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Karriereende von Pascal Roller Von schweren und leichteren Abgängen

Das Aus der Skyliners-Basketballer in der Halbfinalserie gegen Berlin besiegelt auch das Karriereende von Pascal Roller. Die Basketball-Bundesliga verliert damit einen ihrer prägenden Spieler.

03.06.2011 22:30
Wolfgang Hettfleisch und Jan Szyszka
„Macht’s gut.“ Pascal Roller nach seinem letzten Playoff-Spiel (Mai 2011). Foto: dpa

Das Aus der Skyliners-Basketballer in der Halbfinalserie gegen Berlin besiegelt auch das Karriereende von Pascal Roller. Die Basketball-Bundesliga verliert damit einen ihrer prägenden Spieler.

In gewisser Hinsicht hat Alba Berlin den Frankfurt Skyliners das Saisonende leicht gemacht. Hätte der hessische Basketball-Bundesligist das Finale um die deutsche Meisterschaft in einem dramatischen Showdown haarscharf verpasst, wäre der Frust bei den Frankfurtern womöglich größer gewesen. Da die Berliner das fünfte Spiel der Halbfinalserie in der Ballsporthalle jedoch nach einem kurzen Aufbäumen der Gastgeber im dritten Viertel souverän mit 87:68 nach Hause schaukelten, fiel es den Skyliners-Akteuren vergleichsweise leicht, sich mit dem Ausscheiden abzufinden.

„Berlin hat die Serie verdient gewonnen“, fasste Pascal Roller das verrückte Auf und Ab in fünf Partien zusammen, die jeweils das Gästeteam für sich entschied. „Wir haben es uns immer wieder selbst schwer gemacht, es einfach nicht geschafft, über längere Phasen unser Spiel zu spielen“, analysierte der 34-jährige Aufbauspieler nach dem letzten Spiel seiner Profikarriere gewohnt druckreif.

Die klaren Verhältnisse auf dem Parkett in der Schlussphase hatten aus Frankfurter Sicht einen zusätzlichen positiven Effekt: Sie halfen, Roller einen Abgang zu verschaffen, wie ihn der Mann, der in den vergangenen zwölf Jahren – mit einer kurzen Unterbrechung – wie kein Zweiter für den mainischen Erstligisten stand, verdient hatte. Die Fans in der Halle, jene aus Berlin inbegriffen, forderten kurz vor Schluss lautstark die Einwechslung des gebürtigen Heidelbergers, mit dem die Basketball-Bundesliga einen ihrer prägenden Spieler verliert. Und Skyliners-Trainer Gordon Herbert gehorchte Volkes Stimme.

„Ich weiß nicht, ob da ein Zucken im Auge war“, schilderte Roller die emotionalen Sekunden vor seinem letzten Gang aufs Parkett als Basketballprofi. Den Familienvater ergriff Wehmut, als er nach der Schlusssirene die Ovationen von den Rängen entgegennahm und von den Kollegen umarmt wurde. Aber er war schon bald wieder gefasst genug, um einen ersten kleinen Rückblick auf seine bemerkenswerte Karriere zu wagen: „Ich habe mit Frankfurt gewonnen, was man in Deutschland gewinnen kann. Ich hatte das Privileg, in tollen Mannschaften zu spielen und unter tollen Trainern zu arbeiten. Ich hatte die Ehre, mit Dirk Nowitzki in der Nationalmannschaft zu spielen. Ich glaube sagen zu können: Ich habe nicht viele Chancen ausgelassen.“

Natürlich hätte Pascal Roller diese allerletzte Gelegenheit, noch einmal um den Meistertitel zu spielen, den er 2004 mit den Skyliners unter dem auch damals als Trainer fungierenden Gordon Herbert gewann, gern genutzt. Aber der bei Basketballfans im ganzen Land beliebte Point Guard dachte im Moment des Abschieds bezeichnenderweise an die jüngeren Teamkollegen: „Wenn die Mannschaft so zusammenbleiben sollte, wird sie diese Chance sicher noch einmal bekommen.“

Dass Roller in neuer, nicht spruchreifer Funktion an künftigen Erfolgen der Skyliners mitbasteln soll, steht fest. Welche Rolle, welche Tätigkeit das sein könne, sei aber noch nicht klar, hielt er sich vorläufig bedeckt. Seiner Empfehlung, das Team zusammenzuhalten, zu folgen, ist die Herausforderung, vor der die Verantwortlichen des mainischen Bundesligisten nun stehen. Verträge für die kommende Saison besitzen nur Marius Nolte sowie die Doppellizenzspieler Fabian Franke und Filmore Beck.

Mit DaShaun Wood, dem überragenden Skyliners-Spieler der abgelaufenen Saison, war Anfang März ausgehandelt worden, dass sich sein Vertrag unter bestimmten Bedingungen um zwei weitere Jahre verlängert. Dennoch dürfte der Name des Spielmachers der Skyliners, dessen Verpflichtung angesichts einer langen Spielpause nach einer Knie-OP durchaus mutig war, auf den Zetteln von Scouts aus europäischen Topligen weit oben stehen. Skyliners-Trainer Herbert hat bereits Gespräche mit dem Management geführt und ist einer Fortsetzung seiner Arbeit am Main wohl grundsätzlich nicht abgeneigt. Allerdings ist auch klar, dass der Kanadier seinen Verbleib davon abhängig machen wird, ob er über ein Team verfügen kann, das in der Lage ist, die Playoff-Ränge anzuvisieren. Die Chancen dafür sind durch den Einstieg des neuen Namenssponsors Fraport sicherlich deutlich gestiegen.

Voraussetzungen nicht ideal

Vermutlich wünscht sich Herbert zudem, in der kommenden Spielzeit mit etwas weniger Improvisationskunst auszukommen. Unruhe durch kurzfristige Neuverpflichtungen und Personalrochaden, der Schock durch den Schlaganfall von A. J. Moye und diverse handelsübliche Verletzungen von Schlüsselspielern bildeten keine idealen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison. Womöglich hielt sich die Enttäuschung im Lager der Skyliners nach dem Halbfinal-Aus auch deshalb in Grenzen, weil man mit dem Erreichten alles in allem durchaus zufrieden sein darf.

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