Lade Inhalte...

Skyliners Bongas Traum wird wahr

Der 18-jährige Isaac Bonga wird schon kommende Saison dem NBA-Kader der Los Angeles Lakers angehören.

Isaac Bonga
Das große Ziel im Blick: Isaac Bonga. Foto: Ty Nowell/Los Angeles Lakers

Plötzlich hatte Isaac Bonga freie Bahn. Er ließ seinen Gegenspieler mit zwei langen Schritten stehen und legte den Ball zum 81:63 in den Korb. Seine ersten Punkte aus dem Feld in der Summer League der NBA. Kurz darauf war der erste Auftritt im Trikot der Los Angeles Lakers für den 18-Jährigen beendet. Für den Spielmacher kam der zweite Deutsche im Kader der Lakers, Moritz Wagner, auf das Parkett in der Arena von Las Vegas. Es war ein holpriges Spiel für Bonga beim 96:79-Sieg gegen die Philadelphia 76ers, in 13 Minuten unterliefen ihm sieben Ballverluste bei drei Zählern. „Ich habe ein paar schlechte Entscheidungen getroffen“, sagte der 2,05 Meter große Schlaks. Es seien noch einige Spiele zu spielen und er versuche „mein Ding zu machen und mich zu verbessern“. Die Partie war nur der erste Schritt im Lernprozess des Nationalspielers. Vor zwei Monaten spielte er noch in der Bundesliga für die Frankfurt Skyliners, jetzt ist er dabei, seinen NBA-Traum zu verwirklichen.

Bonga trifft in L.A. auf Superstar LeBron James

Seit Freitag steht fest: Isaac Evolue Etue Bofenda Bonga wird in der Saison 2018/2019 zum Kader des 16-fachen NBA-Champions gehören. Laut der US-amerikanischen Onlineplattform „The Athletic“ erhält Bonga einen Rookievertrag über drei Jahre. Bonga war am 21. Juni im Draft an 39. Stelle von den Philadelphia 76ers gewählt und sofort an die Lakers weitergegeben worden, die sich bereits zuvor die Dienste des gebürtigen Berliners Wagner gesichert hatten. Aufgrund der NBA-Regularien konnte der Deal erst am Freitag abgeschlossen werden. Für Bonga bekommen die 76ers von den Lakers in der Talentelotterie 2019 einen Zweitrunden-Pick sowie eine unbekannte Summe überwiesen.

Eine bereits ausgehandelte, aber ebenfalls unbekannte Summe erhalten die Frankfurt Skyliners als Ausbildungsentschädigung. Sie dürfte im mittleren sechsstelligen Bereich liegen. „Das ist ein Monstererfolg für die Organisation. Wir haben ihn genau mit diesem Ziel geholt“, freute sich Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter. Der hessische Basketball-Bundesligist hatte Bonga 2016 von seinem Heimatverein SG Lützel-Post Koblenz nach Frankfurt gelotst und mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet. Sein erstes Bundesligaspiel absolvierte er als 16-Jähriger im September 2016 und ging als fünftjüngster Bundesligaprofi in die Geschichte ein. In der abgelaufenen Saison gehörte er zur festen Rotation der Hessen und wurde im Februar zum jüngsten Nationalspieler seit mehr als 40 Jahren.

„Isaac hat alles für seinen NBA-Traum gemacht, was notwendig ist“, lobte Wöbke den gebürtigen Neuwieder, dessen Eltern aus dem Kongo stammen. Selbst von einer Verletzung, einem Rippenbruch Anfang des Jahres, habe er sich nicht beirren lassen, so Wöbke. Zwar hat Bonga einige Wochen gebraucht, um wieder seinen Rhythmus zu finden, beim Aus im Playoff-Viertelfinale gegen den FC Bayern München gehörte er aber zu den stärksten Skyliners-Akteuren.

Schon kurz nach dem Saisonende flog Bonga Mitte Mai nach Los Angeles, um an den sogenannten Draft-Workouts der Lakers teilzunehmen. Veröffentlicht wurden die Bilder dazu erst am Freitag. Ein Hinweis darauf, dass der Deal von langer Hand geplant war. Zumal Lakers-Geschäftsführer Rob Pelinka Bonga persönlich in Frankfurt beobachtet hatte. „Die Idealsituation wäre gewesen, wenn er noch eine Saison bei uns gespielt und dann gegangen wäre“, sagte Wöbke. Aber die Lakers wollen Bonga offensichtlich selbst unter ihre Fittiche nehmen und ihn zum nächsten Magic Johnson aufbauen.

Der Klubpräsident, der die Statur eines Flügelspielers hatte (2,06 Meter), gilt als einer der besten Point Guards in der Geschichte der NBA. Um zu einem guten Spieler in der besten Basketballliga der Welt zu reifen, wird Bonga noch ein paar Kilo Muskelmasse aufbauen und sich einen stabilen Wurf aneignen müssen – dann stehen ihm alle Türen offen. In Magic Johnson sowie den Neuzugängen Rajon Rondo und Superstar LeBron James als Lehrmeister hat er dafür in Los Angeles die besten Voraussetzungen. „Das werden interessante Monate und Jahre, die wir sehr gespannt verflogen werden“, sagte Wöbke.

Duo vor dem Absprung

Die Skyliners suchen nun ihrerseits einen erfahrenen Spielmacher. Unabhängig davon, wie viel Geld durch Bonga in die Kasse fließt, „haben wir unsere Kaderplanung darauf basierend gemacht, dass Isaac in die NBA geht“, erklärte der Klubboss. Es ändere sich bei keinem Spieler etwas. Das bedeutet, dass Wöbke weiter davon ausgeht, dass die beiden Leistungsträger Tai Webster und Philip Scrubb, die wie Bonga in der Summer League für Miami Heat beziehungsweise die Washington Wizards auflaufen, den Klub verlassen werden.

Den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung sollen Richard Freudenberg (19) und Niklas Kiel (20) machen, die sich ebenfalls eine Karriere in der NBA erhoffen. Isaac Bongas Traum ist schon wahrgeworden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen