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Basketball-Playoffs Wie Stare und Finnen

Skyliners-Trainer Gordon Herbert bemüht Natur- und Geschichtsvergleiche vor den Playoffs.

Gordon Herbert
Skyliners-Chefcoach Gordon Herbert. Foto: Imago

Wenn wichtige Partien anstehen, dann greift Gordon Herbert gerne mal in die psychologische Trickkiste. Vor dem Final Four-Turnier im Fiba Europe-Cup vor zwei Jahren hielt der Cheftrainer der Frankfurt Skyliners einen Eimer und drückte jedem Spieler einen großen Stein in die Hand. Der Stein sollte den Druck symbolisieren, den sich jeder Einzelne mit dem Wurf in den grauen Behälter entledigen sollte. Am Ende gewann der hessische Basketball-Bundesligist den vierthöchsten beziehungsweise unbedeutendsten europäischen Wettbewerb im französischen Chalon. Der Eimer und die Steine stehen wie der Pokal im Büro der Skyliners in der Frankfurter Nordweststadt.

Vor dem Playoff-Viertelfinale gegen den FC Bayern München strengte Gordon Herbert gleich zwei Vergleiche an, um zu symbolisieren, worauf es als „großer Underdog“ ankommen wird. „Wir sind ein bisschen wie die Stare“, sagte Herbert. „Fliegen sie in der Luft zusammen, sind sie stark. Trennen sie sich, sterben sie“. Will heißen: Wichtig wird sein, als Team zusammenzuarbeiten, für den anderen da zu sein. 

Und dann bemühte der Kanadier auch noch einen Vergleich aus dem Zweiten Weltkrieg. „Es ist ein bisschen wie 1939, als Russland in Finnland einmarschiert ist und Finnland die Russen abgewehrt hat – auf Skiern“, sagte der Kanadier, der lange in Finnland gelebt hat und mit einer Finnin verheiratet ist. Ob der Winterkrieg zwischen den beiden Nationen mit tausenden Toten auf beiden Seiten sowie einem dreijährigen Fortsetzungskrieg, durch den Finnland seine Unabhängigkeit behielt, aber große Gebiete seines Landes verlor, das richtige Beispiel ist, um eine Basketballmannschaft zu motivieren, darf bezweifelt werden. 

Ab Samstag (20.30 Uhr) geht es für beide Teams nicht um Leben und Tod, sondern darum, ins Halbfinale einzuziehen. Die Bayern haben als Erster der Hauptrunde das Heimrecht. Die erste Partie in Frankfurt steigt am Mittwoch (18.15), ehe es am darauffolgenden Samstag wieder nach München geht. Ein mögliches Spiel vier wäre am 15. Mai (19 Uhr) in Frankfurt, ein Spiel fünf am 17. Mai (20.30 Uhr) in der bayerischen Landeshauptstadt. „Wir haben Respekt, aber keine Angst“, brachte Herbert seine Vorbereitungen auf das Spiel nach Geschichts- und Naturvergleichen wieder auf die sportliche Ebene. 

Zum ersten Mal in dieser Saison sind ausnahmslos alle Spieler fit, nur Mike Morrison trainierte am Donnerstag nicht, weil er zum zweiten Mal Vater wurde. Besondere oder gar neue Spielzüge wird Herbert in der kurzen Zeit aber nicht einüben lassen. „Das habe ich in der Vergangenheit probiert und es hat nicht geklappt“, sagte der 59-Jährige. Neben den verlässlichen Topscorern Philip Scrubb (19,6 Punkte) und Tai Webster (15,5) hofft Herbert darauf, dass auch mal ein anderer Spieler offensiv Akzente setzen kann. So wie zuletzt Quantez Robertson mit 18 Punkten beim Sieg in Oldenburg, der den Skyliners Tabellenplatz acht und die Playoffs sicherte.

Aus dem Gedächtnis gestrichen hat Herbert derweil den verspielten 18-Punkte-Vorsprung vor drei Wochen in der Ballsporthalle gegen den FC Bayern. „Das hat uns im Nachhinein stärker gemacht“, befand der Coach. Wie stark, wird sich heute Abend in München zeigen. Ansonsten muss Herbert sich ein paar neue Psychotricks ausdenken. 

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