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Schach Olympiade Schlecht verkauft

Die deutsche Schachspielerin Elisabeth Pähtz arbeitet als Trainerin in der Türkei. Dort nimmt Deutschlands stärkste Schachspielerin gerade an der Olympiade teil. Die Chancen, eine Medaille zu gewinnen sind allerdings gering.

29.08.2012 18:28
Mischa Karth
Die Schacholympiade läuft derzeit in Istanbul. Foto: stock.xchng

Der Schachtürke war ein früher Traum von künstlicher Intelligenz. Ein Roboter in osmanischer Tracht, der eigenständig Schach spielen konnte – und das im 18. Jahrhundert. Wolfgang von Kempelen hatte die Maschine konstruiert und reiste mit ihr quer durch Europa. Wo er hinkam, waren die Menschen beeindruckt von dem Schachroboter zu einer Zeit, in der es nicht einmal Strom gab. Sie glaubten an den Schach-türken – bis sie eines Besseren belehrt wurden: Der Roboter war nicht in der Lage, selbstständig zu spielen. Ein Mensch saß im Innern, um die Figuren durch einen Mechanismus zu bedienen. Der Mythos war tot.

Heute spielen mehr als 250.000?Türken Schach. Menschen aus Fleisch und Blut. Vor wenigen Jahren noch waren es nur einige Tausende, doch der türkische Verband hat viel Geld investiert. So hat der Schachsport zwischen Istanbul, Antalya und Van einen großen Aufschwung genommen.

Für Kreuzberg am Brett

Elisabeth Pähtz ist ein kleiner Teil dieses Aufschwungs. Sie ist 27 Jahre alt und Deutschlands stärkste Schachspielerin. Sie trägt als eine der wenigen Deutschen den höchstmöglichen Titel im Schach: „Großmeister der Frauen“. Seit April arbeitet die gebürtige Erfurterin in Ankara – als Trainerin für die türkische Schachföderation. Sie trainiert mehrere junge Spielerinnen, analysiert mit ihnen Partieverläufe, gibt taktische Tipps und unterstützt ihre Schützlinge bei Turnieren.

Dass sie gerade in der Türkei gelandet ist, sei Zufall gewesen, sagt Pähtz. „Vergangenes Jahr traf ich bei der Mannschafts-EM den türkischen Schachpräsidenten. Wir kamen ins Gespräch, er fragte nach meinen Zukunftsplänen und ich erzählte ihm, dass ich gerne mit Kindern arbeite. Daraufhin bot er mir den Job an.“

Pähtz sagte zu, obwohl sie die Sprache nicht spricht. Sie begann, Türkisch zu lernen. „Mein Türkisch ist noch sehr schlecht“, sagt Pähtz nach vier Monaten im Land. Um mit ihren Spielerinnen zu sprechen, hat sie einen Dolmetscher an ihrer Seite.

Wie wichtig eine gute Ausbildung im Schachspiel ist, zeigt ein Blick auf Pähtz’ eigene Biografie. Ihr Vater Thomas ist ebenfalls Großmeister. Er errang 1989 den letzten DDR-Titel und darf sich noch heute amtierender Meister nennen. Er gab seiner Tochter die ersten Grundlagen des königlichen Spiels mit auf den Weg. Pähtz verbesserte sich konstant und wurde 2005 Junioren-Weltmeisterin. Später spielte sie in der Schach-Bundesliga unter anderem für den SC Kreuzberg.

In Ankara lebte sie anfangs in einem Hotel. Das hat sie mittlerweile gegen eine möblierte Wohnung in der Innenstadt eingetauscht. „Es ist ein sehr gastfreundliches Land“, sagt Pähtz. Sie fühlt sich nach nur vier Monaten zuhause.

„Allerdings“, räumt Pähtz ein, „ist in Deutschland für diese Art von Trainerposten auch kaum Geld vorhanden.“ Es hapere generell an der Ausbildung des Nachwuchses in der Bundesrepublik. „Der Erfolg wird in Deutschland zu wenig gewürdigt, geschweige denn gut verkauft. In der Türkei dagegen wird der Schach gefördert und jede Art von Erfolg wird professionell vermarktet.“

Geringe Medaillenchancen

Istanbul hat sich die Austragungsrechte der derzeit laufenden Schacholympiade gesichert. In dem alle zwei Jahre ausgetragenen Wettbewerb, in dem mehr als 150 Nationen den Schacholympiasieger ausspielen, tritt auch Pähtz mit dem deutschen Team an. Dass sie einen Heimvorteil hat, da sie nun in der Türkei lebt, glaubt Pähtz nicht. Die Chancen des deutschen Teams, eine Medaille zu gewinnen sind ohnehin gering. Für Pähtz wäre eine einstellige Platzierung ihrer Equipe am Ende ein Erfolg – bei der letzten Auflage vor zwei Jahren in Chanty-Mansijsk in Russland landeten die deutschen Teams auf hinteren Rängen.

14 Tage müssen ihre türkischen Spielerinnen auf die Großmeisterin verzichten. Dann geht das Training weiter. Bis Dezember wird sie in der türkischen Hauptstadt bleiben – Verlängerung nicht ausgeschlossen.

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