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Ruder-Cheftrainer Buschbacher „Ein Mann, der sich in der Dunkelheit verirrt hat“

Der deutsche Ruder-Cheftrainer Hartmut Buschbacher kommt nach seiner Autofahrt unter Trunkenheit in Neuseeland relativ glimpflich davon.

08.11.2010 18:01
Sissi Stein-Abel

Das Novotel in Hamilton, in dem die deutschen Ruderer während der Weltmeisterschaft in Neuseeland wohnten, ist nur einen gemütlichen Zehnminuten-Spaziergang vom Gericht der Hauptstadt der Region Waikato entfernt. Hätte Hartmut Buschbacher, der Cheftrainer des Deutschen Ruder-Verbands (DRV) während der Titelkämpfe dort zusammen mit dem Team gewohnt, wie es zum Beispiel bei der Fußball-Nationalmannschaft selbstverständlich ist, hätte er das Gerichtsgebäude vermutlich nicht von innen anschauen müssen.

Weil er jedoch mit anderen DRV-Funktionären in einem Haus direkt an der Regattastrecke am 30 Kilometer entfernten Lake Karapiro wohnte, leistete er sich einen Fauxpas, der ihn gestern vor der Rückreise nach Deutschland vor eben jenes Gericht brachte. Dort verurteilte ihn Richterin Ngaire Mascelle wegen Trunkenheit am Steuer und Verweigerung einer Blutprobe zu 400 NZ-Dollar Geldstrafe, plus Gerichtskosten in Höhe von 132,89 NZ-Dollar, also umgerechnet rund 300 Euro, und sechs Monaten Fahrverbot.

Buschbacher fuhr betrunken Auto, weil ihn laut seinem Anwalt Philip Morgan ein Freund „nach einem ruhigen kameradschaftlichen Treffen mit ein paar Freunden“ gebeten hatte, ihn nach Hamilton zurückzufahren. Diese Zusammenkunft muss ziemlich feucht-fröhlich gewesen sein, anders lässt sich ein Alkoholgehalt von 738 Mikrogramm – das entspricht 1,47 Promille – nicht erklären. Und es ist selbst für Neuseeland ziemlich viel: Hier liegt das Limit bei 400 Mikrogramm oder – wie einst in Deutschland – 0,8 Promille. Weil er nach diesem Atemtest eine Blutprobe verweigert hatte, wurde er vorübergehend festgenommen.

An die Reihe kam der Fall allerdings erst, nachdem Hartmut Buschbacher einen Blick auf das wahre Leben in Neuseeland geworfen hatte. Innerhalb von 20 Minuten fertigte eine Bezirksrichterin wie am Fließband die Fälle von acht vorbestraften Gewalttätern und Betrügern ab und legte ihre Kautionsauflagen und Verhandlungstermine fest.

Noch keine Reaktion vom DRV

Nach einer kurzen Pause wechselte Buschbacher von der Warte- auf die Anklagebank, wo er mit gefalteten Händen stand und den Ausführungen seines Anwalts und der im Rollstuhl sitzenden Richterin Mascelle lauschte. Der Verteidiger drückte kräftig auf die Tränendrüse. Zwischendurch erwähnte er zwar beiläufig, dass der 52-jährige Brandenburger zugebe, sich betrunken hinters Steuer gesetzt zu haben, aber vornehmlich schwelgte er in Ausführungen über dessen Cheftrainer-Rolle („Nicht dass das für den Fall wesentlich wäre, aber ich erzähle es trotzdem“), dass es nicht Buschbachers Idee gewesen sei, den Freund nach Hamilton zu chauffieren, dass er sehr müde, die Straße schlecht beleuchtet und beschildert gewesen sei. Deshalb habe der DRV-Coach eine Abzweigung verpasst, und nur deshalb sei er auf einer Landstraße nur 40 Stundenkilometer gefahren. „Er ist nicht verkehrsgefährdend gefahren, sondern war „ein Mann, der sich in der Dunkelheit verirrt hatte“. Bei der Polizei habe er auch nicht gelallt. Das habe nur so geklungen, weil der perfekt Englisch sprechende Buschbacher „so einen starken Akzent hat“.

Das Schlimmste seien jedoch die bösen Medien gewesen, die darüber berichtet hätten, „das hat große Schande über ihn gebracht“. Und vor der Mannschaft stand er natürlich auch blöd da, „schließlich vertritt er eine Null-Toleranz-Linie in punkto Alkohol“. Das bestätigte Buschbacher auch nach der Verhandlung. „Ich habe mich am meisten über mich selbst geärgert, denn normalerweise mache ich so etwas nicht“, sagte er. „Ich habe mich am Sonntagabend bei der Mannschaft entschuldigt, und ich entschuldige mich auch bei allen Neuseeländern.“

Die Richterin wertete sein Geständnis und seinen einwandfreien Leumund als strafmildernd. Ob der DRV Maßnahmen gegen seinen Cheftrainer ergreift, steht noch nicht fest. „Erst einmal war es eine Sache, die mit dem DRV im direkten Sinne nichts zu tun hat“, sagte Präsident Siegfried Kaidel.

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