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United Volleys Zu schnell erwachsen geworden

Christian Dünnes sieht für die United Volleys nicht nur in den Playoffs gegen Herrsching gute Chancen.

01 09 2017 Palmberg Arena Schwerin Volleyball Länderspiel Laenderspiel Deutschland vs Türkei
Aufmerksamer Beobachter: Christian Dünnes. Foto: imago

Es scheint alles wie immer: Wie stets, seit sie vor drei Jahren in der Bundesliga debütierten, sind die United Volleys Rhein-Main als Tabellendritter der Hauptrunde ins Playoff-Viertelfinale eingezogen. Dort trifft der Frankfurter Bundesligist ab Mittwoch (19 Uhr, Ballsporthalle) auf den Sechsten aus Herrsching. Orientiert man sich an den bisherigen Begegnungen der beiden Klubs in dieser Saison, die die Hessen für sich entschieden, ist ein Weiterkommen wahrscheinlich. Dann wartet vermutlich der Meister aus Berlin, den das Team von Coach Michael Warm Mitte November in eigener Halle im Tiebreak bezwang, der sich aber deutlich gesteigert hat, seitdem der frühere Bundestrainer Stelian Moculescu im Februar die Regie an der Seitenlinie übernahm. Die Volleys bekamen das in der Hauptstadt zu spüren. Sollte es also zum dritten Mal darauf hinauslaufen, dass sich das Projekt vom Main, das jungen Spielern durch den Einsatz auf der Beletage Entwicklungsmöglichkeiten bietet, im Halbfinale aus der Saison verabschiedet?

Vorteil wegen Heimrecht

Christian Dünnes hält das nicht für zwingend. Der 33-Jährige, der die Volleys zwei Jahre lang als Leitwolf und Topscorer anführte, bevor er 2017 auf den Posten des Sportdirektors des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) wechselte, sieht diese aber in der ersten K.o.-Runde nicht nur wegen des Heimrechts im Vorteil. Entscheidend könnte in der Best-of-Three-Serie sein, dass Herrsching für seine Heimpartie am Ostersamstag aus dem eigenen Hexenkessel in eine regelkonforme Halle im 100 Kilometer entfernten Vilsbiburg umziehen muss.

Auch im wahrscheinlichen Duell seiner ehemaligen Klubs glaubt der frühere Diagonalspieler an Chancen für United. Frankfurt sei sportlich gar nicht so weit weg vom Titelverteidiger. Dass man sich mit dem Aufschließen bislang schwertut, führt der Fachmann nicht nur auf die Verletzungsprobleme der vergangenen Monate zurück. Die Trainingssituation in der Wintersporthalle, in der die Profis meist nur vormittags das Netz aufbauen können, stellt für ihn einen Wettbewerbsnachteil dar. Zudem vermisst er stärkeren Rückhalt der Sponsoren und der Politik in der Rhein-Main-Region. Zwar wächst dieser laut United-Geschäftsführer Henning Wegter, kommt die Stadt Frankfurt den Volleyballern bei der Miete der Arena entgegen und die bisherigen Partnerschaften würden – auf niedrigerem Niveau – sogar eine Fortsetzung des Projektes ohne den Hauptfinanzier Jörg Krick erlauben, sollte dieser sich nach den festgesetzten vier Jahren zurückziehen. Doch Dünnes hatte sich die Etablierung einfacher vorgestellt.

„In sportlicher Hinsicht ging das superschnell“, sagt er. Selbst das wirft Probleme auf. Spieler wie der mittlerweile im A-Nationalteam heimische Mittelblocker Tobias Krick, dessen Einsätze als 17-Jähriger in der Bundesliga viele Fachleute für verfrüht ansahen, könnten heute kaum mehr zum Zuge kommen. Die Erfolge der ersten beiden Jahre hätten die Erwartungen im Umfeld zu hoch geschraubt, um weiterhin derartige Risiken einzugehen. Gleichzeitig machten Zuspieler Jan Zimmermann und Außenangreifer Moritz Reichert, die sich nach zwei Jahren am Main jetzt in der französischen Liga Stammpositionen erkämpft haben, deutlich, wie wichtig eine solche Förderung auf höchster Ebene sei. Doch das Nachwuchsprojekt ist zu schnell erwachsen geworden.

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