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Pfingst-Reitturnier Nimmermüder Fleißarbeiter

Vielseitigkeitsreiter Michael Jung ist in Wiesbaden mit einer talentierten Stute am Start.

Michael Jung
Michael Jung war lange Zeit das Maß aller Dinge im Dreikampf der Pferdesportler. Foto: Imago

Es gab sie, die Zeiten, in denen Michael Jung im Dreikampf der Pferdesportler als Maß aller Dinge galt. In denen der scheinbar Nimmermüde im Sattel als erster Vielseitigkeitsreiter überhaupt gleichzeitig Olympiasieger, Welt- und Europameister war. Doch selbst wenn es einem Ausnahmetalent und Fleißarbeiter wie dem mittlerweile 35-Jährigen gelingen sollte, das eigene Leistungshoch dauerhaft zu konservieren, so ist das bei seinen unverzichtbaren Partnern, den Pferden, doch nur sehr begrenzt möglich. 

Dabei war Jung in dieser Hinsicht bislang verwöhnt. Sein treuer Gefährte Sam verhalf seinem Reiter zwischen 2010 und 2016 zu vier Einzelgoldmedaillen bei Championaten. Doch der Wallach ist in die Jahre gekommen. Schon Ende 2017 wurde er aus der deutschen Equipe verabschiedet. Und die beiden letzten gemeinsamen Auftritte des Erfolgspaars bei den Grand-Slam-Turnieren in Burghley und Badminton endeten einmal mit einer Aufgabe und ein anderes Mal auf dem zehnten Rang. Ob der angehende Rentner noch einmal auf einem Turnier zu sehen sein wird, ist noch offen.

Triathlon der Pferde

Die Weltreiterspiele im September in Tryon/USA wird Jung als Titelverteidiger mit dem Team wohl mit Rocana angehen, die bereits vor vier Jahren mit ihm zu Einzelsilber galoppierte. Doch auch die Stute ist bereits 13 Jahre alt, und gerade im Triathlon der Pferde ist eine Bilderbuchkarriere wie die ihres erfahrenen Stallgefährten alles andere als selbstverständlich. Dass das Pferd den Herausforderungen noch gewachsen ist, „da muss man sich 1000-prozentig sicher sein“, betont Michael Jungs Vater und Berater Joachim. Das gilt auch für zwei weitere Championatskandidaten im heimischen Stall, Ex-Europameister Takinou (11) und Lennox (10), der für das kontinentale Messen im vergangenen Jahr vorgesehen war. Beide Vierbeiner fielen monatelang verletzt aus und sollen in den nächsten Wochen erst wieder in kleineren Prüfungen starten. 

Zum Pfingstturnier in Wiesbaden hat Michael Jung deshalb ein Nachwuchstalent mitgebracht. Die erst achtjährige Corazón schnuppert auf der zweiten Station der zum dritten Mal ausgetragenen Event-Rider-Masters-Serie erstmals in eine Drei-Sterne-Prüfung hinein. Mit dem Aufgalopp am Freitag zeigte sich der erfolgsverwöhnte Reitersmann trotz Rang 15 im Zwischenklassement nicht unzufrieden. Einiges an Fehlern hatte er bei der Vorstellung im Viereck zwar ausgemacht, aber da der Tanz aus Piaffen und Passagen die Problemdisziplin der Stute sei, „Springen und Gelände kann sie“, hofft Jung bis Samstagabend noch ein paar Plätze gutmachen zu können. 

Das Pferd zeigte sich bereit, der Reiter war es auch. Dabei hatte Jung einige Turbulenzen hinter sich. Bei seiner Reise zu einer Hochzeitsfeier seines Bruders Philip in Australien war er auf dem Rückflug eine ungeplante Nacht lang in Hongkong stecken geblieben und erst um Mitternacht in der hessischen Landeshauptstadt eingetroffen. Zwar saß er schon um 7 Uhr morgens wieder im Sattel, doch sein Start im Wettbewerb wurde rücksichtsvoll um zwei Stunden nach hinten verschoben. 

In Führung lag nach der ersten Teildisziplin Jungs Nationalteamkollegin und Einzeleuropameisterin Ingrid Klimke mit ihrem Goldpferd Hale Bob vor Oliver Townend auf Cillnabradden Evo. Der Brite, genauso alt wie Jung, führt seit diesem Monat die Weltrangliste an und hat damit den deutschen Dauerspitzenreiter nach drei Jahren abgelöst. Die Zeiten ändern sich.

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