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Sportwetten Sportwetten beim Frankfurter Kreispokal

Ein englischer Anbieter lässt auf zwei Spiele des Frankfurter Kreispokals wetten. Unter anderem auf die Partie des Kreisligisten SG Harheim.

Frankfurt
Beim Frankfurter Kreispokal darf gewettet werden. Foto: Caspar Benson (imago stock&people)

Für Christian Balzer war es ein „absolutes Unding“, was er da am Donnerstagabend erleben musste. Das hatte nichts mit der Vorstellung seiner Mannschaft, der SG Harheim, zu tun, die sich im Frankfurter Kreispokal mit 0:3 der zwei Klassen höher spielenden FG Seckbach geschlagen geben musste. Sondern vielmehr mit den kuriosen Begleitumständen der Partie.

Am Donnerstagmittag hatte Balzer einen Link vom Sportwettenanbieter bet365.com von einem seiner Spieler zugeschickt bekommen, die das Spiel des Siebt- gegen den Neuntligisten in ihr Angebot aufgenommen hatten. Bereits am Dienstag konnte man auf der Seite des englischen Anbieters auf die Kreispokalpartie zwischen Kreisoberligist (achte Liga) SpVgg Griesheim 02 und Verbandsligist (sechste Liga) Rot-Weiss Frankfurt Wetten abschließen. 

„Der Schiedsrichter war bereits informiert, und die Seckbacher natürlich auch“, berichtet Balzer. Alle seien erbost gewesen. Besonders kurios wurde es dann, als Balzer auf einen Mann mit Headset am Spielfeldrand aufmerksam gemacht wurde. „Der hat massenweise Fotos gemacht und Spielinformationen nach England gefunkt“, sagt Balzer. Erst als er ihn darum gebeten habe, das mit den Fotos sein zu lassen, habe er aufgehört. „Der konnte nur Englisch“, erzählt der Harheimer Trainer. Die Spielinformationen hat er weiter durchgegeben. Wie Screenshots, die der FR vorliegen, zeigen, konnte man während der Partie verschiedene Livewetten platzieren. Bevor es losging, waren exakte Ergebnistipps möglich, wo die Quoten besonders hoch sind. „Da ist nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert“, sagt Balzer und meint natürlich Absprachen und Spielmanipulation.

Gerd Schugard, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses, fand es „überraschend“, dass mittlerweile Spiele auf Kreisebene als Wetten angeboten werden. „Wir haben umgehend die Geschäftsstelle des hessischen Fußballverbands in Kenntnis gesetzt“, sagt Schugard. Der Schiedsrichter, der die Partie gepfiffen hat, hatte ebenfalls vor Anpfiff den Kreissschiedsrichterausschuss informiert. Der hessische Fußballverband, berichtet ein Sprecher, habe seinerseits den DFB und den Sportradar, der Spielmanipulationen überwacht, informiert. „Der Verband muss aktiv werden“, fordert Christian Balzer. Die Frage ist nur: Was kann er tun?

Sylvia Schenk ist schockiert

Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency Deutschland, zeigte sich schockiert, ob der Möglichkeit mittlerweile auf Fußballspiele im untersten Bereich zu wetten. Bereits auf Begegnungen unterhalb der drei Profiligen zu wetten, sieht sie als kritisch. Bei Wettanbietern wie bet365.com gehören Partien bis zur fünfthöchsten Spielklasse zum normalen Angebot. Zudem lässt sich auf den Ausgang der Partien in der U19-Bundesliga wetten. „Das größte Problem ist weiterhin, dass es keinen gültigen Glücksspielstaatsvertrag gibt“, sagt Schenk. Seit 15 Jahren schiebe die Politik das vor sich her.

Nur damit könnten Konzessionen für Wettanbieter an Kriterien wie die Einschränkung der Werbung und bestimmter Angebote, die Manipulation begünstigen, mit Maßnahmen gegen Spielsucht verknüpft werden, erklärt Schenk.

Bet365, das seinen Sitz im englischen Stoke-on-Trent hat, reagierte auf Anfrage der FR nicht, warum sie mittlerweile Spiele im untersten deutschen Amateurfußball anbieten. Am Dienstag findet die letzte Zweitrundenpartie des Frankfurter Kreispokals zwischen der SpVgg Oberrad und dem FV Hausen statt. Ob der Wettanbieter auch diese Partie ins Angebot nimmt?

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