberg ist 1994 aus der Fußball-Nationalmannschaft ausgestoßen worden, weil er aus Frust Zuschauern den Stinkefinger gezeigt hatte.

Was machen die Verantwortlichen beim Deutschen Eishockeybund und der Bundestrainer? Sie tauchen ab. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Peinlich, wie sich Marco Sturm damit herauswindet, dass ihn alles, was außerhalb des Eises passiere, nicht interessiere. Brüstet sich aber nicht gerade der Sport mit humanistischen Werten, mit der Vorbildfunktion seiner Protagonisten?

Wie wär's mit einem Ausflug nach Auschwitz?

Auf den Einwurf, die politischen Vorlieben des Athleten seien durch die Meinungsfreiheit gedeckt, braucht man nicht näher einzugehen. Niemand will Greiss verbieten, ein glühender Fan von Trump zu sein, auch die offensichtlich tief sitzende Abneigung gegen den Clinton-Clan darf der 31-Jährige gerne offensiv vertreten. Aber auch die Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen. Diese hat der Mann mit dem schwarz-rot-goldenen Trikot weit überschritten.

Ein Ausflug nach Auschwitz noch während des Turniers könnte für den Athleten lehrreiche Wirkung haben. Schade auch, dass der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes zwar die richtigen Worte findet, den Rausschmiss aber auf den St. Nimmerleinstag vertagt.

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