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Schalke 04 Schalker Helden

Nach Jermaine Jones und Sead Kolasinac wird bei den Gelsenkirchenern jetzt Joel Matip gefeiert.

24.02.2013 16:43
Daniel Theweleit
Erleichterung bei Spielschluss: Jermaine Jones. Foto: dpa

Es war ein warmer Regen englischer, deutscher und spanischer Wortfetzen, den Michel Bastos und Jefferson Farfan nach vollbrachter Arbeit über Joel Matip ausschütteten. „Star“, „Goalgetter“ und „Danke , Danke“ waren zu vernehmen, als die beiden Südamerikaner nach dem Schalker 2:1-Sieg über Fortuna Düsseldorf kichernd am Helden des Abends vorbeikamen, der Großteil der Hymnen wurde jedoch übertönt von Matips abwehrendem „Ja, okay, okay“. Die Rolle des Helden behagt dem zurückhaltenden Fußballspieler überhaupt nicht. Aber der Innenverteidiger hatte nun einmal beide Tore für Schalke 04 erzielt und stand nun im Mittelpunkt einer diese klassischen Geschichten über Fall und fußballerische Auferstehung.

Die alten Symptome der Krise

Der 21-Jährige war in den vergangenen Monaten eine der zentralen Figuren des Schalker Niedergangs, ihm waren schlimme Fehler unterlaufen. „Das war kein schönes Erlebnis, aber es war auch durch die Leistung bedingt“, sagte der kamerunische Nationalspieler selbstkritisch, der seit seinem neunten Lebensjahr für den FC Schalke spielt. Matip hatte gegrübelt und gelitten in der Zeit des persönlichen Leistungstiefs, das ziemlich parallel zum Absturz seines Teams verlief. „Jimmy ist ein sensiblerer Typ, er braucht eine gewisse Zuneigung und Rückendeckung“, sagte Benedikt Höwedes, und Matip, den die einen „Jimmy“ und die anderen „Joe“ nennen, meinte: „Das ist ja bei jedem so, wenn es bei der Arbeit sehr schlecht läuft, dann hat das Auswirkungen auf das Privatleben“, sagte er.

Matip ist eigentlich ein begnadeter Innenverteidiger, stark im Zweikampf, stark in der Luft, torgefährlich bei eigenen Standards und ein guter Spieleröffner. Wenn da nicht diese fürchterlichen Abspielfehler wären, die ihm gelegentlich unterlaufen. Viele Beobachter waren daher der Meinung, dass Christoph Metzelder die bessere Wahl für den Platz an der Seite von Benedikt Höwedes im Abwehrzentrum sei. Nach Matips Toren gegen Düsseldorf sagte Jermaine Jones in seiner gewohnt offenen Art: „Es freut mich für ihn, weil er den Leuten da draußen auf gut Deutsch das Maul stopft.“

Bei aller Freude über Matip und den zweiten Sieg unter Interimstrainer Jens Keller, waren allerdings auch die alten Symptome der Krise zu sehen. Zu Beginn spielte das Team den besten Fußball seit Wochen, bevor in der zweiten Hälfte „ein Rückschritt in ältere Phasen“ folgte, wie Höwedes einräumte. Es gibt derzeit einfach keine souveränen Siege auf Schalke. Plötzlich wurde das Team „sorgloser in der Rückwärtsbewegung“ (Heldt), „Laufbereitschaft und Wille waren nicht mehr so zu spüren“ (Höwedes). Die Zweifel an der Mentalität dieser Mannschaft überdauern auch den zarten Aufschwung.

Huntelaar in der Krise

Der Düsseldorfer Ausgleich (Bellinghausen, 56.) wurde durch eine ganze Kette von Nachlässigkeiten begünstigt. „Wir haben wieder nicht den letzten Schritt gemacht, um dieses Tor unbedingt zu verteidigen“, sagte Keller. Im Moment besteht das Schalker Team aus Leuten, die sich nach und nach aus der Krise herausarbeiten (Matip, Höwedes, Kolasinac, Jones und Farfán) und Profis, die im Tief feststecken (Draxler, Huntelaar, Neustädter).

In der vorigen Saison gab es auf Schalke Raúl und Klaas-Jan Hunterlaar, die weitere Tore nachlegten und die Verhältnisse klärten. Jetzt ist Raúl weg und Huntelaar erzielt nicht nur keine Tore, auch als Anspielstation ist er unbrauchbar. „Wir müssen wieder lernen, früher den Knockout zu machen, so wie im letzten Jahr“, sagte Jones. Dieser Mangel an Konsequenz ist der Hauptgrund dafür, dass sie an diesem Abend die Chance verpassten, neben den Matip-Skeptikern auch die Kritiker ihres umstrittenen Trainers Jens Keller ruhigzustellen. Es mangelt an Konstanz, in allen Spielen gibt es schwächere Phasen, und in der Offensive fehlt die spielerische Durchschlagskraft. Matip fiel der Ball jeweils ziemlich zufällig nach Standardsituationen vor die Füße (29. und 81.), „das war ja eher kurios, wie diese Tore zustande kamen“, sagte der Doppeltorschütze.

„Wir sind auf dem Weg der Besserung“

Allerdings ist dieser Stürmerinstinkt ein Ergebnis der Gelsenkirchener Ausbildung. Noch in der U19 hat Matip regelmäßig im Sturm gespielt, und den zweiten Treffer hat er mit einer Ruhe im Strafraum erzielt, die viele genuine Angreifer gut gebrauchen könnten. Es gibt also wieder Helden auf Schalke, am vorigen Mittwoch wurden Jones und Sead Kolasinac gefeiert, nun war Matip an der Reihe. „Wir sind auf dem Weg der Besserung“, lautete das Resümee von Manager Horst Heldt, „aber wir können auch noch eine Schippe drauflegen“.

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