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Chile - UdSSR 11 gegen 0

Die chilenische Militärjunta verwandelt nach ihrem Putsch am 11. September 1973 das Nationalstadion in der Hauptstadt Santiago in ein KZ. Zehntausende

05.06.2010 00:06

Die chilenische Militärjunta verwandelt nach ihrem Putsch am 11. September 1973 das Nationalstadion in der Hauptstadt Santiago in ein KZ. Zehntausende Anhänger des gestürzten Präsidenten Salvador Allende schafft die Soldateska in die Arena. Zu den Folteropfern zählt auch der Sänger Victor Jara.

Zwei Monate später soll an diesem Ort das WM-Qualifikationsspiel Chile gegen die Sowjetunion ausgetragen werden. Der Sieger des Duells (das Hinspiel in Moskau endet 0:0) wird an dem Turnier 1974 in Deutschland teilnehmen. Die UdSSR fordert vom Weltfußball-Verband Fifa die Verlegung des Spiels in ein anderes Stadion. Eine Fifa-Kommission lehnt dies nach einer Besichtigung des Stadions ab; die Junta hat die Gefangenen mittlerweile umquartiert.

Am 21. November wird die Partie vom österreichischen Schiedsrichter Erich Linemayr angepfiffen. Das chilenische Team steht allein auf dem Platz, die sowjetische Mannschaft ist aus Protest nicht angetreten. Francisco Valdes schießt den Ball nach kurzer Zeit ins leere Tor. Danach wird die Partie abgebrochen und später 2:0 für Chile gewertet, das damit zur WM kommt (und in die deutsche Vorrundengruppe gelost wird).

Ein derart folgenreicher politischer Boykott ist im Fußball äußerst selten. Während der WM-Spiele Chiles 1974 in Deutschland gibt es Proteste in den Stadien unter dem Motto "Chile sí - Junta no!". Die Partie Chile - Australien wird unterbrochen, weil Demonstranten auf den Platz laufen. Christoph Albrecht-Heider

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