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Skyliners Neuzugang Akeem Vargas Malocher mit Köpfchen

Skyliners-Neuzugang Akeem Vargas ist ein Defensivspezialist, der über den Tellerrand des Sports hinausblickt.

Akeem Vargas
Gibt immer alles: Akeem Vargas (rechts). Foto: Skyliners

Akeem Vargas faltet die Hände zusammen, spricht ein kurzes Gebet, erst dann beginnt er seinen Salat zu essen. Es ist ein warmer Augusttag, der 28-Jährige sitzt mit kurzer Hose und Achselshirt in einem italienischen Restaurant im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. In unmittelbarer Nähe hat er auch eine Wohnung bezogen, auf eine Bleibe in der Frankfurter Nordweststadt, wo viele seiner Skyliners-Mitspieler wohnen, hat er ganz bewusst verzichtet. Zum Training fährt er mit der U-Bahn, die 20 Minuten überbrückt er meistens mit dem Lesen eines Buchs. „Ich brauche die Lebensqualität“, sagt der Sohn eines US-Amerikaners mit puerto-ricanischen Wurzeln und einer deutschen Mutter. In Berlin, wo er fünf Jahre für Alba gespielt hat, wohnte Vargas im Stadtteil Mitte, von dort aus genoss er einen traumhaften Blick auf die dortige riesige Beachvolleyball-Anlage. 

1,0 für die Bachelorarbeit

Der 43-fache deutsche Nationalspieler hat im Juni einen Zweijahresvertrag bei den Skyliners unterschrieben. „Mir kommt die Gangart und der Spielstil entgegen. Mit Letzterem kann ich mich bestens identifizieren“, erklärt der 1,93-Meter Mann seine Beweggründe. Zumal sie ihm in Berlin frühzeitig zu verstehen gegeben haben, dass sie nicht mehr mit dem Defensivspezialisten planen.
Genau dieser Spielertyp stand nach der vergangenen Saison ganz weit oben auf der Liste von Cheftrainer Gordon Herbert. Philip Scrubb und Tai Webster waren zwar hervorragende Offensivspieler, aber die Verteidigungsarbeit war nicht gerade die Lieblingsaufgabe der beiden Topscorer. Da kommt ein Spieler wie Vargas genau richtig, der ein harter Arbeiter auf dem Parkett ist und dem man in der Vergangenheit gerne das Bad-Boy-Image anheften wollte. 

„Wenn man sich mit mir unterhält, wird man merken, dass ich kein um mich schlagender Vollassi bin“, sagt er. Klar sei aber: „Auf dem Parkett habe ich vier Freunde, die tragen das gleiche Trikot wie ich und fünf andere, die nicht so meine Freunde sind.“ Er brauche keine Rollen- oder Spielzeitversprechungen. „Ich glaube an harte Arbeit und das der Weg, den ich gehe, der richtige ist“, sagt der Shooting-Guard.

Überzeugung und Glaube spielen in vielerlei Hinsicht eine zentrale Rolle im Leben von Vargas. Die Rückennummer 8 hat er aufgrund der biblischen Bedeutung für Auferstehung und Neuanfang gewählt. Und hat er sie bei seinem ersten Basketballklub der KusG Leimen getragen. So schließt sich der Kreis für den in Lancaster im US-Bundesstaat Pennsylvania geborenen gläubigen Christen, der nicht nur den Sport in den Mittelpunkt stellt. 

Im Frühjahr hat der 226-fache Bundesligaspieler seinen Bachelor in Sport- und Eventmanagement abgeschlossen – in der Regelstudienzeit von sechs Semestern. „Es war ein Fulltime-Job“, sagt Vargas. Dass es dazu gekommen ist, hat er dem damaligen Berliner Physiotherapeuten, Jörg Blüthmann, zu verdanken, der ihn herausgefordert hat. „Er hat gesagt, dass er sich nicht vorstellen kann, dass jemand das parallel mit der Belastung in einem Topteam hinkriegt“, sagt Vargas. „Ich habe mich darüber ausgelassen, dass viele Jungs ein Fernstudium machen, aber dafür sechs Jahre brauchen. Das ist für mich rumgeeiere.“ Irgendwann habe ihn der Physio so manipuliert, dass er zu Hause saß und nach Studiengängen schaute, berichtet Vargas schmunzelnd. 

Also schrieb er sich in der „University of Applied Sciences Europe“ in Berlin, der früheren „BiTS“ ein und zog das Ding durch. Zeitweise sahen seine Tage so aus: 8 Uhr zur Vorlesung, 9.30 Training, 12 Uhr Mittagessen, 14 bis 17 Uhr Vorlesung, 17.30 Physiotherapie, danach das zweite Training, um 21 Uhr heim und noch etwas lernen. Die Wege legte er mit dem Fahrrad zurück.
Er hofft, für jüngere Spieler ein Vorbild zu sein - und das sein Beispiel Schule macht. Dafür benötigt es Disziplin, Willen und natürlich Köpfchen. Für seine Bachelor-Thesis „Steigerung der Popularität des deutschen Basketballs“, erhielt er die Bestnote 1,0. Auf seine Gesamtnote wartet er aber noch. 

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