Lade Inhalte...

Skyliners Auf die falsche Weise

Die Frankfurt Skyliners hinken ihren Ansprüchen weit hinterher.

Trae Bell-Haynes
Ein Lichtblick gegen Malaga: Trae Bell-Haynes. Foto: Joachim Storch

Gordon Herbert lächelte, schaute seinen Pressesprecher Thomas Nawrath an und sagte dann abwehrend: „Die Frage muss Thomas beantworten.“ Der Cheftrainer der Frankfurt Skyliners war gefragt worden, ob es nicht bedauerlich sei, dass der Klub die Option, aus dem Vertrag auszusteigen, beim falschen Spielmacher habe. Die ehrliche Antwort wäre ein klares „Ja“ gewesen, aber das verkniff sich der Kanadier. Während Trae Bell-Haynes, dessen Vertrag am 25. November ausläuft, am Mittwochabend im Eurocup im Schlussviertel fast im Alleingang die Skyliners nach einem 20-Punkte-Rückstand wieder rangebracht hatte, saß Jason Clark in der zweiten Hälfte fast die komplette Zeit auf der Bank. Und als sich die Hessen gerade auf 76:78 rangepirscht hatten, verlor Clark 1:31 Minuten vor Ultimo den Ball, was in das Gesamtbild seines Auftritts passte. 

Der US-Amerikaner, dessen Vertrag bis Saisonende läuft, kam zwar auf zehn Zähler, doch die entscheidende Statistik sprach an diesem Abend Bände: Die Plus-Minus-Statistik. Jene, die darüber Auskunft gibt, wie viele Zähler ein Team erzielt, wenn Spieler x auf dem Platz steht. Bei Clark stand nach Spielschluss eine -30, bei Bell-Haynes eine +15. In der Schlussphase, als Quantez Robertson mit fünf Fouls nicht mehr mitwirken durfte, schickte Herbert plötzlich wieder Clark und nicht Garai Zeeb, ebenfalls +15, aufs Parkett. Eigentlich wäre es ein gutes Signal von Herbert gewesen, Clark weiter draußen schmoren zu lassen. Denn es waren Zeeb (21), Bell-Haynes (23), Richard Freudenberg (20) und erstmals in dieser Saison der schwedische Youngster Elijah Clarance (20), die fast die Wende gegen das mit Topspielern gespickte spanische Team eingeleitet hätten. Von den etablierten Kräften durfte nur 2,07-Meter-Mann Erik Murphy (28) mitwirken. Die jungen Wilden machten zwar auch Fehler, „aber keine Einstellungsfehler“, wie Herbert anmerkte. 

Am Samstag in Gießen

Trae Bell-Haynes, der 13 seiner 22 Zähler in den letzten zehn Minuten erzielte, sagte, er wusste aufgrund der Personalsituation - Akeem Vargas (Muskelfaserriss) und Jonas Wohlfarth-Bottermann (Mittelfußbruch) fehlten - dass er eine Chance bekommen würde. „Ich bin immer bereit, wenn meine Nummer aufgerufen wird.“ 

Richard Freudenberg fand es „bitter, dass wir das Spiel nicht drehen konnten.“ Auch wenn der Flügelspieler keinen einzigen Punkt in 30 Minuten erzielte, spielte er mit viel Energie. „Wenn ich gut verteidige und gut rebounde, werde ich meine Spielzeit bekommen“, sagte der 20-Jährige. Vielleicht auch im Hessenderby gegen die Gießen 46ers, zu denen die Skyliners am Samstag (18 Uhr) müssen. Die 46ers, die am Donnerstag den Vertrag mit Trainer Ingo Freyer um zwei Jahre verlängerten, stehen auf dem vierten Tabellenplatz, die Skyliners auf Rang 14. 

„Wir können von den nächsten vier Spielen drei gewinnen, aber solange wir nicht auf die richtige Weise spielen, werden wir in dieser Saison nichts erreichen“, mahnte Gordon Herbert. Er sei jetzt als Coach gefordert, seinen Spielern diese „richtige Weise“ zu vermitteln. Wenn das bedeute, erfahrene Spieler auf die Bank zu setzen, dann bedeute es das eben. Das Team, auch wenn es gute Charaktere habe, „ist nicht einmal annähernd so gut wie das aus dem letzten Jahr“, sagte Herbert. Wohlgemerkt: Er ist derjenige, der es zusammengestellt hat.

Zum Beispiel auch mit Trae Bell-Haynes. Angesprochen auf seinen auslaufenden Vertrag, antwortete der Kanadier: „Mit mir hat noch keiner gesprochen, darum kümmert sich mein Agent. Ich will nur Basketball spielen.“

Herbert will sich kommende Woche mit Gunnar Wöbke, dem geschäftsführenden Gesellschafter zusammensetzen, um über die auslaufenden Verträge von Bell-Haynes und Murphy zu beraten. „Es wird nicht einfach“, sagte der Coach.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen