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Frankfurt Skyliners Einsamer Vorkämpfer

Quantez Robertson, der seine zehnte Saison für die Skyliners spielt, ist bei der Niederlage in Ludwigsburg der beste Frankfurter.

Basketball
Strecken sich vergebens: Quantez Robertson (r.) und Mitspieler Jonas Wohlfarth-Bottermann. Foto: imago

Plötzlich war Quantez Robertson mit schnellen Schritten hinter Malcolm Hill und patschte dem verdutzten Ludwigsburger den Ball aus der Hand. Das orangene Leder landetete bei Jonas Wohlfarth-Bottermann, der ihn auf Jason Clark weiterleitete. Der Point-Guard der Frankfurt Skyliners wurde beim Korblegerversuch aber vom bärenstarken Karim Jallow (24 Punkte) geblockt, kurz darauf verlor Clark auch noch den Ball und Jallow erzielte auf der Gegenseite das 77:70 (38.) für die Gastgeber. Eine bezeichnende Szene im Auftaktspiel der neuen Saison in der Basketball-Bundesliga, das am Samstag 76:83 aus Sicht der Skyliners endete.

Heslip enttäuscht

Während Robertson an allen Ecken und Enden des Feldes zu finden war und mit jeder Faser seines Körpers das Spiel gewinnen wollte, waren seine Mitspieler entweder gar nicht oder nur zeitweise in der Lage, die Intensität der Ludwigsburger mitzugehen. „Man muss nicht lange auf die Statistik schauen. 20 Ballverluste und 13 zugelassene Offensivrebounds sind zu viele, um gegen ein Team wie Ludwigsburg zu bestehen“, fasste Marco Völler treffend zusammen.

Offensiv enttäuschte vor allem Neuzugang Brady Heslip. Der für den BBL-Topscorer der vergangenen Saison, Philip Scrubb, verpflichtete Kanadier, kam in 30 Minuten auf keinen einzigen Zähler bei vier Wurfversuchen. Ludwigsburg hatte sich perfekt auf Heslip eingestellt, ihn gedoppelt und auch abseits des Balles verteidigt. Ein ebenfalls mageres Bundesligadebüt lieferte Spielmacher Clark, der seine Mitspieler kaum einsetzen konnte (ein Assists) und nur drei seiner zehn Wurfversuche verwandelte. Besser machte es hingegen Rookie Trae Bell-Haynes, der zwar noch die üblichen Fehler eines Profineulings machte - einfache Ballverluste und dumme Fouls - aber mit 14 Punkten und sechs Assists deutlich mehr Einfluss aufs Spiel hatte als Clark.

Der beste Mann auf Frankfurter Seite war aber ohne Frage Quantez Robertson – trotz fünf Ballverlusten. Der 33-Jährige spulte mehr als 36 Minuten ab und kam am Ende auf 20 Punkte, fünf Rebounds, vier Assists und fünf Steals. Mit nun 503 Ballgewinnen schob sich der US-Amerikaner auf den zweiten Platz der Bestenliste und liegt nur noch drei Steals hinter Tyron McCoy, um der beste Balldieb in der BBL-Historie zu werden.

Seinen festen Platz in der Skyliners-Historie hat der Mann aus Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio sowieso. Die Saison 2018/19 ist seine zehnte für die Frankfurter. Nie spielte der 1,88-Meter-Mann für einen anderen Klub. „Das ist ein Meilenstein für mich“, sagt Robertson. Und doch hatte das Energiebündel im Sommer kurzzeitig überlegt, die Skyliners zu verlassen. „Ich hatte Gespräche mit ein paar Teams außerhalb Deutschlands“, erklärte er im Gespräch mit der FR. Am Ende entschied er sich dazu, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag zu erfüllen. „Ich denke, wenn ich irgendwann mal aufhöre, wird mein Trikot unter der Hallendecke hängen“, sagt Robertson stolz. Drei oder vier Jahre glaubt er noch im Tank zu haben.

Robertson ist eine treue Seele, auch mit seiner Frau Sherell ist er seit mehr als elf Jahren zusammen. Im Oktober kommen Frau und die zwei Kinder aus Madison/Alamba, wo Robertson ein Haus gekauft hat, für ein paar Wochen nach Deutschland, ehe Frau Sherell wieder an die Highschool muss, wo sie als Basketballtrainerin arbeitet. Einen Job als Coach kann sich auch Robertson nach der Karriere ganz gut vorstellen.

Aber erstmal hat er mit den Skyliners noch viel vor. Einen Titel will er noch holen. „Ich denke immer, egal wer kommt und wer geht, das wir Meister werden können“, sagt Robertson selbstbewusst. Im Sommer hat er sich dafür richtig ins Zeug gelegt, im Gegensatz zum Vorjahr, gut trainiert, bis ihn eine allergische Reaktion außer Gefecht setzte. „Ich musste ins Krankenhaus und habe eine Cortison-Spritze bekommen“, erzählt er. Auf seinem ganzen Oberkörper und Gesicht hatten sich Pusteln nach einem Aufenthalt in Orlando gebildet. „Entweder lag es am Essen oder am Hotel“, sagt Robertson.

Es war aber nur ein kleiner Rückschlag in der Vorbereitung. Auch die Pleite in Ludwigsburg sollte für die Skyliners nur ein kleiner Dämpfer gewesen sein. Am Mittwoch (17 Uhr) geht es im Eurocup mit dem ersten Heimspiel gegen Turin weiter, danach empfangen die Skyliners am Samstag (18 Uhr) im Pokal Ulm. Quantez Robertson jedenfalls wird hoch motiviert sein.

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