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Pfingstturnier Wiesbaden Harmonische Dreierbeziehung

Christian Ahlmann gewinnt in Wiesbaden mit dem Pferd seiner Lebensgefährtin - Jung sahnt beim Springen ab.

Wiesbadener Pfingstturnier 2018
Ein echter Blauer Reiter: Christian Ahlmann. Foto: pressehaus/heinen

Man hätte meinen können, Christian Ahlmann hat diesen Erfolg längst in seiner Vita gehabt. Doch der frühere Doppel-Europameister und viermalige Olympiateilnehmer war zwar schon oft beim Wiesbadener Pfingstturnier zu Gast und beim Großen Preis manches Mal Zweiter. Bis gestern allerdings lag er an dessen Ende noch nie ganz vorne. „Die anderen waren irgendwie besser“, erklärte der 43-Jährige am Montagabend die leichte Flaute. Kurz zuvor hatte der Mann aus Marl Versäumtes nachgeholt und die dritte Wertungsprüfung der diesjährigen Riders Tour für sich entschieden. In 45,84 Sekunden war Ahlmann auf dem erst neunjährigen Schimmel Clintrexo im zweiten Umlauf der Schnellste der fehlerfreien Reiter. Auf den Plätzen zwei und drei folgten der Spanier Sergio Alvarez Moya auf Luchino (46,82) sowie der Belgier Wilm Vermeir auf Jacqmotte (46,89), für den es der erste Große Preis auf deutschem Boden überhaupt war.

Ahlmann übernahm mit seinem Triumph nicht nur gemeinsam mit den im Biebricher Schlosspark fehlenden Konkurrenten Denis Nielsen und Matthew Sampson die Spitzenposition in der Serienrangliste. Er durfte neben 11 500 Euro auch ein Auto mit nach Hause nehmen. Das wievielte in seiner Laufbahn es ist, das wusste er nicht. Er hatte auch nicht unbedingt damit rechnen dürfen. Einerseits hatten der spätere Sieger und sein Pferd im ersten Durchgang vier Strafpunkte kassiert. Doch bei der seit 2001 existierenden Riders Tour ziehen nicht nur die fehlerfreien Paare des ersten Umlaufs in die entscheidende Runde ein, sondern das beste Viertel des Teilnehmerfeldes, in dem Fall die ersten Zwölf. Im finalen Durchgang geht es dann für alle wieder bei Null los.

Clintrexo hatte schon eine Woche zuvor beim Derby in Hamburg gezeigt, dass er richtig schnell sein kann. So sagte sich Ahlmann: „Probier’s mal auf dem schönen Rasenplatz.“ Und „packte“ die große Galoppade aus. Dass das reichen würde, hatte er als zweiter Starter nicht gedacht. Zumal er das vierbeinige Talent erst seit ein paar Wochen wieder unterm Sattel hat. „Ich bin ihn achtjährig schon einige Tage geritten.“ Dann habe erst mal seine Lebensgefährtin Judy-Ann Melchior den Hengst übernommen, aus deren Gestüt in Zangersheide er stammt. Wie es mit dem Wechselspiel weitergeht, steht nicht fest. „Bislang haben wir uns bei 150 Pferden immer harmonisch geeinigt“, sagte Ahlmann.

Zu den beiden, die im zweiten Umlauf sogar schneller als er, aber nicht ohne Abwurf waren, zählte der sechstplatzierte Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung. Der hatte trotzdem gut lachen. Im Dreikampf des Pferdesports war er mit seiner erst achtjährigen Stute Corazón beim Triumph von Europameisterin Ingrid Klimke auf ihrem Championatspferd Hale Bob zwar nur Neunter geworden. Dafür sahnte der 35-Jährige aus Horb bei den Spezialisten mächtig ab. Vier Siege und zwei zweite Plätze in den internationalen Prüfungen standen für ihn im Stangenwald zu Buche. Dabei hatte der Fleißarbeiter eine für ihn ungewohnte Pause hinter sich. Wegen des ersten Teils der Hochzeitsfeiern seines Bruders Philip in Australien saß er neun Tage lang nicht im Sattel. „Ich hatte richtig Muskelkater“, gab Jung zu, nachdem er am Freitag das erste Mal wieder in den Sattel gestiegen war. Zwar habe er in Übersee zweimal ein Fitnessstudio besucht, „aber das ist schon etwas anderes, als zu reiten“.

Einen Wechsel seines Hauptmetiers erwägt der Allrounder nicht. Und um es in der Einzeldisziplin Dressur in Wiesbaden noch mal mit der Konkurrenz aufzunehmen, „dafür fehlt mir die Motivation“. Bei Teamkollegin Klimke sieht das anders aus: Die 50-Jährige, die mit ihrem fünften Erfolg im Biebricher „Busch“ einen neuen Rekord aufstellte, belegte beim Sieg der Weltcup-Dritten Jessica von Bredow-Werndl auf Unee (80,75 Prozent) in der Kür unter Flutlicht mit Franziskus den dritten Platz (76,10). Den Spécial entschied die für den Frankfurter Turnierstall Schwarz-Gelb startende Team-Olympiasiegerin Dorothee Schneider auf Faustus mit 76 Prozent für sich.

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