Lade Inhalte...

United Volleys Wechsel in der Philosophie

United Volleys Rhein-Main trennen sich von Trainer Michael Warm, der Kanadier Stelio DeRocco übernimmt.

Michael Wurm
Kann sich nun voll auf die Arbeit beim österreichischen Nationalteam konzentrieren: Michael Warm. Foto: imago

Es hatte sich schon länger angedeutet, doch jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die United Volleys Rhein-Main werden den Vertrag mit ihrem bisherigen Cheftrainer Michael Warm nicht verlängern. Als Nachfolger des 50-Jährigen vermeldete der Bundesligadritte am Dienstag den Kanadier Stelio DeRocco. „Neue Impulse“ verspricht sich der IT-Unternehmer Jörg Krick, Initiator und Hauptfinanzier des Frankfurter Profiteams, von dem 58-Jährigen, der unter anderem schon Nationalcoach in Australien und Kanada war. 

„Micha hat das Projekt mit aus der Taufe gehoben und nach vorne gebracht“, betont Krick. Doch nun hätten „viele kleine Gründe“ zu diesem „nicht einfachen Schritt“ geführt. Warm selbst wird konkreter: Die unterschiedlichen Philosophien hätten am Ende nicht mehr zusammengepasst.
Der frühere Junioren-Nationalcoach hatte die Stelle beim Aufsteiger 2015 angetreten, dabei das einst vom ehemaligen Bundestrainer Vital Heynen angeregte Konzept einer Mannschaft, die junge Talente frühzeitig Spielpraxis auf der Beletage des Volleyballs sammeln lässt, erfolgversprechend modifiziert und in seinem Bereich umgesetzt. Doch während drei dritte Plätze in der Liga sowie zwei Halbfinalteilnahmen im DVV-Pokal und eine im europäischen CEV-Cup, gepaart mit der im Mai bekannt gewordenen Zulassung zur Champions-League-Qualifikation im Herbst, für eine sehr gute sportliche Entwicklung sprachen, blieb das geplante Wachstum auf anderen Gebieten zurück. 

Bei der Akquise von Sponsoren und dem Aufbau eines Trainingszentrums, in dem die Spieler flexibler üben können, sah Warm die am schwersten wiegenden Defizite. „Ich habe immer wieder Tempo angemahnt“, damit das ursprünglich auf vier Jahre veranschlagte Projekt weiterkomme. Daraus hätten sich Konflikte ergeben, die in der täglichen Arbeit spürbar waren.

„Es ist einfacher, im Sport Erfolg zu haben“, entgegnet Manager Henning Wegter in dem Zusammenhang. „Dafür braucht man geringere Mittel.“ Man habe aber im Verein alles versucht, um sich insgesamt noch besser aufzustellen. 

Eine Eskalation gab es offenbar noch vor Beginn der Playoffs im März, als Warm kurz vor dem letzten Vorrundenspiel und seinem runden Geburtstag mit der Nachricht konfrontiert wurde, dass man nicht mehr länger mit ihm als Trainer zusammenarbeiten wolle. Zwar raufte man sich für diese wichtigste Phase der Saison noch einmal zusammen. Doch nicht erst beim Abflug des Wahl-Österreichers nach dem Aus im Playoff-Halbfinale gegen den Titelverteidiger aus Berlin im April schien klar, dass es zu keiner Einigung mehr kommen würde. 

„Ich hatte drei super Jahre in Frankfurt“, sagt der gebürtige Franke, der sich jetzt erst mal nur auf seine Tätigkeit als österreichischer Nationaltrainer konzentrieren will. „Und ich sehe nach wie vor riesengroßes Potenzial, hier den zweitgrößten Volleyballstandort nach Berlin zu installieren.“ Doch dafür müsse man in vielen Bereichen professioneller werden.

Der neue Mann an der Seitenlinie tritt seine Arbeit in der Wintersporthalle am 1. August an. Als Spieler war DeRocco selbst italienischer Meister und 1987 Europapokalsieger, zudem stand er immer wieder für die kanadische Nationalmannschaft am Netz. Nach mehreren Titeln auf seinen Stationen in Italien und Rumänien war der Vater von Volleyballprofi Jason DeRocco zuletzt in der polnischen Liga bei MKS Bedzin engagiert und betreute dort unter anderem den früheren United-Außenangreifer Jan Klobucar. 

Mit seiner umfangreichen Erfahrung, davon ist Wegter überzeugt, „ist er einer, der unsere Spieler auf die nächste Ebene bringen kann“. In Deutschland hätte man einen Fachmann gleicher Qualität kaum gefunden. DeRocco wird nun intensiv am Kader mitbasteln, in dem neben den drei Mittelblockerpositionen auch die der beiden Diagonalangreifer noch nicht fest besetzt sind. „Wir lassen uns da diesmal mehr Zeit“, sagt Krick, statt wie unter Warm „gleich beim ersten Schuss dabei zu sein“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen