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Sportwetten Einfach pervers

Wettanbieter lassen auf zwei Kreisligaspiele wetten. Das ist ein fatales Signal. Der Kommentar.

Fußball
Im Fußball wird auf alles und jeden gewettet. Foto: Imago

Sportwetten sind omnipräsent in England, speziell im Fußball. In jeder Werbepause sieht sich der Fernsehzuschauer mehrfach den Lockangeboten der großen Wettanbieter ausgeliefert. Die Premier League, diese Glitzerwelt mit magischer Anziehungskraft, ist fest im Griff der Glücksspielindustrie, neun von 20 Teams laufen mit dem Sponsorenlogo von Unternehmen wie Fun88 und Laba360 auf dem Trikot auf. Das fatale Signal, das auf der Insel an junge Menschen gesendet wird, lautet: An die Tippscheine, fertig, los!

Auch hierzulande sind die Signale wahrzunehmen, und mit blankem Entsetzen musste man nun feststellen, dass die englische Wettplattform Bet365 ein Spiel des Frankfurter Kreispokals anbot: Gruppenligist FG Seckbach gegen die SG Harheim aus der Kreisliga A. Die Seckbacher schafften es am Donnerstagabend ins Achtelfinale, 3:0, wer das Ergebnis richtig tippte, durfte sich über eine Verzwölffachung des Einsatzes freuen. 

Abgesehen von der großen Suchtgefahr des Geschäfts: Wer Wetten bis tief in den Amateurbereich anbietet, öffnet Tür und Tor für Spielmanipulationen. Das Tennis kämpft schon seit Jahren mit dem Problem, im April berichtete eine speziell auf das Thema angesetzte Task Force von den Verstrickungen des Sports mit dem Wettgeschäft, vor allem in den semi-professionellen Bereichen abseits der ATP-Tour und bei Jugendturnieren. Von einem Manipulations-„Tsunami“ war gar die Rede. Wo die Aufmerksamkeit eher gering ist, das Preisgeld nicht so hoch, ist die Gefahr besonders groß. Beim Tennis als Individualsportart kommt hinzu, dass es genügt, einen Menschen zu bestechen, um das Ergebnis zu frisieren. Wer kann schon zwischen einer absichtlich und einer versehentlich verschlagenen Vorhand im entscheidenden Moment unterscheiden?

Je niedriger das Niveau, desto unauffälliger sind Fehler, natürlich gilt das auch im Fußball. Es ist zwar nicht da von auszugehen, dass die deutsche Kreisliga ins reguläre Wettprogramm der Engländer aufgenommen wird, es wäre zu aufwendig, für die Partie in Seckbach hatte man extra einen Mann über den Ärmelkanal geschickt. Dennoch ist die Tendenz klar, und sie ist nicht schön.

Zumal es auch in Deutschland im Zweifel heißt: Geld vor Verantwortung. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schloss im Januar einen Vertrag mit dem Wettanbieter Tipico ab, und in Düsseldorf verkaufte eine städtische Gesellschaft die Namensrechte des Fußballstadions an ein Glücksspielunternehmen. Fortuna Düsseldorf spielt seit dieser Saison tatsächlich in der „Merkur Spielarena“. In Zeiten, da die Gefahr von Spielsucht und Spielmanipulation im Sport wächst, ist das vor allem eines: pervers.

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