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Mario Basler Die Schnapsidee

Mario Basler wird vorerst nur bis Weihnachten Trainer bei Rot-Weiss Frankfurt. Der Hessenligist hofft auf neue Sponsoren.

Mario Basler
Mario Basler soll die Roten aus dem Keller führen. Foto: dpa

Eigentlich, sagt Mario Basler, hätte er am Samstag im Tor stehen müssen. Beim Turn- und Sportverein Rüssingen in der Verbandsliga Südwest Rheinhessen sollte er mal wieder als Keeper aushelfen. Statt sich in der siebten Liga auf den Rasen zu werfen, wird der Ex-Nationalspieler nun allerdings am Samstag, 15 Uhr, auf dem Sportplatz des FC Ederbergland an der Seitenlinie stehen – als Trainer des Hessenligisten Rot-Weiss Frankfurt. „Eigentlich ist das ja auch viel schöner“, betont der 48-Jährige bei seiner Vorstellung am Donnerstagnachmittag beim abstiegsbedrohten Fünftligisten.

Fast ein Dutzend Kameras und genauso viele Mikrofone sind vor dem Europameister von 1996 in der griechischen Gaststätte Taverna Symposion im Stadion am Brentanobad aufgebaut. Man zieht kurzfristig um, der Andrang ist groß, der ursprünglich vorgesehene Raum klein, und es sollen ja alle hören können, was den ehemaligen Bundesligaprofi vom SV Werder Bremen, Bayern und 1. FC Kaiserslautern nach Frankfurt-Rödelheim verschlägt. Und natürlich, um ihm flapsige Sprüche zu entlocken. Was bestens gelingt: „Nochmal für alle: Ja, ich rauche.“ Oder: „Ich brauche keinen Co-Trainer, der kostet ja auch noch Geld“, sagt Basler, schwarz-gelber Trainingsanzug, graue Socken, Adiletten.

Für unfreiwillige Komik sorgte Aufsichtsratsmitglied Johny Baez, der vermuten ließ, das Basler-Engagement sei eine echte Schnapsidee. Baez und Basler sind befreundet, Baez seit vergangenem Freitag im Aufsichtsrat des Klubs. „Bei einem Gläschen Rum habe ich den Mario angerufen und gefragt, ob er uns nicht einen Trainer vermitteln kann.“ Im Spaß habe er dann hinterhergeschoben, ob er den vakanten Trainerposten nicht selbst übernehmen könne. Dann ging alles ganz schnell, Baez rief Basler nochmal an, der schaute am Dienstag bei der 1:3-Heimpleite gegen den TSV Lehnerz zu und gab sein Einverständnis, bis zum 9. Dezember das Team zu übernehmen. Das sind lediglich neun Spiele bis zur Winterpause.
„Ich musste das erst mit meinem Management und meinen Werbepartnern klären“, berichtet Basler, der zuletzt viel unterwegs gewesen sei. Den „Freundschaftsdienst“ wollte er seinem Kumpel aber nicht abschlagen.

Klub drücken Schulden

Als Trainer war der Bundesliga-Torschützenkönig von 1995 zuletzt bei Rot-Weiß Oberhausen unter Vertrag, wurde aber im September 2012 vorzeitig entlassen. Danach waren es vor allem Auftritte im Privatfernsehen, mit denen er für Schlagzeilen sorgte. Bezahlt wird Basler bei den „Roten“ von privaten Sponsoren und nicht – wie man es hier und da unken hörte – vom Hauptsponsor, einem FKK-Saunaclub, den der Hessische Fußballverband nach langer Bedenkzeit erst am Montag für nicht anstößig erklärte und also genehmigte.

Der Verlust des Hauptsponsors hätte dem Klub unheimlich wehgetan. Den Klub drückt nach FR-Informationen ein mittlerer fünfstelliger Betrag an Verbindlichkeiten. In den vergangenen Jahren hat sich Rot-Weiss abhängig von einem langjährigen Gönner gemacht, ohne den der Verein längst wieder in die Niederrungen der Bezirks- oder Kreisliga abstürzen würde. Ex-Präsident Ottmar Klaus träumte sogar vom Durchmarsch in die zweite Liga. Der Klub scheiterte jedoch zweimal hintereinander in der Aufstiegsrelegation zur Regionalliga. Zwar macht Rot-Weiss eine gute Jugendarbeit, der Klub ist jedoch nicht breit genug aufgestellt, und auch durch Ticketverkäufe kommt nicht viel in die Vereinskassen. Zu Heimspielen erscheinen maximal 200 Zuschauer.

Der neugewählte Vorstand hofft mit dem Basler-Coup auf Synergieeffekte und neue Einnahmequellen durch die gesteigerte Aufmerksamkeit für den einstigen Regionalligisten. „Vielleicht gelingt es mir, den ein oder anderen Sponsor herzulocken“, stellte Basler in Aussicht. Dafür müsste er aber länger als nur zwei Monate als Trainer wirken. Der sportliche Leiter Yüksel Ekiz, der gerade den Abgang von Trainer Daniyel Cimen zu Ligakonkurrent Teutonia Watzenborn-Steinberg verkraften musste, betonte zwar, dass man sich parallel auf dem Trainermarkt umschaue: „Wir hoffen aber, dass der Mario länger bleibt.“

Am Donnerstagabend leitete Basler sein erstes Training und will in den kommenden Wochen der Mannschaft „neues Selbstbewusstsein geben“ und ihr den „Druck nehmen.“ Das junge Team habe Potenzial. Als Spielertrainer werde er aber nicht auflaufen. „Ich stehe noch bei Rüssingen unter Vertrag“, sagte Basler, „die würden eine zu hohe Ablösesumme verlangen.“

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