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Frankfurt Universe „Weit über seinen Verhältnissen gelebt“

Der Football-Klub Frankfurt Universe arbeitet die Vergangenheit auf und plant die Zukunft. Nächsten Mittwoch steht die erste Gläubigerversammlung an.

Insolvenzverwalter Thomas Rittmeister und Universe Geschaeftsfuehrer Michael Schwarzer
Nachdenklich: Insolvenzverwalter Thomas Rittmeister und Universe-Geschäftsführer Michael Schwarzer Frankfurt Universe. Foto: imago

Eigentlich wollte Thomas Rittmeister Mitte September reinen Tisch machen. Schwarz auf weiß, so hatte es der Insolvenzverwalter von Frankfurt Universe angekündigt, würde er den Schuldenstand des Football-Erstligisten beziffern. Doch nun sieht sich der Jurist gezwungen, zurückzurudern. Anfang Juli hatte er im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk und der FR von rund 1,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten gesprochen, die die Buchhaltung der Universe-GmbH errechnet habe. Das führte zu Unmut bei anderen Klubs der GFL – und letzten Endes zu einem Punktabzug für die Universe. „Ein Eigentor“, stellt Rittmeister rückblickend fest. Deswegen behält er die genauen Zahlen nun lieber für sich.

Am kommenden Mittwoch wird Rittmeister sich aber äußern müssen, um 10 Uhr hat das Amtsgericht Offenbach in seinen Räumen die erste Gläubigerversammlung angesetzt. Über 250 Gläubiger sind laut dem Insolvenzverwalter der Bitte des Gerichts gefolgt und haben ihre Ansprüche bis zum 1. September angemeldet. Die Zahl ist so hoch, da sich unter den Geschädigten auch viele Dauerkartenkäufer befinden. Nach FR-Informationen waren die 1,5 Millionen Euro aber nicht weit gefehlt, in der Tat handelt es sich um einen siebenstelligen Betrag. Und: Bis das Insolvenzverfahren eingestellt ist, können noch weitere Gläubiger ihre Ansprüche geltend machen.

Keinen Hehl macht Rittmeister daraus, dass die Frankfurt Universe Betriebs-GmbH (FUB), die im November 2015 gegründet wurde und schon im April 2018 einen Insolvenzantrag stellte, richtig schlecht gewirtschaftet hat. „Es wurden kaufmännische Fehler gemacht. Man hat weit über seinen Verhältnissen gelebt und die Ausgaben nicht den Einnahmen angepasst“, sagt der Rechtsanwalt. Er könne nur hoffen, „dass man seine Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat und in Zukunft nur einen Euro ausgibt, wenn man auch einen Euro einnimmt.“

Die Weichen für eine ruhigere Zukunft muss nun die Führung des eingetragenen Vereins stellen. „Wir erarbeiten ein Konstrukt“, sagt der Erste Vorsitzende Dirk Arnold. „Das wird aber noch bis Oktober dauern.“ Die Vereinsführung ist bei den Mitgliedern umstritten, es heißt, die Verantwortlichen hätten die Warnsignale der Insolvenz zu spät erkannt. Das Konzept für die Zukunft sollte besser ein überzeugendes sein. Ob es mit oder ohne die FUB weitergeht, das ist im Vorstand durchaus umstritten. Arnold plädiert dafür: „Jetzt schon wieder eine neue GmbH zu gründen, sähe ein bisschen blöd aus“, findet er. „Wir sollten lieber in die Hände spucken und den Karren zusammen aus dem Dreck ziehen.“

„Ich habe Fehler gemacht“

Auch um FUB-Geschäftsführer Michael Schwarzer, unter dem die Universe in die Insolvenz schlitterte, gibt es Diskussionen. Der gelernte Mechatroniker hat in den Monaten vor der Insolvenz keine gute Figur abgegeben, für die Finanzen soll er künftig nicht mehr zuständig sein. „Dass ein neuer kaufmännischer Geschäftsführer her muss, ist klar“, sagt Arnold. Auch soll es in Zukunft einen Wirtschaftsrat geben, dem die Geschäftsführung regelmäßig zu berichten hat. „Wir brauchen ein engmaschigeres Controlling“, betont Arnold. Er will jedoch eine neue Aufgabe für Schwarzer finden. In den Bereichen Spielbetrieb und Spieltagsorganisation mache er „einen guten Job“.

Schwarzer sagt, es sei auch sein Wunsch, den kaufmännischen Sektor abzugeben. „Das ist nicht unbedingt meine Paradedisziplin“, gibt er zu. „Vielleicht hätte man von Anfang an überlegen müssen, wie man die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt.“ Zur finanziellen Schieflage hätten mehrere Faktoren geführt: zum einen die ominösen 300 000 Euro, die der frühere Geschäftsführer Matthias Mämpel 2016 fälschlicherweise von Hauptsponsor Samsung kassiert haben soll. Dann ein Abfindungsvertrag, der Mämpel weiterhin üppige Provisionen garantieren soll. „Und auch ich habe meine Fehler gemacht“, sagt Schwarzer. Weitermachen will der 31-Jährige trotzdem. Ob als einer von zwei Geschäftsführern oder nur noch als Leiter der Bereiche Spielbetrieb und Organisation – das sei ihm egal.

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