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Boxen Box-WM ohne Sieger

Bei seinem WM-Comeback steht Tyson Fury länger im Ring als erwartet. Es gibt ein Punkturteil: unentschieden. Weltmeister bleibt Deontay Wilder. Danach setzen die Diskussionen ein: Ist das Urteil gerecht?

02.12.2018 12:07
WM-Fight
Deontay Wilder (l) setzte Tyson Fury mächtig zu. Foto: dpa

Es sollte das größte Schwergewichts-Duell der vergangenen Jahre werden - doch am Ende standen beide Gegner unzufrieden im Ring. Unentschieden lautete das Urteil im WM-Kampf zwischen den Profiboxern Deontay Wilder aus den USA und Tyson Fury aus Großbritannien.

115:111 für Wilder, 114:112 für Fury und 113:113 lautete im Staples Center von Los Angeles das Urteil der Punktrichter. Einen Sieger gab es nicht, aber einen Gewinner: Wilder behält den Titel des World Boxing Council (WBC). „Ich habe gewonnen. Ich habe ihn unter Druck gesetzt und gut getroffen“, sagte der 33 Jahre alte Titelverteidiger und konnte das Urteil nicht nachvollziehen.

„Ich habe gewonnen“, widersprach Fury und kündigte einen Rückkampf an. „Ich bin sicher, dass wir da eine großartige Show zeigen werden.“ Der 20 Kilogramm leichtere Amerikaner willigte ein: „Wo auch immer das Geld zu holen ist, ich bin dabei.“ Der 2,06 Meter große Fury möchte sich allerdings zunächst seinen Landsmann und Weltmeister Anthony Joshua (WBO, IBF, WBA-Super) vorknöpfen.

Wie fast alle seine Gegner wollte der Knockouter Wilder den 116-Kilo-Koloss Fury vorzeitig in die Knie zwingen. 39 seiner 40 Kämpfe hatte der 33-Jährige auf diese Weise gewonnen. Das schien auch aufzugehen. Klitschko-Bezwinger Fury lag zweimal am Boden: in der neunten Runde nach einem rechten Haken, in der zwölften Runde nach einem linken Haken. Beide Male wurde er angezählt. „Ich habe seine Augen rollen gesehen. Da dachte ich, es ist vorbei“, sagte Wilder. Zunächst waren die Punkte des kanadischen Kampfrichters Robert Tapper fälschlich als 114:110 für Fury ausgezählt und verkündet worden. Die Wertung wurde später auf 114:112 korrigiert.

Herausforderer Fury war trotz Größe und Gewichts leichtfüßiger, beweglicher und zeigte einige gelungene Kombinationen. Der „Bronze Bomber“, wie Wilder genannt wird, verließ sich auf Einzelschläge, traf den häufig abtauchenden Engländer zunächst aber nicht entscheidend. Eine wilde Schlacht, wie beide vollmundig angekündigt hatten, wurde es nicht. Teilweise gab es Leerlauf.

Der Kampf war jedoch spannend, weil der 2,01 Meter große und nur 96 Kilo schwere Wilder aufgrund seiner enormen Schlaghärte jederzeit den K.o.-Schlag in petto hatte. Dagegen konnte Fury den Amerikaner mit seinen Treffern nicht beeindrucken. Letztlich ist das Remis gerecht. Einige Beobachter am Ring meinten jedoch wütend, mit dem Urteil sei „das größte Comeback der Sportgeschichte ruiniert“ worden. Sie sahen Fury vorn.

Für den Briten ist das WM-Comeback drei Jahre nach dem Titelgewinn gegen Wladimir Klitschko jedoch ein Erfolg. Drogenmissbrauch und Doping kosteten ihn Boxlizenz und WM-Titel (WBO, IBF, WBA-Super). Depressionen und Alkoholexzesse folgten und hätten ihn an den Rand des Selbstmords geführt, behauptete er später. Nach zwei mäßigen Aufbaukämpfen war das Duell gegen Wilder der erste ernsthafte Test. Nach dem Kampf übte sich Fury erneut als Showmaster. In dem gut gefüllten Presseraum stimmte er den Song „American Pie“ an und das Auditorium sang mit. (dpa)

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