Lade Inhalte...

Warten auf den deutschen Pass

Lauftalent Musa Roba-Kinkal will seine neue Heimat endlich international vertreten können

22.11.2008 00:11
MARGIT REHN

Seit seiner Kindheit in Äthiopien hat sich Musa Roba-Kinkal dem Laufen verschrieben. In der Schule schon war er der Beste, und auch in Deutschland, seiner neuen Heimat, hat er an seinen Sport wieder anknüpfen können. Für den TV Gelnhausen hat er seit 2006 etliche deutsche Jugendmeistertitel gewonnen. Ob es nun fünf oder sechs sind, das kann der 19 Jahre alte Berufsschüler aus dem Stegreif nicht einmal sagen. Sein bislang größter Erfolg datiert aus diesem Jahr: Er wurde deutscher Juniorenmeister auf der Straße über 10 000 Meter.

Bereits an der Schwelle zu einer internationalen Karriere, die 2009 bei der U-23-Europameisterschaft in Kaunas (Litauen) beginnen könnte, fehlt Roba-Kinkal allerdings noch ein wichtiges Dokument: der deutsche Pass. Roba-Kinkal ist zwar als Asylant anerkannt und von Arnold Kinkal, einem Gelnhäuser Bürger, adoptiert worden. Doch der bereits für Oktober angekündigte Pass lässt einstweilen noch auf sich warten. Obwohl sich sogar schon Rolf Müller, der in Gelnhausen lebende Präsident des Landessportbundes Hessen, für Roba-Kinkals Einbürgerung stark gemacht hat. "Ich weiß nicht, warum es nicht geklappt hat. Ich will doch nächstes Jahr bei der WM in Berlin starten", sorgt sich das Nachwuchstalent.

An einer mangelnden Integrationsbereitschaft kann es nicht liegen. Roba-Kinkal spricht bestens deutsch und ist von seiner Wahlheimat begeistert. Gemeinsam mit seinem Adoptivvater geht es regelmäßig auf Kulturtrip durch deutsche Lande. Bayern hat es ihm besonders angetan, aber auch Gelnhausen selbst. Er schwärmt von der deutschen Geradlinigkeit genauso wie von den vielen Freunden, die er, auch über den Sport, schon kennengelernt habe.

"Manchmal vergesse ich sogar meine Hautfarbe. Da muss ich dann erst mal wieder in den Spiegel schauen", sagt er und denkt doch auch an zu Hause. An seine Mutter und seinen Onkel, der den Bauernsohn mit dem Ziel Kanada vor mehr als drei Jahren außer Landes geschafft hat. "Mein Vater war zwar nur ein kleiner Bauer, aber er hatte einen klugen Kopf", sagt Musa Roba-Kinkal und meint damit das politische Engagement seines Vaters, der seit Jahren verschollen ist. Musas Bruder wurde ermordet - da war es klar, dass wenigstens er eine Zukunft haben sollte. In Kanada, wohin es Kontakte gab, kam er aber nicht an, sondern landete stattdessen über die Irrwege der Flucht in einem Frankfurter Kinderheim. Heim folgte auf Heim. Bis Roba-Kinkal in Gelnhausen endlich sesshaft wurde, hatte er eine Odyssee an Zwischenstationen hinter sich gebracht.

"Ich will hier bleiben, in Deutschland, mein Abi machen und Landwirtschaft studieren. Das ist mein Traum", sagt er selbstbewusst und ist davon überzeugt, dass er später auch von Europa aus etwas für sein Heimatland ausrichten kann. Anders als sein Vater will er mit Politik aber nichts zu tun haben. Der Sport ist sein Ding, und da schwebt ihm bereits eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London über 5000 oder 10 000 Meter vor. So ab 27 Jahren will er sich dann auch am Marathon versuchen. Dass er aus demselben Ort stammt wie die Familie von Haile Gebrselassie, ist für Musa Roba-Kinkal sicher ein gutes Omen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen