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Schwuler Fußballer Rogers will nur noch der sein, der er ist

Ein schwuler Fußball-Profi opfert seinem Glück die Karriere: Der US-Nationalspieler Robert Rogers von Leeds United bekennt sich zu seiner Homosexualität und tritt zurück.

18.02.2013 17:59
Robert Rogers im Spiel der USA gegen Honduras (Archivfoto). Foto: imago sportfotodienst

In London wurde vor einiger Zeit auf Plakaten für mehr Toleranz geworben. „Manche Menschen sind schwul. Komm drüber hinweg!“, hieß es lakonisch. Das Leben in seiner Vielfalt so zu nehmen, wie es ist, sollte eine Selbstverständlichkeit sein in aufgeklärten Gesellschaften; aber auch in aufgeklärten Gesellschaften gibt es Bereiche, in die Vernunft nur schwer eindringt. „In den letzten 25 Jahren habe ich Angst gehabt: Angst, zu zeigen, wer ich wirklich bin. Angst, dass mein Geheimnis meinen Träumen im Wege stehen könnte“, hat der Fußballer Robert Rogers, ein früherer Mittelfeldspieler von Leeds United, nun in seinem Blog geschrieben. Mit seinem Rückzug hat er sich zu seiner Homosexualität bekannt.

"Fußball war meine Flucht"

„Robbie“ Rogers, 25, in Kalifornien geboren, spielte 18 Mal für die US-Nationalmannschaft. Auf Zuraten des deutschen Auswahltrainers Jürgen Klinsmann heuerte er Anfang 2012 beim englischen Zweitligisten Leeds United an. Nach einer Reihe von Verletzungen wurde er im Sommer an den Drittligisten Stevenage ausgeliehen; im Januar schließlich lief sein Vertrag mit Leeds aus. Das Karriereende, so befand Rogers, liefere ihm den Anlass, reinen Tisch zu machen: „Fußball war meine Flucht, mein Ziel, meine Identität“, erläuterte er. Nun sei die Zeit gekommen, sich neu zu definieren.

Im Unterschied zu anderen Berufen, in denen die sexuelle Orientierung von Angestellten kaum mehr der Rede wert erscheint, hat Rogers Blog-Eintrag eine Flut an Reaktionen im Umfeld des professionellen Fußballs hervorgerufen. Rogers mag nicht zur globalen Kicker-Prominenz gehören, aber im Berufssport ist er einer der wenigen, der sich zur Homosexualität bekennt.

Letzte Horte des Machismo

Der englische Fußballer Justin Fashanu war 1990 der Erste; er zog sich 1997 aus dem Sport zurück und nahm sich ein Jahr später unter tragischen Umständen das Leben. Die Tennisspielerin Martina Navratilova, der Basketballer John Amaechi und der Rugbyspieler Gareth Thomas haben sich ebenfalls offen geäußert, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass Homosexualität im Hochleistungssport bis heute als Tabu betrachtet wird. Einer der letzten Horte des Machismo, das weiß auch der englische Fußballverband FA, ist in Fußballklubs, Stadien und auf Tribünen zu finden. Die FA hat Rogers deshalb ihre volle Unterstützung zugesagt hat. Die Spielergewerkschaft kennt eine Reihe von schwulen Profis, die ein Outing fürchten. Aber da die Menschheit aufgeklärter wird, so die Hoffnung, wird sich das bald ändern.

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