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Julian Zenger Jugendlicher Organisator

Libero Julian Zenger ist mit 19 schon gesetzt bei der Deutschen Volleyball-Nationalmannschaft.

Julian Zenger
Annahme statt Schmetterball: Julian Zenger (re.), Ex-Angreifer. Foto: imago

Manchmal würde Julian Zenger gerne angreifen. Hochspringen und mit voller Wucht den Ball auf der gegenüberliegenden Seite des Netzes auf den Boden schlagen. So, wie er es in den ersten Jahren seiner Karriere gemacht hat. Doch der 19-Jährige muss sich zügeln. Als Libero ist er der etwas andere Volleyballer. Der, dessen Trikot sich von dem seiner Mitspieler unterscheidet und der von hinten aus im eigenen Feld für Ordnung statt beim Gegner für Chaos sorgen soll.
Irgendwie sei er in diese Rolle hineingewachsen, sagt der Allgäuer, habe sie in den Auswahlteams des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) früh übernommen und sich schließlich ganz von der Position in der Offensive verabschiedet, auf der der frühere Zweitligaspieler der Youngsters Friedrichshafen lange Zeit auch noch gefragt war. Mit seiner Körpergröße von 1,90 Meter, in Volleyballkreisen nicht gerade eindrucksvoll, hätte es Zenger im harten Konkurrenzkampf außen sowieso eher schwer gehabt.

Einziger gelernter Libero

Er muss das nicht bereuen. Zenger, der durch seinen Vater und ersten Trainer im heimischen 400-Seelen-Dorf Muthmannshofen zu seiner sportlichen Leidenschaft fand und mit 16 Jahren an den Bundesstützpunkt am Bodensee umzog, ist trotz seiner Jugend seit diesem Sommer Stammspieler in der A-Nationalmannschaft. Bei der am heutigen Donnerstag beginnenden Europameisterschaft in Polen steht der Neuzugang des Frankfurter Erstligisten United Volleys Rhein-Main als einziger gelernter Libero im 14er-Kader von Bundestrainer Andrea Giani.
Die Etablierung gelang schneller als erwartet. Eigentlich war der U-21-Nationalspieler, der in der vergangenen Saison für den VCO Berlin in der Bundesliga aufschlug, nur kurzfristig für den am Finger verletzten Ersatzlibero Leonhard Tille in die Auswahl für das erste WM-Qualifikationsturnier Ende Mai berufen worden. Als sich dann jedoch Stammkraft Markus Steuerwald in eine Auszeit verabschiedete, rückte Zenger nach. Und verkaufte sich schon beim World-League-Auftakt in Frankfurt so gut, dass Giani an ihm festhielt.

Seitdem hat der talentierte Junior seinen Platz sicher, organisierte auch beim enttäuschend verlaufenen zweiten Versuch, sich für die Welttitelkämpfe in Italien und Bulgarien zu empfehlen, Abwehr und Annahme des Bronzemedaillengewinners von 2014. Scheu vor den großen Namen an seiner Seite „Hammerschorsch“ Georg Grozer etwa, der nach einer Pause jetzt wieder dabei ist, oder Lukas Kampa, der bei der WM 2014 zum besten Zuspieler gekürt wurde, verspürt er nicht. „Es gibt eine klare Aufgabenverteilung“, erklärt Zenger. Er sei dafür zuständig, dass in seinem Bereich die Vorgaben des Trainers umgesetzt werden. Dies möglichst gut zu erledigen und damit die persönliche Chance zu nutzen, die sich ihm bietet, darauf allein richtet er seinen Fokus.

Zudem befindet sich das DVV-Team im Umbruch, mischen sich unter die Routiniers bei der EM neben Zenger, der schon im Vorjahr unter dem damaligen Bundestrainer Vital Heynen ein paar Testspiele absolvierte, sechs weitere Debütanten, darunter der erst 17-jährige Linus Weber und die Frankfurter Tobias Krick und Moritz Karlitzek. Die Mannschaft musste sich demnach sowieso erst zusammenfinden, darüber hinaus die Spielphilosophie Gianis verinnerlichen, der als ehemaliger Angriffsspieler andere Akzente setzt als sein Vorgänger.

Vom WM-Aus habe man sich erholt, sagt Zenger. Nun wollen die Deutschen wieder überzeugen, in den Gruppenspielen am Freitag gegen Italien und danach gegen Tschechien und die Slowakei erst mal den Einzug ins Viertelfinale schaffen. Gleich der erste Konkurrent stellt dabei den vermeintlich härtesten dar. „Aber bei den Italienern lief zuletzt auch nicht alles optimal“, und mit der Leistung, die das DVV-Team bei den beiden Siegen gegen Belgien am Wochenende in Bremen abgab, „gibt es keinen Gegner, den wir nicht schlagen können“, sagt der Libero. Auch wenn er selbst dabei zwar ein-, aber nicht angreifen darf.

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