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Pfingstturnier Wiesbaden Aus gutem Stall

Laura Klaphake darf Springpferde aus dem Hause Schockemöhle satteln. Noch steht der Spaß bei der Studentin im Vordergrund.

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Sitzt fest im Sattel: Laura Klaphake. Foto: imago

Die Zeit fürs Interview war knapp bemessen. Bis zum nächsten Springen blieben Laura Klaphake zwar noch fast drei Stunden, doch die wollte die 24-Jährige so effektiv wie möglich nutzen. Ein kurzer Gang mit Bruder Enno entlang der Geländestrecke der Vielseitigkeitsreiter, dann ging es zurück in den Pferdetransporter. Direkt nach dem Wiesbadener Turnier stehen für die Masters-Studentin in Immobilienmanagement zwei Klausuren an; ums Lernen kam sie an Pfingsten nicht herum.

Das Reiten zum Beruf zu machen, ist nicht geplant. Die Amazone fürchtet, sonst vielleicht den Spaß daran zu verlieren. „Es wird nicht einfach, etwas zu finden, was sich gut mit dem Sport verbinden lässt.“ Schon jetzt erfordert die Kombination viel Disziplin. Zumal Klaphake seit dem vergangenen Jahr einem Kreis angehört, in dem sie selbst sich noch längst nicht erwartet hatte. Bei den Europameisterschaften in Göteborg sattelte sie erstmals ihre Stute Catch me if you can für die deutsche Championats-equipe, belegte mit dem Team den fünften und im Einzel den 17. Platz. Zudem steht die nationale Titelträgerin aus dem niedersächsischen Steinfeld als eine von nur fünf Reitern im Olympiakader.

Die Weltmeisterschaftsteilnahme im September im US-amerikanischen Tryon sollte damit ein Thema sein. Doch Klaphake will nicht zu weit voraus denken. „Ich reite von Turnier zu Turnier und sehe dann, ob es klappt.“ Pferde seien keine Maschinen; zudem hat sie nur das eine unterm Sattel, das für eine so große Aufgabe infrage kommt. Die drei, mit denen sie im Biebricher Schlosspark angereist war, „sind erst auf dem Weg in den großen Sport“.

Dabei sorgt der Arbeitgeber ihres Vaters dafür, dass die Tochter bestens beritten ist. Joseph Klaphake ist als Kundenberater im Stall von Paul Schockemöhle die rechte Hand des früheren Europameisters und heutigen Züchters. Die meisten vierbeinigen Partner der Reiterin gehören dem 73-jährigen Unternehmer. Catch me if you can ist ihr mindestens bis 2019 zugesagt. Dann allerdings, wenn ein Jahr vor den Spielen in Tokio der Markt für Spitzenpferde auf Hochtouren läuft, könnte die zehnjährige Stute das gleiche Schicksal erleiden wie Silverstone, mit dem Klaphake 2017 deutsche Meisterin wurde und der wie viele Pferde weitaus erfolgreicheren Kollegen verkauft wurde.

Laura Klaphake ist sich bewusst, dass sie derzeit von der kniffligen Situation hierzulande profitiert. Aus dem Bronze-Team der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro 2016 etwa steht Bundestrainer Otto Becker kein Starter mehr zur Verfügung: Meredith Michaels-Beerbaums Pferd Fibonacci wurde verkauft, Ludger Beerbaum hat seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben. Christian Ahlmann und Daniel Deußer kommen nicht mal für einen Nationenpreis infrage, weil sich beide mit ihren Pferden schon einmal auffällig gewordenen Reiter weigern, die vorgeschriebene Athletenvereinbarung zu unterschreiben. „Die Federationen verlangen viel von den Athleten, aber sie stärken ihnen nicht den Rücken“, begründet der Hesse Deußer seine Haltung.“ Wir Reiter haben nichts von solchen Vereinbarungen, sollen aber unsere Rechte abgeben.“

Aufsteigerin Klaphake setzt sich angesichts des dadurch größeren Bedarfs an guten Paaren nicht unter Druck. Selbst wenn es für die WM 2018 nicht reichen sollte: Im Topsport hat die mehrmalige EM-Medaillengewinnerin im Nachwuchsbereich noch eine Menge Zeit.

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