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Interview „Entwickle Interessen außerhalb des Sports“

Skyliners-Center Jonas Wohlfarth-Bottermann spricht im Interview mit der FR über Comeback-Pläne und neue Projekte.

Jonas Wohlfarth
Jonas Wohlfarth, am Ball für die Skyliners. Foto: imago

Herr Wohlfarth-Bottermann, wie lassen Sie ihr rechtes Knie derzeit behandeln?
Ich mache alle konservativen Therapien, die man so machen kann. Elektrotherapie, Magnetfeld, normale Behandlung, kühlen, dazu Reizbestrahlung, die das Ödem beruhigen soll. Und ich lasse mich von einem anderen Physiotherapeut privat ein- bis zweimal die Woche noch mit einem anderen Gerät behandeln. Ich versuche alle Möglichkeiten, die es gibt auszuschöpfen und dann werden wir sehen, ob es was bringt.

Wie ist Ihr Gefühl?
Bisher bin ich auf einem ganz guten Weg. Ich bin noch nicht viel gelaufen, nur ganz leicht gejoggt. Das war okay. Ein abschließendes Fazit kann man aber erst ziehen, wenn man wieder in der Halle steht. Jetzt ist es erst mal wichtig, dass sich das alles beruhigt und nicht diese maximalen Belastungen zu haben wenn man springt, abstoppt und sprintet. Ich hoffe diese Woche wieder in der Halle zu stehen.

Wann haben Sie das erste Mal die Schmerzen gespürt?
In der Nationalmannschaftspause, als wir viele Testspiele hatten und viele Spieler gefehlt haben und ich dann relativ viel spielen musste. Ich hätte in der Phase lieber etwas mehr regenerieren sollen. Das ist unglücklich gelaufen. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Was ging Ihnen da durch den Kopf, gerade vor dem Hintergrund, dass sie im März 2016 wegen einer Knorpelabsplitterung schon einmal acht Monate ausgesetzt haben und gerade im Begriff waren ihre beste Saison zu spielen?
Das war natürlich frustrierend. Gerade in der Phase wo es so gut läuft – wobei ich schon hundertmal gesagt habe: es gibt keine gute Phase, um sich zu verletzten. Es ist natürlich ärgerlich. Auf der anderen Seite bin ich viel gelassener, viel reifer habe eine ganz andere Denkweise. Wenn ich nochmal operiert werden sollte, dann mache ich das, die Motivation dazu habe ich noch auf jeden Fall. Ich mach das dann auch richtig und mit allem was die Technik zulässt. Wenn es am Ende immer noch nicht klappen sollte, hör ich vielleicht auf. Wenn du jünger bist und dich verletzt und nie was anderes gemacht hast nebenher, dann denkst du: Du verlierst alles, hast Verlustängste. Dadurch, dass ich diesen Prozess schon einmal durchlaufen habe, sehe ich viel weiter. Ich habe angefangen, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Womit?
Ich beschäftige mich mit verschiedenen Projekten. Mit einer Freundin zusammen werden wir ziemlich sicher eine Agentur gründen, mit der wir Sportler im Social-Media-Bereich beraten wollen. Im April soll die Webseite an den Start gehen. Das ist noch ziemlich am Anfang, aber es ist eine ganz gute Möglichkeit. Ich hab die Kontakte, sie die Kompetenzen. Ich weiß nicht, ob ich das später als Beruf machen werde, aber es ist gut, sich mit Dingen außerhalb des Basketballs zu beschäftigen.

 

 

Wie war das bislang?
Seitdem ich 18 bin lebe ich in einer kleinen Blase. Du bekommst deine Wohnung, dein Auto, deine Versicherung. Das ist alles sehr angenehm und verleitet dazu, in der Komfortzone zu leben, wenn man sich um nichts kümmern muss. Aber wenn man einmal eine lange Verletzung durchlebt, dann siehst du das andere Extrem und fragst dich: Was ist, wenn ich das nicht mehr kriege? Ich versuche jetzt den Mittelweg zu gehen.

Zumal man als Basketballer nach der Karriere nicht unbedingt finanziell ausgesorgt hat.
Klar kannst du, wenn du ein extrem erfolgreicher europäischer Profi bist und dich smart anstellst mit deinem Geld. 90 Prozent können damit aber nicht aussorgen. Unabhängig davon, selbst wenn ich es könnte, wäre mir das zu langweilig. Ich könnte mir heute nicht vorstellen, später irgendwas mit Basketball zu machen. Das wird zwar niemals verloren gehen, aber ich freue mich auch irgendwie auf die Zeit danach. Ich habe gemerkt, dass ich Interessen entwickle, die nichts mit dem Sport zu tun haben. Ich will so lange wie möglich Basketball spielen. Es ist eine einmalige Phase, in der du das machen kannst. Für das andere hast du dann dreimal so viel Zeit.

Interview: Timur Tinç

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