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Sandra Wallenhorst beim Ironman Die Himmelsstürmerin

Seit ihrer unglaublichen Weltbestzeit steht die Langstrecken-Triathletin Sandra Wallenhorst unter Rechtfertigungsdruck.

02.07.2009 15:07
Sandra Wallenhorst vor der Frankfurter Skyline - zu deren Füßen spielt sich der Laufteil der Ironman-Europameisterschaft ab. Foto: Schick

Herbert Steffny ist noch heute eine Institution im Ausdauersport. Der 55-jährige, dreimal Sieger beim Frankfurt-Marathon, leitet Laufcamps, tritt als Fernsehexperte auf, trainiert Topathleten. Wie seit dem Frühjahr die Triathletin Sandra Wallenhorst. "Ich bin nicht dafür verantwortlich, was sie im Wasser und auf dem Rad macht", sagt er, "aber ich kann sagen, dass sie beim Laufen verdammt gut ist." Und er fügt an: "Marathonläufer sind ja schon keine Weicheier, aber Triathleten machen wahnsinnige Programme. Riesenrespekt."

Sandra Wallenhorst, 37, in Hannover beheimatet, ist die derzeit beste deutsche Triathletin auf der Langdistanz. In aller Munde, weil die Rechtsanwältin vor fast genau einem Jahr beim Ironman Klagenfurt aus dem Nichts an die Weltspitze lief. Mit 8:47:25 Stunden pulverisierte sie die altehrwürdige Bestmarke von Paula Newby-Fraser. Seitdem steht sie unter unendlichem Rechtfertigungsdruck. Es hieß ja nicht nur, dass die Wettkampfstrecke am Wörthersee zu kurz gewesen sein könnte, sondern es wurde auch gemunkelt, unerlaubte Beschleuniger könnten geholfen haben. Zumal die Athletin offen darüber plauderte, dass es die Deutsche Triathlon-Union sowohl 2007 als auch 2008 nicht für nötig hielt, die Elitepassinhaberin auch mal zu einer Dopingkontrolle zu bitten. Eine Urinprobe in Klagenfurt - das wars.

Die Zeiten haben sich geändert, und die Powerfrau betont, darüber sei sie sehr froh. "Ich bin zuletzt sechsmal getestet worden. Erst am Dienstag standen die Kontrolleure früh morgens vor meiner Tür." Nachdem das Aushängeschild der Triathlon-Abteilung von Hannover 96 auch noch auf Hawaii Dritte wurde, nahm Frankfurt-Veranstalter Kurt Denk die 1,76 Meter große Blondine unter Vertrag. Und damit ist sie automatisch dem Kontrollprogramm "Eiserne Transparenz" unterworfen, das Triathleten häufiger zu Tests bittet, als es der tranige Fachverband tun würde.

Wallenhorst erklärt ihre späten Erfolge so: "Ich habe schnelle Beine. Und ich bin halt nicht so verbraucht wie die anderen." Erst seit fünf Jahren betreibt sie ihren Sport professionell, weder Pfeiffersches Drüsenfieber (2005) noch die Geburt ihres Sohnes Philipp (2006) stoppten ihren Ehrgeiz. "Noch am Tag der Geburt bin ich morgens geschwommen. Und fünf Monate danach habe ich den ersten Wettkampf gemacht." Der Sohn werde zwischen Laufschuhen und Fahrradteilen groß, "mittlerweile schraubt er schon fleißig mit an meinem Rad". Und er hat auch mitbekommen, was die Mama am Sonntag vorhat: "Ich will nicht schätzen, wo ich lande. Ich will gewinnen."

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