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Frankfurt Universe Nassgemacht in der Regenschlacht

Frankfurt Universe muss sich im Eurobowl denkbar knapp den Braunschweig Lions geschlagen geben.

New Yorker Lions Braunschweig - Samsung Frankfurt Universe, Eurobowl 2018
In den Weg gestellt: Kein Durchkommen für die Universe gegen die Löwen aus Braunschweig. Foto: pressehaus/kessler

Genau 38 Yards waren es, umgerechnet 34,75 Meter, die die Footballer von Frankfurt Universe vom größten Titel ihrer Vereinsgeschichte trennten – und Max Siemssen davon, der ganz große Held zu werden. Es war schon spät geworden am Bornheimer Hang, richtig spät, die Uhr zeigte halb eins, da durfte der Kicker der „Men in Purple“ nochmal zum Fieldgoal-Versuch antreten. Mit einem Treffer hätte Siemssen seiner Mannschaft drei Punkte und damit den Sieg in einem ellenlangen und wahnsinnig engen Big-Six-Finale gegen die Braunschweig Lions sichern können. Er lief an, trat gegen den Ball – und das Leder segelte links am Gestänge vorbei. 

Opposition formiert sich

„Von der Weite her war es eigentlich kein Problem“, sagte der erst 19 Jahre junge Siemssen. „Er ist einfach vorbei gegangen, keine Ahnung, warum.“ So musste der Braunschweiger Quarterback Jadrian Clark nur noch einmal mit dem Ball auf die Knie gehen, um die letzten Sekunden von der Anzeigetafel ticken zu lassen. Um 0.38 Uhr durften die Lions dann endlich den Pokal in die Höhe recken, zum vierten Mal in Folge. 19:20 hieß es aus Frankfurter Sicht am Ende eines denkwürdigen Eurobowls, einem Football-Abend voller Spannung und Dramatik, nach dessen Abschluss manche der schweren Universe-Jungs bittere Tränen weinten. 

Die Hausherren wussten nämlich genau: Im Bornheimer Dauerregen wäre mehr drin gewesen. „Wir haben uns selbst geschlagen“, sagte Siemssen. „Wir hätten gewinnen müssen.“ In die gleiche Kerbe hieb Headcoach Brian Caler: „Das ist sehr bitter. Eigentlich haben wir die meiste Zeit gut genug gespielt, um zu gewinnen.“ Aber eben nur die meiste. 

Zunächst zeigten sich die Männer in Lila aber klar verbessert im Gegensatz zur bitteren 7:17-Niederlage eine Woche zuvor in Schwäbisch Hall. Selbst, als um 20.28 Uhr ein heftiges Unwetter über dem Frankfurter Osten hereinbrach und die Schiedsrichter die Partie für sage und schreibe 107 Minuten unterbrachen, ließen sie sich nicht davon aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil, die Frankfurter wirkten nach der langen Regenpause sogar durchaus erfrischt und machten durch Touchdowns von Justin Rodney, Kweishi Brown und David Giron aus einem 0:7-Rückstand eine fast schon komfortable 19:7-Führung. Zuvor hatte Niklas Römer die Lions in Front gebracht. 
Dass die Frankfurter Offensive nach der Unterbrechung so gut ins Rollen kam, lag auch daran, dass Caler zur Mitte des zweiten Viertels seinen neuen Quarterback Andrew Elffers ins Rennen schickte, der erst sieben Tage zuvor in der Mainmetropole gelandet war und sich vor 3122 Zuschauern gut einfügte. Zuvor hatte zwar auch der deutsche Backup Sonny Weishaupt einen guten Job gemacht, mit Elffers schien die Universe-Brust aber noch etwas breiter zu werden, während die Lions fast ein wenig eingeschüchtert von der Präsenz des Kaliforniers wirkten. „Andrew ist ein Gewinner“, sagte Caler, „er bringt etwas Besonderes in unser Spiel.“ 

Trotzdem schafften es die Gastgeber nicht, sich zum Gewinner im Finale des höchsten europäischen Pokalwettbewerbs zu krönen. In der zweiten Halbzeit leistete sich vor allem die Defense viel zu viele Strafen, was die Niedersachsen mit ihrer Erfahrung aus fünf Endspielteilnahmen in Folge gnadenlos ausnutzten. David McCants und Spielmacher Clark drehten die Partie, danach ließen die Lions-Verteidiger nichts mehr zu. „Gegen solche Gegner muss man von Anfang bis Ende ruhig und konzentriert bleiben“, mahnte Caler. „Ein paar Mal haben wir aber Blödsinn gemacht.“ So mussten sich die Frankfurter mit dem ungeliebten Pokal für den Zweitplatzierten begnügen, der schnell in den Stadionkatakomben verstaut wurde.

Spannung verspricht derweil auch der Dienstag. 81 Mitglieder des eingetragenen Vereins haben einen Antrag für eine außerordentliche Mitgliederversammlung gestellt, die nun morgen Abend unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne geht. Dem Vernehmen nach hat sich eine Gruppe formiert, die den aktuellen Vorstand stürzen will. In den Monaten vor dem Insolvenzantrag der GmbH hatten die Vereins-Oberen eher weggeschaut, statt einzugreifen. Nun könnten sie die Quittung dafür bekommen.

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