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Robben und Ribéry vor dem Bundesligastart Der FC Bayern sucht die Balance

Die Münchner wollen die Spielzeit 10/11 vergessen machen. Investitionen in Höhe von weit mehr als 40 Millionen Euro sollen dabei helfen. Die Defensive macht Coach Jupp Heynckes weiter Sorgen.

Steht trotz geschickten Zweikampfverhalten manchmal auf verlorenem Posten: Jerome Boateng Foto: dapd

Als sie noch am Gardasee trainierten, gab es einen dieser Momente, die viel vom neuen Arbeitsklima beim FC Bayern erzählen. Jupp Heynckes wurde die Frage gestellt, wie viel Jérome Boateng zur gewünschten Stabilität in der Abwehr beitragen könne. Heynckes, zum dritten Mal Trainer der Münchner, reagierte amüsiert. Boateng habe die nötigen Fähigkeiten, vor allem ein geschicktes Zweikampfverhalten, sagte er freundlich, „aber nun lassen Sie ihn doch erst einmal kommen“.

Da war noch ungewiss, ob die zähen Verhandlungen mit Manchester City zu einem Wechsel des Nationalspielers führen.

Heynckes’ Vorgänger Louis van Gaal, eher bärbeißiger Natur, hätte vermutlich schroff reagiert. Heynckes aber pflegt einen entspannten Umgang mit den Medien – so wie mit den Spielern und der Führungsriege des Vereins.

Trainer und Moderator

Als kommunikativ hat sich der 66-Jährige beschrieben, als er Ende Juni seinen Dienst an der Säbener Straße aufnahm. Und er bezeichnete sich nicht nur als Trainer, sondern auch als Moderator. Zusammenführen, lenken, aber auch Freiheiten geben – so versteht er seine Aufgabe.

Mittlerweile ist Boateng bei den Bayern eingetroffen. Doch die Frage, die Heynckes Anfang Juli in Riva del Garda gestellt wurde, hat ihre Gültigkeit behalten. Nach einer verkorksten Saison, die titellos und auf Tabellenplatz drei endete, haben die Münchner die Rückkehr zu alter Stärke ausgerufen. Doch dafür bedarf es einer neuen Stabilität in der Defensive. „40 Gegentore“, hat Heynckes festgestellt, „sind für eine Spitzenmannschaft eindeutig zu viel.“ Auf 25 will er die Quote drücken. Die Balance der Mannschaftsteile sei dafür der Schlüssel. Gebündelt hat er seine Überzeugung in einem Kernsatz: „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften.“

Ob es Heynckes gelingt, die auch in der Vorbereitung zuweilen anfällige Defensive zu einem Bollwerk zu formen, ist die spannende und möglicherweise entscheidende Frage dieser Saison. Kapitän Philipp Lahm spielt nun wieder links. Neuzugang Rafinha führte sich auf rechts bereits gut ein. Doch die Mitte der Viererkette wird trotz Boateng kritisch beäugt. Zu lang schon hält die Formschwäche von Holger Badstuber an, der eigentlich als zweiter Innenverteidiger vorgesehen ist. Und Daniel van Buyten, in der Vorbereitung stabiler, gilt seit jeher nicht als Inbegriff der Makellosigkeit. Breno muss nach seiner langen Verletzungspause ohnehin um den Anschluss kämpfen.

„Sehr ausgeglichen besetzt“ sei die Mannschaft nun, hielt Sportdirektor Christian Nerlinger nach Investitionen in Höhe von weit mehr als 40 Millionen Euro zufrieden fest, auch ohne den gescheiterten Transfer von Arturo Vidal. Nationaltorwart Manuel Neuer, der dritte und wichtigste Neue im Defensivverbund, war von Schalke 04 gekommen. Hinzu kommen die beiden ergänzenden Offensivkräfte Nils Petersen aus Cottbus und Takashi Usami von Gamba Osaka aus Japan.

Gewaltige Löcher, Verlegenheiten inklusive

Präsident Uli Hoeneß jubilierte bereits nach dem Sieg gegen den AC Mailand im Vorbereitungsturnier, man habe bereits „fantastisch“ gespielt. Das stimmte vielleicht phasenweise für die Offensive. Doch hinten klafften zuweilen noch immer gewaltige Löcher, Verlegenheiten inklusive. Boateng, das muss gesagt werden, stand erst im Finale gegen die B-Elf des FC Barcelona erstmals in der Startformation. Ob Heynckes ihn bis zum Bundesligastart gegen Borussia Mönchengladbach als „matchfit“ einstuft, wie er das nennt, wird sich zeigen.

Und in der Saison muss sich dann erweisen, ob Boateng die hohen Erwartungen wirklich erfüllen kann. Denn bisher hat er als Profi nur sporadisch beim Hamburger SV und bei der U21 innen verteidigt. Zumindest genug Selbstbewusstsein bringt der 22-Jährige mit. Vor dem Finale des Mini-Turniers sagte er: „Barcelona ist im Moment das Maß aller Dinge. Solche Gegner brauchen wir.“

Das Selbstverständnis der Bayern hat nicht gelitten durch die vorige Saison. Und in der nun mit dem Pokalspiel am Montag bei Zweitligist Eintracht Braunschweig beginnenden Spielzeit 2011/12 soll das mit Titeln bestätigt werden. Viel haben sie sich vorgenommen, doch neben der Defensive gibt derzeit auch die Offensive Anlass zur Sorge. Die Flügelzange Arjen Robben und Franck Ribéry befindet sich mal wieder im Krankenstand, soll aber zum Bundesliga-Auftakt einsatzfähig sein. Doch was, wenn die verletzungsanfälligen Künstler häufiger ausfallen? Und was wäre eigentlich, wenn Stürmer Mario Gomez einmal längere Zeit malad sein sollte?

„Selbstverständlich bin ich sehr zuversichtlich“, hat Heynckes nach dem 0:2 gegen Barcelona im letzten Testspiel gesagt: „Aber es liegt noch viel Arbeit vor uns, um auf hohem Niveau spielen zu können.“

Genau darum geht es bereits am 16./17. August. Dann steht das Hinspiel in der Qualifikation zur Champions League auf dem Programm, das Rückspiel folgt eine Woche später. Das Fernziel der Bayern in diesem Wettbewerb ist auf den 19. Mai 2012 terminiert. Dann steigt in der Münchner Arena das Finale der Champions League.

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