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Basketball Aufmüpfiger Aufsteiger

Der Basketball-Klub aus Schwenningen will die Spielordnung der drittklassigen Pro B kippen. Diese sieht vor, dass nur maximal zwei Ausländer gleichzeitig auf dem Parkett stehen dürfen. Schwenningen hat allerdings nur zwei Deutsche im Kader.

08.03.2017 16:34
Timur Tinç
Korbleger
Der Streit um die Spielordnung kann vor Gericht enden. Foto: imago sportfotodienst

Die Party in der Schwenninger Deutenberghalle war rauschend und lang. Nach fünf Jahren in der Basketball-Regionalliga Südwest ist den Panthers am vergangenen Samstag der vorzeitige Aufstieg in die Pro B gelungen. Es ist die dritthöchste Spielklasse in Deutschland, gehört aber neben der zweitklassigen Pro A zur Zweiten Basketball-Bundesliga. Für die Panthers ist die Sache klar: Sie wollen mit dem gleichen Team, das die Regionalliga dominiert hat, auch in der Pro B spielen. Doch die Spielordnung aus dem Jahr 2007 sieht vor, dass nur maximal zwei Ausländer gleichzeitig auf dem Parkett stehen dürfen. Das Problem dabei: Schwenningen hat nur zwei Deutsche im Kader.

Vier Slowenen, zwei Bulgaren, ein Litauer, ein Ungar und ein US-Amerikaner bilden den Rest des Teams. „Viele unserer Spieler leben schon seit Jahren in Deutschland und gehen einem normalen Beruf nach“, sagt Schwenningens Pressesprecher Matthias Busse. Der Verein könne den Spielern jetzt nicht sagen: „Mit euch haben wir den Aufstieg geschafft, aber leider dürft ihr jetzt wegen der Statuten nicht mehr bei uns spielen.“ Deshalb wollen die Panthers dagegen vorgehen.

Frank Thumm, Sportrechtler und Rechtsbeistand des Klubs, sieht gute Chancen, die Spielordnung zu kippen. „Die aktuelle verstößt gegen das EU-Arbeitnehmerfreizügigkeitsgesetz“, erklärt er. Er hat die Zweite Basketball-Bundesliga bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert. Der Jurist hatte vor zweieinhalb Jahren die Spielordnung der zweiten Frauen-Basketball-Bundesliga erfolgreich angefochten. Seinerzeit mussten mindestens drei deutsche Spielerinnen auf dem Feld stehen, ehe EU-Ausländerinnen nach einem Gerichtsbeschluss den Deutschen gleichgestellt wurden.

Die junge Liga, wie sich die Zweite Basketball-Bundesliga selbst bezeichnet, die Basketball-Bundesliga (BBL) und der Deutsche Basketball-Bund (DBB) sind nach dem Aufstieg der Schwenninger nervös geworden. Sie sehen die Förderung der deutschen Spieler mit einer neuen Spielordnung gefährdet. Daniel Müller, Geschäftsführer der zweiten Liga, will mit den Panthers „bilateral an einer Lösung“ arbeiten. Er verweist darauf, dass der Klub zunächst bis zum 15. April seine Lizenzunterlagen bei der Liga einreichen und die Auflagen erfüllen muss. Neben der Hallengröße gehört dazu unter anderem auch die Einstellung eines hauptamtlichen Jugendtrainers. Zuvor werden sich die Klubs bei einer Liga-Tagung am 24. März beraten, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

In der BBL gibt es seit der Saison 2012/2013 die 6+6-Regelung, die die Klubs verpflichtet, mindestens sechs Deutsche bei einem Kader von zwölf Spielern dabei zu haben. Bei zehn müssen es vier Deutsche sein. In der Pro A dürfen maximal drei Ausländer gleichzeitig auf dem Feld stehen. Ein „Gentlemen-Agreement“ ohne rechtliche Grundlage. „Uns ging es damals darum: Wie bringen wir unsere Sportart voran“, erklärt BBL-Präsident Alexander Reil. Darüber sei kontrovers diskutiert worden, aber letztlich einstimmig abgestimmt worden, weil alle das große Ganze im Blick gehabt hätten. Das sieht er bei den Schwenningen Panthers nicht gegeben.

Das empfindet Schwenningen-Sprecher Busse wiederum als Respektlosigkeit. „Weil wir aufsteigen wollen, sind wir nicht per se böse.“ Nicht jeder Basketballverein sei ein Ausbildungsklub, sondern jeder Verein erfülle unterschiedliche Zwecke. Die Jugendabteilung sei noch nicht so groß, weil der Standort schwierig sei. In Villingen-Schwenningen gibt es im Einzugsgebiet kaum Basketballvereine im Vergleich zu anderen Bundesligastandorten in Baden-Württemberg, etwa Ludwigsburg, Ulm oder Tübingen. „Wachstum geht nur organisch“, sagt Busse. Kommende Woche werde man auf einem Treffen mit Sponsoren sein Konzept für Senioren- und Jugendmannschaften vorstellen.

Welche Auswirkungen eine neue Spielordnung für die junge Liga hätte, ist schwer abzusehen. In der Pro B treten einige Farmteams von Bundesligisten an, unter anderem das der Frankfurt Skyliners, um ihren Talenten Spielpraxis zu geben, und sie werden das sicher weiter tun. Andere Klubs hingegen, die früher oder später in den Profi-Basketball wollen, würden sicher den einen oder anderen EU-Ausländer mehr in den Kader holen, falls ein Gericht eine Anpassung der Spielordnung verlangen sollte.

In der Basketball-Bundesliga war ein gerichtliches Vorgehen gegen die Spielordnung nie ein Thema, sagt BBL-Präsident Reil „Uns wäre es am liebsten, wir hätten keine Quote und die deutschen Spieler würden sich so durchsetzen“, erklärt Reil. Aber die Regelungen hätten schon ihre ersten Früchte getragen, gerade was die Nachwuchsarbeit betrifft. Eine Änderung der Statuten wäre für ihn ein Rückschritt.

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