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Patrick Falk Vom Supertalent zum Basisarbeiter

Patrick Falk, einst bei Eintracht Frankfurt als hoffnungsvoller Spielmacher gepriesen, lehrt mittlerweile als Trainer der KG Wittgenborn Fußball in der achten Liga.

27.04.2011 10:37
Sebastian Rieth
Patrick Falk macht sein Job als Amateurcoach Spaß. Irgendwann will er aber wieder im Profifußball arbeiten. Foto: Schick

In feinster Handschrift schreibt Patrick Falk elf Namen auf ein etwas vergilbtes Papier. Reutzel, Baranski, Protzmann heißen die Männer, die dem einstigen Bundesligaprofi von Eintracht Frankfurt heute ein Lächeln abringen. Der Trainer der KG Wittgenborn ist begeistert, wie sich seine Spieler, ein verschworener Haufen, in der Kreisoberliga Gelnhausen schlagen. Sie sind Tabellenführer, und Falk, einst als eines der größten Talente im deutschen Fußball gehandelt, macht seine neue Aufgabe sichtlich Spaß. Zwar sei das 1000-Seelen-Dorf Wittgenborn infrastrukturell nicht mit einer Großstadt zu vergleichen, „aber auch hier gibt es Fußball“, erzählt er, der ursprünglich von Größerem geträumt hatte.

Jetzt, da er 31 Jahre alt ist und eigentlich noch Profifußball spielen könnte, ist er in der Provinz gelandet ? als Trainer. Die Gegner heißen Bieber und Altenmittlau, anstelle gut besetzter Stadien wartet der Hartplatz in der achten Liga. Falk selbst schnürt seine Fußballschuhe nur noch selten. Gelenkrheuma wurde bei ihm diagnostiziert, sodass er sich voll auf seinen Job als Trainer und Jugendkoordinator konzentriert. Das macht Falk mit Akribie. Zehn dicke Ordner hat er im Keller stehen, voll mit Daten zu Spielern aus den Ländern, die er auf seinen Bildungsreisen beobachtet hat. „Natürlich schaue ich mir nicht zehnmal Weißrussland gegen Wales an“, sagt er. Auf Europas Spielermarkt, vor allem in Spanien, kenne er sich aber bestens aus.

Beinahe hätte Falk, der irgendwann als Trainer oder Scout in den Profifußball zurückkehren möchte, seine Kontakte schon im Winter nutzen können. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollten ihn als Coach ihrer U-20-Nationalmannschaft verpflichten, lockten mit Geld und losen Versprechungen. Falk lehnte ab. „Ich wollte mir meinen Ruf nicht ruinieren“, begründet er. „Wenn so ein Scheich mal einen Rappel bekommt, schmeißt der dich nach zwei Wochen wieder raus.“ Umstände, unter denen er nicht arbeiten wollte. Dann schon eher beim FC Barcelona, seiner großen Liebe, bei der er jüngst hospitierte. Doch Barcelona ist weit weg.

Fast wäre Falk schon als Spieler bei den Katalanen gelandet. Als er im altehrwürdigen Londoner Wembley-Stadion bei einem Länderspiel der deutschen U-16-Nationalmannschaft doppelt getroffen hatte, flatterte ihm ein Fax ins Haus. Johan Cruyff persönlich wollte das Talent nach Barcelona lotsen, doch Falks Vater, glühender Eintracht-Fan, legte ein Veto ein. Sein Sohn sollte in Frankfurt bleiben. Nach einem Intermezzo in Leverkusen schaffte er dann bei der Eintracht den Sprung in die Bundesliga. Am 25. September 1999 machte Falk sein erstes Spiel von Beginn an ? ausgerechnet vor der atemberaubenden Kulisse im Dortmunder Westfalenstadion. „Mir war vorher so mulmig, dass ich 15 Tassen Kaffee gesoffen habe“, verrät Falk.

Kritik an der Eintracht

Die Premiere glückte, doch mit dem Trainerwechsel zu Felix Magath waren seine Dienste nicht mehr gefragt. „Mein größter Fehler war, dass ich nicht gewartet habe, bis ein neuer Trainer kommt.“ Falk wechselte nach Braunschweig. Über Oberhausen, Offenbach und Leipzig kehrte er zurück in seine Heimat.

Dass ihm trotz seines Talentes der Durchbruch nicht gelang, lag neben einem Schnelligkeitsdefizit auch an seiner Einstellung. Falk fehlte in den entscheidenden Momenten der richtige Biss. „Ich hatte aber auch Pech, weil überall, wo ich hinkam, ein Umbruch eingeleitet wurde.“ Seine Ex-Klubs hat Falk nicht aus den Augen verloren. Vor allem das Treiben bei der Eintracht verfolgt er genau und hat Gründe für die sportliche Talfahrt ausgemacht. Dass die Führung in einem derart großen Kader nur einen Linksverteidiger eingebaut hat, ist für ihn ein „Unding“. „Bei den Transfers wurde in letzter Zeit viel falsch gemacht.“ Lob hat Falk für Trainer Christoph Daum übrig, unter dessen Anleitung er in Leverkusen einst über Scherben lief. „Vor so einer Aktion warnt man eigentlich seine Kinder.“ Seine Wirkung habe es nicht verfehlt. „Erst hast du gedacht, du machst dir die Füße kaputt. Als aber nix passiert ist, hast du dich großartig gefühlt. Daum ist schon positiv verrückt.“

Einige Daumsche Methoden hat Falk in Wittgenborn übernommen. „Ich habe meinen Spielern gesagt, dass wir im Training auch gerne klatschen und kuscheln können. Wenn wir gewinnen, ist alles gut.“ Auch in Wittgenborn, in der achten Liga.

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