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Planungen Unbefriedigendes Übergangsjahr

Die Frankfurt Skyliners beenden eine Achterbahnsaison als Zehnter der Basketball-Bundesliga und blicken optimistisch nach vorne.

Skyliners
Stimmte seine letzte Humba im Skyliners-Trikot an: Max Merz (vorne). Foto: Joachim Storch

Wenn Gordon Herbert in den kommenden Wochen in seinem Büro in der Frankfurter Nordweststadt sitzt, Pläne für die kommende Spielzeit schmiedet und aus seiner verglasten Tür nach draußen in die Trainingshalle schaut, wird er gähnende Leere vorfinden. Keine Spieler, die morgens kommen, um ein paar Würfe zu nehmen oder im Kraftraum ihre Muskeln stählen. Am Montag hat der Cheftrainer der Frankfurt Skyliners seine Spieler nämlich in den Urlaub geschickt nachdem er mit jedem Einzelnen Gespräche über die Saison und Zukunft geführt hat.

Zufrieden mit der Spielzeit 2016/2017 kann beim hessischen Basketball-Bundesligisten niemand so richtig sein. „Es war wie eine Achterbahnfahrt“, sagte Herbert. Der Frankfurter Wagen fuhr zu Beginn steil nach unten, stabilisierte sich, ritt dann in Wellen rauf und runter und ist immerhin auf einem kleinen Hügel angekommen. Die guten Leistungen der vergangenen Wochen, der überzeugende 83:71-Erfolg im letzten Saisonspiel am Samstagabend vor 4900 Zuschauern in der Ballsporthalle gegen angeschlagene Berliner sowie der emotionale Abschied von Max Merz (siehe Infobox) waren zumindest ein versöhnlicher Abschluss – trotz Platz zehn und dem Verpassen der Playoffs.

„Wir haben uns mehr vorgenommen“, sagte Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter. Doch mehr war ehrlicherweise für die Skyliners nicht drin. Nach der so erfolgreichen Saison 2015/2016 mit den Halbfinalteilnahmen in Bundesliga und Pokal sowie dem Gewinn des Fiba Europe-Cups war es dem Klub nicht gelungen das Team, bis auf Mike Morrison, Quantez Robertson und Philip Scrubb zusammenzuhalten. Besonders enttäuschend war auch, dass kein neuer Sponsor an Bord gekommen ist – trotz der Erfolge. Umso spannender wird es sein, ob die Skyliners einen Nachfolger für das Frankfurter Energieversorgungsunternehmen Mainova als Premiumpartner finden werden, die bereits vor einem Jahr angekündigt haben, ihr Engagement nach der Saison 2016/2017 zu beenden.
 

Statt Kontinuität mussten die Hessen „umrüsten und neu aufbauen“, so Herbert. Für die gestandenen Bundesligaprofis Danilo Barthel, Johannes Voigtmann, Johannes Richter und Konstantin Klein, standen mit Stefan Ilzhöfer, Niklas Kiel und Max Merz und Isaac Bonga vier deutsche Spieler in der Rotation, die ihre erste richtige BBL-Saison spielten – die Leistungsschwankungen waren vorprogrammiert. Erschwerend hinzu kamen der Ausfall von Combo-Guard Scrubb (Knie-OP) und die lange Leidenszeit von Neuzugang Daniel Mayr, der sich nach seiner Knieoperation aus dem vergangenen Mai immer noch in der Reha quält. Und natürlich die Rückenoperation von Cheftrainer Herbert, der kurz vor dem Auftakttraining seinem Co-Trainer Klaus Perwas ein Team übergab, dass weder eingespielt noch gut genug war,
Perwas hätte eigentlich Zeit gebraucht, um der spät zusammengestellten Mannschaft die Systeme beizubringen, stattdessen musste er ab Mitte Oktober auch noch mit der Doppelbelastung in der Champions League zurechtkommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Hessen bereits den defensivschwachen Point-Guard Markel Starks durch Kwame Vaughn ersetzt, der jedoch bis zu seiner Bänderverletzung Ende März nie wirklich als Anführer überzeugen konnte. Auf die Frage, ob der US-Amerikaner nicht doch mehr ein Combo-Guard, denn Aufbauspieler war, sagte Cheftrainer Gordon Herbert entwaffnend ehrlich: „Ich weiß nicht, was er überhaupt war.“

Erst mit Herberts Rückkehr Ende November begannen die Skyliners sich zu stabilisieren, auch weil der Kanadier personell durchgriff. Der nachverpflichtete Ekene Ibekwe wurde im Winter ebenso aussortiert wie Antonio Graves. Für ihn kam im Dezember AJ English, Der Shooting-Guard regelte zwar vieles auf eigene Faust, hatte aber mit 17,6 Punkten in 17 Spielen die Argumente auf seiner Seite. Trotzdem wechselte das Spiel der Skyliners zwischen Abstiegs- und Playoffkandidat hin und her. Es fehlte schlichtweg die Konstanz. So gingen auch die knappen Spiele gegen Ende der Saison – 68:70 in Ludwigsburg, 79:86 nach Verlängerung in Bremerhaven, 73:74 gegen Bonn und 98:99 in Bayreuth verloren.

Trotz dem unbefriedigendem Übergangsjahr blickt Gordon Herbert optimistisch und voller Vorfreude in die Zukunft – und hat dazu auch allen Grund. Dank der vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Hauptsponsor Fraport haben die Hessen Planungssicherheit. Sie haben mit der Verpflichtung von Richard Freudenberg (18) ein weiteres Toptalent an den Main locken können und zusammen mit Bonga (17) und Kiel (19) die wohl besten deutschen Spieler ihrer Jahrgänge in den eigenen Reihen. Außerdem stehen mit Kapitän Quantez Robertson, Center Mike Morrison sowie Shawn Huff drei Ausländer bereits fest. Ein gutes Grundgerüst auf dem die Skyliners aufbauen können. Es gibt aber einige „große Fragezeichen“, wie Herbert einräumt.

Da wäre zum einen der Fitnesszustand von Daniel Mayr. An seinem Wohlbefinden hängt auch die Personalie Mahir Agva, der vor allem defensiv nie überzeugen konnte. Sollte Mayr aber nicht fit werden, bräuchten die Hessen einen weiteren deutschen Spieler auf den großen Positionen. Aus den eigenen Reihen stünde aktuell nur noch Armin Trtovac (19) zur Verfügung.

Das zweite große Fragezeichen steht bei Isaac Bonga. Wird der 17-Jährige sein Abitur machen oder steht er dem Profikader voll zur Verfügung? Eher unwahrscheinlich ist, dass die Skyliners AJ English halten können. Das gleiche gilt für Shavon Shields, der in seinem ersten Profijahr sofort eingeschlagen hat und kurz vor Saisonende an den italienischen Klub Trento verliehen wurde. Er könnte den Skyliners im Sommer eine hübsche Ablöse in die Kasse spülen.

Offen ist ebenfalls wie es mit Stefan Ilzhöfer weitergeht. Cheftrainer Herbert würde ihn gerne behalten, doch der 22-Jährige muss nach einer enttäuschenden Saison überlegen, ob er sich nochmal hinten anstellen will oder einen Klub sucht, wo er mehr Spielzeit bekommt.

Und ob Phil Scrubb nochmal zurückkommt, darüber wird sich Gordon Herbert in den kommenden Wochen in seinem Büro in aller Ruhe den Kopf zerbrechen.

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